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LG G Flex im Test

Dieses Handy ist 'ne krumme Sache

LG macht den Anfang: Mit dem G Flex bringt der koreanische Konzern das erste Smartphone mit gebogenem Bildschirm auf den Markt. Aber braucht man das wirklich? Wir haben getestet, was das krumme Ding kann - und was es aushält.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Dienstag, 04.02.2014   15:45 Uhr

Nein, es zerbricht nicht, wenn man sich draufsetzt. Das neue Android-Smartphone G Flex von LG ist zwar gebogen, es ist aber auch flexibel - selbst wenn der Hersteller das nicht offiziell sagt. Trotz des Preises von 800 Euro sind Gehäuse und Bildschirm aus Kunststoff - und das ist gut so. Denn so kann man das G Flex drücken und biegen, sich sogar darauf setzen, ohne dass es Schaden nimmt. Bis zu einer Last von hundert Kilogramm sei das möglich, verspricht LG.

Dass man sich über solche Dinge Gedanken macht, liegt an der ungewöhnlichen Form des G Flex. Anders als bei den meisten anderen Handys ist der Korpus um die Horizontalachse zum Anwender hin gebogen. LG ist damit seinem Konkurrenten Samsung voraus. Dessen um die Vertikalachse gebogenes Galaxy Round ist in Deutschland noch nicht erhältlich. Das gebogene LG hingegen soll ab dem 8. Februar zu kaufen sein.

Bei der Deutschlandpremiere des G Flex in Berlin gaben sich Manager des Unternehmens redlich Mühe zu begründen, was die Vorteile der gebogenen Form sein sollen. Leicht nachvollziehbar ist das Argument, dass man durch die Form eine bessere Sprachqualität erreicht. Das Mikrofon ist näher am Mund des Anwenders, ähnlich wie es bei analogen Telefonen und Klapphandys wie Motorolas Razr der Fall war.

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Biege-Smartphone: Das LG G Flex im Test
Ein weiteres Argument hat man sich von der TV-Industrie abgeschaut. Die begründet die Notwendigkeit für gebogene Curved-TV damit, dass bei einem gebogenen Bildschirm alle Pixel etwa gleich weit von den Augen entfernt sind, was zu einem besseren Bildeindruck führen soll. Dasselbe gelte auch für das G Flex, sagt LG. Bei den Fernsehern wird die Technik allerdings auch damit begründet, dass der Effekt umso deutlicher wird, je größer der Bildschirm ist.

Darum muss es krumm sein

Auf das sechs Zoll in der Diagonale messende Display des G Flex dürfte das also nur bedingt zutreffen. Trotzdem macht es Spaß, darauf Filme anzuschauen. Der Bildeindruck ist angenehm, der Bildschirm sieht ein wenig aus wie ein Mini-Kino. Ähnlich verhält es sich mit der gebogenen Form beim Telefonieren. Sie sorgt dafür, dass man das Telefon bequem halten kann. Die Sprachqualität ist tatsächlich besser als bei gerade gebauten Handys.

Außerdem flutscht das G Flex sehr geschmeidig in Gesäßtaschen, aus denen es aufgrund seiner Größe allerdings herausragt. Setzt man sich hin, zerbricht es zwar nicht, droht aber, aus der Tasche zu fallen. In der Innentasche eines Sakkos akzeptiert es keine andere Nutzlast neben sich. Weil es gebogen ist, braucht es mehr Platz.

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Autotechnik fürs Handy: Das Anti-Kratzer-iPhone-Case
Vor Schlüsselkratzern beim gemeinsamen Transport in einer Tasche muss man sich dank einer geheimen Beschichtung der Rückseite nicht fürchten. Kleinere Kratzer werden binnen Minuten von einem Spezialpolymer aufgefüllt, gegen größere Riefen hilft diese Technik aber nicht.

Großer Bildschirm, mittelmäßige Auflösung

Bei der alltäglichen Nutzung macht sich die ungewöhnliche Form kaum bemerkbar. Deutlich spürbar ist dagegen der große Bildschirm. Genau wie bei anderen Mobiltelefonen dieser Größenklasse braucht man beide Hände, um das Gerät zu bedienen. Einhändig kommt man nur an die untere Hälfte des Bildschirms.

Letzterer ist ohnehin ein Schwachpunkt des G Flex. Zwar strahlt er kräftig und kontrastreich, seine Auflösung liegt mit 1280 x 720 Bildpunkten aber unter dem, was man von ähnlich großen Geräten erwartet. Konkurrenzmodelle zeigen auf ähnlich großen Displays meist Full HD (1920 x 1080) an und sind dabei günstiger. Der Unterschied zeigt sich vor allem beim Lesen, wenn kleine Schriften zu unleserlichen Pixelhaufen werden.

Ultra-HD-Videos für wenige

Viel mehr ist an der Hardware des G Flex nicht zu kritisieren. Der Quadcore-Prozessor ist schnell, hat reichlich Arbeitsspeicher zur Verfügung. Im Geekbench-Testprogramm kommt er auf respektable 2275 Punkte. Das sind etwa 200 weniger, als das iPhone 5s mit seinem Dualcore-Prozessor erreicht, und etwa 900 weniger als Samsungs Galaxy S4 schafft. Genug Leistung für gängige Spiele, zum Filme gucken und fürs Web liefert er locker.

