Netzwelt

Debatte über Audiomitschnitte

"Die Kunden haben nicht aufgehört, Alexa zu nutzen"

Amazon stand in der Kritik, weil Menschen Alexa-Aufnahmen von Kunden überprüfen. Geräte-Chef Dave Limp räumt Versäumnisse bei der Nutzeraufklärung ein. Das umstrittene Verfahren will er aber beibehalten.

Britta Pedersen/ zb/ DPA

Lautsprecher Amazon Echo: Ein vergleichsweise kleiner Teil der Audioaufnahmen wird von Menschen ausgewertet - wenn Nutzer dem nicht widersprechen

Montag, 30.09.2019   21:23 Uhr

Amazon verteidigt die umstrittene Praxis, einige Mitschnitte von Unterhaltungen mit seiner Sprachassistentin Alexa auch von Menschen auswerten zu lassen. "Wir sind sehr überzeugt, dass der Service besser wird, wenn die Kunden es uns erlauben, die Daten für seine Verbesserung zu nutzen", sagte Amazons Geräte- und Dienste-Chef Dave Limp am Montag am Rande der Gründermesse "Bits & Pretzels" in München.

Amazon und andere Anbieter von Sprachassistenten wie Apple und Google waren in den vergangenen Monaten massiv dafür kritisiert worden, dass die Mitschnitte auch von Mitarbeitern angehört und analysiert wurden, ohne dass dies der Mehrheit der Nutzer bewusst war. Apple und Google kündigten im Zuge der Kontroverse an, künftig vorab die Zustimmung dafür einzuholen. Die Rede ist bei einem solchem Vorgehen von einem Opt-in.

Amazon hingegen entschied sich für ein Opt-out, also für einen Ansatz, bei dem die Nutzer einer Verwendung ihrer Mitschnitte zwar widersprechen können, sie aber standardmäßig möglich ist (Wie man die Funktion abschaltet, steht hier ganz unten).

Amazon sehe darin die bessere Lösung für die Nutzer, betonte Limp. Es könne natürlich sein, dass die Konkurrenten weiter beim maschinellen Lernen seien als Amazon - was er sehr bezweifele -, "oder ihre Dienste werden sich nicht so schnell verbessern".

Andrej Sokolow/ DPA

Amazons Geräte-Chef Dave Limp

"Als wüssten das alle"

Limp räumte auf der "Bits & Pretzels" ein, dass es ein Fehler gewesen sei, die Nutzer nicht ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass einige Alexa-Mitschnitte von Mitarbeitern ausgewertet werden. Vielen Nutzern wurde das erst nach einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg im Frühjahr bewusst, es folgte Kritik.

"Wenn man mich an dem Tag gefragt hätte, wäre ich wahrscheinlich überrascht gewesen, weil es mir und meinem Team erschien, als wüssten das alle", sagte Limp jetzt. "Aber das zeigt nur, dass wir in dieser Frage zu nahe an der Industrie dran waren und nicht nah genug an den Kunden."

Zugleich seien die Reaktionen in den Medien stärker gewesen als bei den Nutzern: "Die Kunden haben nicht aufgehört, Alexa zu nutzen." Bei Mitarbeitern landeten auch nur rund 0,1 Prozent der Interaktionen mit der Sprachassistentin, betonte Limp. Er sagte auch, dass er hoffe, "dass wir eines Tages keine Beteiligung von Menschen brauchen werden" - noch sei dies aber notwendig.

Viele neue Produkte mit Alexa

Amazon hatte vergangene Woche eine Reihe neuer Geräte vorgestellt. Darunter waren auch für Amazon neue Produktkategorien, die Alexa helfen könnten, sich außerhalb eines Haushalts im Alltag der Nutzer zu verankern - kabellose Ohrhörer etwa sowie eine Brille und ein Ring mit Mikrofonen. Amazon setzt stark aufs sogenannte "Ambient Computing" - die Vision, dass Computertechnik einen Nutzer permanent umgibt.

