Netzwelt

HTC One (M8) im Test

Alu-Sprinter mit Ausdauer und Weichzeichner

Mit einer doppeläugigen Kamera, viel Aluminium und schneller Technik soll das HTC One (M8) Samsung und Apple Käufer abspenstig machen. Ist das edle Oberklasse-Handy dafür gut genug? Eine Schwäche hat es jedenfalls.

Matthias Kremp
Von
Montag, 07.04.2014   19:57 Uhr

Mit dem ersten One sicherte sich HTC eine vergleichsweise kleine, aber treue Anhängerschaft. Kaum war das Gerät im Frühjahr 2013 auf den Markt gekommen, galt es als eines der besten und schönsten Android-Handys. Trotzdem konnte es sich nicht gegen die Konkurrenz von Samsung durchsetzen, die den Taiwanern mit ihren Kunststoff-Smartphones im großen Stil Marktanteile abnahmen. Das neue One (M8) soll diesen Trend stoppen.

Getreu dem Motto "Never change a winning team" ist das Design gegenüber dem Vorgängermodell nur wenig verändert worden. Die Rückseite ist immer noch leicht gewölbt, liegt aber besser in der Hand, weil der Übergang zu den Rändern abgerundet wurde. Bewährte Designelemente wie die rückwärtigen Horizontalstreifen oder die gebohrten Löcher der Lautsprecherschlitze sind geblieben. In Kombination mit der gebürsteten Alu-Oberfläche wirkt das edel und stabil.

Neu ist, dass man für das One (M8) jetzt eine Sim-Karte im Nano-Format braucht, alte Micro-Sim-Karten passen nicht. Für gewöhnlich ist es aber kein Problem, eine solche Karte von seinem Provider zu bekommen. Neu ist auch der Steckplatz für eine Micro-SD-Karte, der bereits Speicherkarten mit bis zu 128 GB Kapazität aufnehmen kann. Er ist allerdings auch nötig, denn die 16 GB unseres Testgeräts waren schnell gefüllt.

Ein bisschen Fitness

Mit dem One (M8) führt HTC auch die Version 6 seiner Android-Benutzeroberfläche Sense mit optischen Neuerungen ein. Wer das nicht mag, sollte die Google-Play-Edition des HTC-Smartphones bestellen, die mit einem nackten Android ausgeliefert wird. Zu den Software-Beigaben, wie etwa der Fernseh-App HTC Sense TV, gesellt sich jetzt eine Fitbit-App, mit der das Handy zum Fitness-Tracker werden soll. Besonders sparsam arbeitende Sensoren sollen dabei die Aktivitäten des Nutzers aufzeichnen, ganz wie es der M7-Chip im iPhone 5s tut.

Als sehr nützlich erweisen sich die durchdachten Funktionen zur Gestensteuerung. Ähnlich wie beim LG G2 lässt sich das One (M8) aus dem Ruhezustand aufwecken, indem man doppelt aufs Display tippt. Außerdem kann man verschiedene Funktionen direkt aufrufen, je nachdem, von welcher Seite aus man über den Bildschirm des ruhenden Handys wischt. Ein Wisch von oben aktiviert beispielsweise die Sprachwahlfunktion des Handys.

Mehr Licht statt mehr Pixel

Gemessen an dem Wirbel, den HTC um die Kamera macht, ist das Ergebnis ernüchternd. Ultrapixel nennt das Unternehmen die Sensoren des Fotochips. Der Name soll verdeutlichen, dass sie größer sind als bei anderen Handykameras, deshalb mehr Licht aufnehmen und bessere Nachtaufnahmen machen. Der Preis dafür ist, dass die Kamera nur vier Megapixel hat. Andere protzen da mit weit höheren Werten.

Abseits der nackten Zahlen zeigen Aufnahmen der HTC-Kamera recht blasse Farben und neigen bei starkem Licht zu Überstrahlungseffekten. Bei mäßiger Beleuchtung schafft sie es tatsächlich, mehr Licht aufzusaugen als die meisten anderen Handy-Kameras. Ab einem bestimmten Schwellenwert kippt das allerdings. Aus einem Flugzeug heraus gemachte Aufnahmen nächtlich erleuchteter Städte zeigten beim One (M8) mehr Rauschen als mit einem iPhone 5s geknipste Vergleichsfotos.

Pseudo-3D und Unschärfe auf Abruf

Die Kamera-App protzt mit Effekten und Filtern, von denen einige nur durch das zweite Objektiv möglich werden, das zusätzlich zur eigentlichen Aufnahme eine Tiefenmessung durchführt. Mit den so aufgezeichneten Daten kann die Kamera-Software Objekte identifizieren und vom Hintergrund freistellen, so dass Hintergrund und Motiv getrennt bearbeitet werden können.

So lassen sich beispielsweise schöne Schraffurfilter und ein Pseudo-3D-Effekt erzeugen. Die Funktion Ufocus ermöglicht - wie die Lytro-Kamera - ein nachträgliches Fokussieren auf unterschiedliche Bildbereiche. Das funktioniert aber nur bei sehr klar definierten Objekten gut (siehe Bilderstrecke). Gehen die Objekte ineinander über, verschwimmen die Grenzen zwischen scharfen und unscharfen Bereichen.

