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Ärger um App

Peking wirft Apple Unterstützung der Hongkong-Proteste vor

Im App Store können sich Hongkonger eine Software herunterladen, die ihnen hilft, der Polizei auszuweichen. Die chinesische Regierung kritisiert Apple für die Unterstützung der Aktivisten.

Vincent Thian / AP

Demonstranten und Bereitschaftspolizisten treffen in Hongkong aufeinander: Apps wie HKmap.live versprechen Informationen rund um die Proteste

Mittwoch, 09.10.2019   12:30 Uhr

Auto-Icons mit Blaulicht zeigen auf der digitalen Karte HKmap.live an, wo die Polizei in Hongkong gerade unterwegs ist. Die entsprechenden Informationen haben Nutzer zur Verfügung gestellt, die Macher der Karte setzen aufs sogenannte Crowdsourcing. In Apples App Store steht HKmap.live seit dem 5. Oktober als App zum Download bereit - was nun dazu geführt hat, dass die chinesische Regierung den Tech-Konzern kritisiert.

Das Parteiorgan "Volkszeitung" warf Apple am Mittwoch vor, Randalierer zu unterstützen: Die App mache es Demonstranten leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen. "Apples Zustimmung zu der App hilft natürlich den Randalierern. Was ist die tatsächliche Absicht?", schrieb das Blatt.

hkmap

Karte von HKmap.live

Bei Apple Music biete der Konzern zudem ein Lied an, das offen für die Unabhängigkeit Hongkongs von China eintrete, heißt es. Niemand wolle das US-Unternehmen in die Unruhen in der Sonderverwaltungsregion hineinziehen: "Die Menschen haben aber Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar illegalen Handlungen vermischt." Apple müsse "über die Konsequenzen seiner unklugen und rücksichtslosen Entscheidung nachdenken".

Die App erst nicht zugelassen

Apple hatte sich als Reaktion auf Kritik auf die Seite der Demonstranten gestellt. Die Crowdsourcing-App HKmap.live hatte Apple anfangs nicht im App Store zugelassen, wie deren anonyme Entwickler auf Twitter schrieben. Das Unternehmen hatte diese Entscheidung dann aber wieder revidiert und die App doch verfügbar gemacht. Einem Medienbericht zufolge ist HKmap.live in der Kategorie "Reise" in Hongkong die App mit den höchsten Downloadzahlen.

"Wenn die Brutalität und der Wahnsinn der Polizei auf den Straßen von Hongkong zunimmt, verlasse ich mich auf diese App, um mich durch die Stadt zu navigieren, wenn ich nach Hause will oder zur Arbeit gehen muss", schreibt etwa der Nutzer "Kaoichen" in seiner Bewertung im App Store.

sop/dpa

insgesamt 10 Beiträge
georg.sperr 09.10.2019
1. Gute
Entscheidung von Apple. Respekt. Andere Unternehmen trauen sich offensichtlich nicht Chinas Machthaber zu ärgern,bzw.zu kritisieren.
Entscheidung von Apple. Respekt. Andere Unternehmen trauen sich offensichtlich nicht Chinas Machthaber zu ärgern,bzw.zu kritisieren.
Kamillo 09.10.2019
2.
Dann muss aber China auch die Navigations-App WAZE verbieten, auch in der lassen sich neben Blitzern, Baustellen und Unfällen auch Polizeikontrollen melden.
Dann muss aber China auch die Navigations-App WAZE verbieten, auch in der lassen sich neben Blitzern, Baustellen und Unfällen auch Polizeikontrollen melden.
azoroes 09.10.2019
3.
Aktuell in Hongkong tatsächlich sehr nützlich um nicht in Proteste zu geraten. Funktioniert aber genauso gut als Website. Daher eigentlich egal ob als App oder Website
Aktuell in Hongkong tatsächlich sehr nützlich um nicht in Proteste zu geraten. Funktioniert aber genauso gut als Website. Daher eigentlich egal ob als App oder Website
Dekatelon 09.10.2019
4. Vergesst niemals Tiananmen '89
Es darf nie vergessen werden, dass es sich hierbei um das gleiche Regime handelt, welches Millionen Menschen verhungern lies und jedes Bestreben nach Freiheit und Demokratie blutig niederschlagen lässt. Jeder sollte sich [...]
Es darf nie vergessen werden, dass es sich hierbei um das gleiche Regime handelt, welches Millionen Menschen verhungern lies und jedes Bestreben nach Freiheit und Demokratie blutig niederschlagen lässt. Jeder sollte sich anschauen, was '89 auf dem Tiananmen Platz geschah und sich die Frage stellen, ob man bei Unternehmen einkaufen will, welche dem Regime helfen, dieses Gedankengut durch Selbstzensur aktiv unterstützen oder gar in den Westen exportieren. Gut, dass Apple nicht dazu gehört.
REGULISSI 09.10.2019
5. Dreistigkeit
Es bedarf schon aussergewöhnlicher Dreistigkeit, wenn ein Piratenregime, dass sich nur durch Waffen legitimieren kann, einem Konzern vorwirft, eine existenziell bedroht, demokratische Bevölkerung zu unterstützen. Die [...]
Es bedarf schon aussergewöhnlicher Dreistigkeit, wenn ein Piratenregime, dass sich nur durch Waffen legitimieren kann, einem Konzern vorwirft, eine existenziell bedroht, demokratische Bevölkerung zu unterstützen. Die Propagandisten dieses Regimes sind offensichtlich so in ihrer eigenen Rhetorik gefangen, dass sie gar nicht realisieren, welchen Unsinn sie posaunen.

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