Mit den Ohrhörern Echo Buds können die Nutzer zum Beispiel in den zu Amazon gehörenden Whole-Foods-Lebensmittelmärkten Alexa fragen, in welchem Gang sich ein Produkt befindet. Alexa ist außerhalb des Hauses aber im Nachteil gegenüber Apples Siri und dem Google Assistant, weil die konkurrierenden Sprachassistenten direkt in Smartphone-Systeme integriert sind. Im Fall der Amazon-Ohrhörer muss auf dem iPhone - und auch vielen Android-Telefonen - dafür die Alexa-App laufen.

"In einer perfekten Welt würde man auf den Echo Buds auch Siri und Google ansprechen können", sagte Limp. Apple und Google seien noch nicht bei dieser Sicht der Dinge angekommen, "aber ich hoffe, dass sich die Industrie mit der Zeit in diese Richtung bewegen wird".

Alexa für alle Geräte

Limp bekräftigte, dass Amazon nach dem Misserfolg mit dem kurzlebigen Fire Phone keine Pläne für eine Rückkehr in den Smartphone-Markt habe. Das käme erst in Frage, wenn man eine klare Vorstellung hätte, wie sich Amazon von anderen großen Anbietern abheben könne.

"Unser Ziel is es, Alexa und ihre Smarthome-Fähigkeiten auf alle Geräte zu bringen, die es gibt", betonte Limp. Amazon sei trotz der Vorstellung vieler eigener Geräte genauso auf Partnerschaften mit anderen Herstellern fokussiert wie bisher.

Amazon arbeitet auch daran, Alexa für längere Gespräche mit Nutzern fit zu machen. "In fünf bis zehn Jahren werden Sprachassistenten mehr Unterhaltungen führen", sagte Limp. Aktuell seien die Interaktionen noch eher auf einzelne Aufgaben fokussiert. Auch hier gebe es ein Spannungsfeld zwischen Datenfreigabe und Qualität der Dienste: "Wenn man jeden Tag die Daten löschen würde, wäre der Service nicht so gut."