Langer Atem dank Extremsparmodus

Über die Akkuleistung kann man nicht klagen. Einen typischen Arbeitstag übersteht das One (M8) im Test mühelos und hat noch Reserven. Sollte es dennoch eng werden, kann man den "extremen Energiesparmodus" zuschalten. Ist er aktiv, wird alles Verzichtbare abgeschaltet: Der Bildschirm wird dunkler, der Hintergrund schwarz, Datenverbindungen werden deaktiviert. Nur Grundfunktionen wie Telefon, E-Mail und SMS bleiben erhalten. Der Lohn für die Abstinenz: 15 Stunden Standby-Zeit bei nur fünf Prozent Akkuladung - verspricht jedenfalls HTC.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter, hochauflösender Bildschirm

Sehr schnelle Netzwerkanbindung

Schneller Prozessor

Sehr gute Verarbeitung

Gelungenes Design

Innovatives Kamerakonzept

Nicht überzeugende Fotoqualität

Fazit

HTC hat es geschafft: Das One (M8) ist eines der aktuell besten Android-Smartphones. Design und Fertigungsqualität überzeugen, die Technik leistet sich keine Schwächen. Es reagiert schnell und zuverlässig, surft mit Hochgeschwindigkeit in allen Netzen. Einzig die Doppelkamera kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Aber das ist eine lässliche Sünde. Als Gesamtpaket macht das One (M8) eine sehr gute Figur und ist das attraktivste Android-Handy, das man derzeit bekommen kann.

insgesamt 64 Beiträge
susiwolf 07.04.2014
1.
Irgendwann wird der Akku schwächeln. Kann (wenn überhaupt)'easy' ausgetauscht werden ? Kostenpunkt ?
Irgendwann wird der Akku schwächeln. Kann (wenn überhaupt)'easy' ausgetauscht werden ? Kostenpunkt ?
YouMi90 07.04.2014
2. Der selbe
wie beim HTC One... ist wieder die Kamera. Ich habe das HTC OneMini, alles super bis auf die Kamera (und die ist im HTC One die selbe). Die MegaPixel Strategie geht nicht voll auf, wobei der Grundgedanke super ist :) Ansonsten [...]
wie beim HTC One... ist wieder die Kamera. Ich habe das HTC OneMini, alles super bis auf die Kamera (und die ist im HTC One die selbe). Die MegaPixel Strategie geht nicht voll auf, wobei der Grundgedanke super ist :) Ansonsten scheint wieder alles super zu sein, der Sound aus dem Handy ist momentan das Beste, was der Markt zu bieten hat ;-)
sample-d 07.04.2014
3.
Das ist nicht nötig - es wird ein 'Netzteil' mitgeliefert. Damit kann man den Akku wieder aufladen wenn er einmal leer werden sollte...
Zitat von susiwolfIrgendwann wird der Akku schwächeln. Kann (wenn überhaupt)'easy' ausgetauscht werden ? Kostenpunkt ?
Das ist nicht nötig - es wird ein 'Netzteil' mitgeliefert. Damit kann man den Akku wieder aufladen wenn er einmal leer werden sollte...
Altesocke 07.04.2014
4. Interessant
"Datenverbindungen werden deaktiviert. Nur Grundfunktionen wie Telefon, E-Mail " e-mail, wie geht das, ohne Datenverbindung?
"Datenverbindungen werden deaktiviert. Nur Grundfunktionen wie Telefon, E-Mail " e-mail, wie geht das, ohne Datenverbindung?
Xangod 07.04.2014
5.
Es kommt nicht auf die Megapixel an!
Es kommt nicht auf die Megapixel an!

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Technische Daten

Hersteller HTC
Modell One (M8)
Maße (Millimeter) 146 x 71 x 9
Gewicht 160 Gramm
Sprechzeit Bis zu 20 Std.
Standby Bis zu 496 Std.
Display-Diagonale 5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080
Prozessor 2,3 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 2 GB
Massenspeicher 16 GB
Speichererweiterung microSD (bis 128 GB)
Kamera (hinten/vorne) 4,1 Mpx / 5 Mpx
Mobilfunktechnik LTE, HSPA+, EDGE, GPRS, GSM
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0
Betriebssystem Android 4.4.2
Besonderheiten Sekundärkamera für Tiefeninformationen, Infrarotsender
Preis 679 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben

Aktuelle Handys im Test

Mobile Breitbandformate

UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s im Standardmodus. Mit der Erweiterung HSPA+ (siehe dort) sind bis zu 42 Mbit/s möglich (Stand Ende 2012). Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 16 Mbit/s. (mehr ...)
HSPA+
High Speed Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 42 Mbit/s (Stand Ende 2012). Der HSPA+-Standard sieht Übertragungsraten von bis zu 168 Mbit/s vor, die bisher allerdings noch nicht erreicht werden. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen diesem Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. Theoretisch sind per LTE Downloadraten von bis zu 300 Mbit/s per Mobilfunk möglich. Tatsächlich werden von LTE-Netzbetreibern maximal 100 Mbit/s angeboten. In Deutschland werden für LTE Frequenzbänder verwendet, die durch die Umstellung der TV-Ausstrahlung auf digitale Angebote frei geworden sind. Einer der Vorteile von LTE ist die im Vergleich zu UMTS größere Reichweite der Funkmasten. Unter anderem deshalb wird LTE in Deutschland genutzt, um ländliche Gegenden, in denen eine DSL-Verkabelung nicht wirtschaftlich wäre, mit schnellen Datendiensten zu versorgen. Ein Problem bei LTE ist, dass es regional und je nach Anbieter auf unterschiedlichen Frequenzen arbeitet. Da nicht jeder LTE-Chip alle diese Frequenzen beherrscht, können manche Endgeräte trotz grundsätzlicher LTE-Tauglichkeit nicht alle LTE-Netze nutzen. . (mehr ...)
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General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
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Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Transferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. Bislang hat WiMax aber noch keine Bedeutung (Stand Ende 2012).(mehr ...)

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