mbö/dpa

insgesamt 14 Beiträge
straksine65 01.10.2019
1. Schau mal weiter unten...
Hier warnt ihr noch vor Alexa und ein Stück weiter unten kann man nachschauen, wie man das Spiegel- Update bei Alexa fährt.
Hier warnt ihr noch vor Alexa und ein Stück weiter unten kann man nachschauen, wie man das Spiegel- Update bei Alexa fährt.
stoffi 01.10.2019
2. Alexa wurde von meinen Kindern
dem sehr kranken Vater geschenkt, um sie im Notfall darüber zu informieren, wenn es ihm nicht gut geht. Er hatte die Möglichkeit so mehrere Kinder anzurufen. Drei Wochen später rettete man so sein Leben. Er lag auf dem Boden [...]
dem sehr kranken Vater geschenkt, um sie im Notfall darüber zu informieren, wenn es ihm nicht gut geht. Er hatte die Möglichkeit so mehrere Kinder anzurufen. Drei Wochen später rettete man so sein Leben. Er lag auf dem Boden und rief:,, Alexa ruf D....an" . Ob das nun von anderen mit geschnitten wird, ist egal.
dippegucker 01.10.2019
3. Natürlich haben die Kunden ...
... nicht aufgehört Alexa, Siri oder sonst irgendein Sprach-Gadget zu nutzen. Wozu auch ? Dieser ganze Medien-Hype um Sprach-Assistenten greift viel zu kurz. Seit Jahrzehnten ist Sprachsteuerung und -Mitschnitt von [...]
... nicht aufgehört Alexa, Siri oder sonst irgendein Sprach-Gadget zu nutzen. Wozu auch ? Dieser ganze Medien-Hype um Sprach-Assistenten greift viel zu kurz. Seit Jahrzehnten ist Sprachsteuerung und -Mitschnitt von Telefonaten geübte Praxis im Telefonverkehr, ohne daß sich jemand ereifert hätte. ( Versuchen Sie mal mit Ihrer Bank, Versicherung oder sonstigem Lieferanten in Telefonkontakt zu treten, ohne mehrere Minuten mit einer Sprachsteuerung zu kämpfen. ) Windows ( genau wie andere ) bietet ebenfalls seit Jahrzehnten eine Diktat-Funktion für Office an, die ohne Analysieren und Lernen von gesprochenen Inhalten wohl kaum einen Pfifferling wert wäre. Wer nicht möchte, daß seine Stimme öffentlich verfügbar, analysierbar und identifizierbar ist, der sollte einfach das Sprechen einstellen. Weit mehr Möglichkeiten, als die Analyse von Sprachbefehlen bieten doch die aus Eitelkeit in Netz gestellten Videos, Fotos und Sprachbeiträge. Wenn eine Maschine die Absonderungen von Konsumenten nicht versteht, wer sollte sie dann wohl auf Sinnhaftigkeit untersuchen, wenn nicht Menschen ? Jedes Verkaufsgespräch seit Erfindung des Handels, beginnt mit einer Analyse der Kundenbedürfnisse, wer seine Bedürfnisse für sich behalten möchte, bekommt eben keine qualifizierte Beratung. Selbst SPON und andere Medien nutzen mit Begeisterung Cookies und andere Tracker um ihren Adressaten die Nachrichten so aufzubereiten, daß möglicht viele Klicks die Kasse klingeln lassen. Darüber zu berichten und aufzuklären unterläßt man wohlweislich. Brave new world !
Sonia 01.10.2019
4. Es ist einfach ein interessantes Teil: Alexa
Wir haben es unserem Großvater gekauft. Telefon? Benötigt er nicht mehr. Er kann Alexa bitten jeden anzurufen, der als Kontakt im Handy steht. Und das, ohne zu wählen, einfach auf Zuruf - z.B. wenn er wieder einmal gestürzt [...]
Wir haben es unserem Großvater gekauft. Telefon? Benötigt er nicht mehr. Er kann Alexa bitten jeden anzurufen, der als Kontakt im Handy steht. Und das, ohne zu wählen, einfach auf Zuruf - z.B. wenn er wieder einmal gestürzt ist. Er liest viel und gern. Einfach Alexa fragen, wenn ihn ein Fremdwort nicht geläufig ist, wenn er nähere Informationen zu einer Person haben möchte. Für alte Menschen, die in Bewegung etc. massiv eingeschränkt sind, einfach toll. Meinen Großvater wäre es völlig egal, ob da jemand mithört, mitschreibt. Wenn diese Art Technik weiter ausgebaut würde, wäre es für alle Menschen, die allein leben usw. wirklich eine Hilfe. Freunde benutzen diese Geräte auch zwischen den Etagen im Haus - es ist ja eine Freisprechanlage. Man sollte nicht alles verteufeln, was irgendwie Datenschutzprobleme aufkommen lässt. Jeder muss es selbst entscheiden, bekommt mein Opa Damenbesuch, kann er ja den Stecker ziehen -:)
njotha 01.10.2019
5. einerseits, andererseits
für allein lebende ältere oder irgendwie eingeschränkte Menschen sicher eine geniale, Sicherheit schaffende Technik - wahrscheinlich mittelfristig auch für mich. Aber von den jungen Familien in meinem Freundeskreis haben [...]
für allein lebende ältere oder irgendwie eingeschränkte Menschen sicher eine geniale, Sicherheit schaffende Technik - wahrscheinlich mittelfristig auch für mich. Aber von den jungen Familien in meinem Freundeskreis haben mindestens vier alle diese nicht kontrollierbaren Sprachsteuerungen deaktiviert bzw ausrangiert.

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