Die Ausstattung mit Netztechnik ist umfangreich, umfasst Gigabit-W-Lan nach 802.11ac, Bluetooth 4.0 LE und LTE. Die 13-Megapixel-Kamera macht gute Fotos und kann Videos nicht nur in Full-HD, sondern auch in Ultra-HD (3840 x 3120 Pixel) aufzeichnen. Einen passenden Fernseher, auf dem man sich solche Filme auch ansehen kann, hat derzeit allerdings kaum jemand. Ärgerlich ist der auf 32 GB festgelegte und nicht erweiterbare Massenspeicher. Es gibt weder eine 16-, noch eine 64-GB-Variante.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Neuartiges Konzept

Gute Verarbeitung

Gute Sprachqualität

Rückseite heilt kleine Kratzer selbstätig

Vergleichsweise elastisch

Leistungsstarker Prozessor

Gute Kamera

Nur mit zwei Händen gut bedienbar

Selbstheilung scheitert an tieferen Kratzern

Trotz 6-Zoll-Display nur 720p-Auflösung

Speicher nicht erweiterbar

Veraltete Android-Version (4.2.2)

So richtig wichtig ist es nicht, dass das G Flex gebogen ist. Sicher, das Design ist ein Hingucker, aber der Mehrwert ist gering. Das originelle Design lässt sich LG teuer bezahlen. In einer kleineren und billigeren Version mit 4,5- oder 5-Zoll-Diagonale würden die Vorzüge der Biegetechnik besser zum Tragen kommen.

insgesamt 21 Beiträge
s.4mcro 04.02.2014
1. pros und contras
all die pros kann man auf jedes smartphone seit dem ersten iPhone anwenden. also wieder ein unnötiges "handy" mehr auf dem markt, dass dem verbraucher vermittelt benötigt zu werden, obwohl genau das gegenteil der fall [...]
all die pros kann man auf jedes smartphone seit dem ersten iPhone anwenden. also wieder ein unnötiges "handy" mehr auf dem markt, dass dem verbraucher vermittelt benötigt zu werden, obwohl genau das gegenteil der fall ist. grossartig. nur weil es technisch möglich ist, sollte man nicht alles herstellen. bei großen LED bildschirmen sehe ich den vorteil für den betrachter, aber bei einem handy ist dies sowas von unnötig.
Celegorm 04.02.2014
2.
Ihre Meinung sei Ihnen gegönnt, aber diese als letztgültige Wahrheit zu postulieren ist reichlich verwegen, freundlich gesagt. Meines Erachtens ist der Unterschied und Mehrwert der heute gängigen grösseren Bildschirmen [...]
Zitat von s.4mcroall die pros kann man auf jedes smartphone seit dem ersten iPhone anwenden. also wieder ein unnötiges "handy" mehr auf dem markt, dass dem verbraucher vermittelt benötigt zu werden, obwohl genau das gegenteil der fall ist. grossartig. nur weil es technisch möglich ist, sollte man nicht alles herstellen. bei großen LED bildschirmen sehe ich den vorteil für den betrachter, aber bei einem handy ist dies sowas von unnötig.
Ihre Meinung sei Ihnen gegönnt, aber diese als letztgültige Wahrheit zu postulieren ist reichlich verwegen, freundlich gesagt. Meines Erachtens ist der Unterschied und Mehrwert der heute gängigen grösseren Bildschirmen immens verglichen mit den frühen Smartphone-Generation. Aus dem schlichten Grund, dass die meisten Kernanwendungen eines Smartphones wie das Surfen, erst jetzt angenehm nutzbar. Im Vergleich dazu war die Navigation auf den heute geradezu winzig anmutenden Bildschirmen schlicht ein Krampf. Geschweige denn Bilder oder Videos in anständiger Qualität zu betrachten. Klar, wenn sich die Nutzung des Smartphones darauf beschränkt, zu telefonieren und SMS zu schreiben, reicht wohl auch ein originales iPhone längstens, weil man dann eigentlich gar kein Smartphone braucht. Wer aber diese leistungsstarken Mini-Computer halbwegs ausreizen will kommt um einen geeigneten Bildschirm nicht herum. Alles andere ist das übliche Fortschritts-Genörgel. Natürlich "braucht" es davon nichts zwingend, natürlich könnte man auch heute noch die Tagesschau schwarzweiss im Kino sehen und den Computer mit Lochkarten füttern, aber glücklicherweise orientiert sich Technik nicht an reiner Notwendigkeit..
olaf_olafson 04.02.2014
3. Kratzer auf dem Display?
Viel entscheidender sind doch Kratzer auf dem Display. Das ist ja aus Kunststoff, da das Smartphone biegsam sein soll. Da frage ich mich, wie lange das kratzerfrei bleibt. Alle anderen nutzen Gorilla-Glas, Apple [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINELG macht den Anfang: Mit dem G Flex bringt der koreanische Konzern das erste Smartphone mit gebogenem Bildschirm auf den Markt. Aber braucht man das wirklich? Wir haben getestet, was das krumme Ding kann - und was es aushält. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/angefasst-lg-g-flex-im-test-a-950242.html
Viel entscheidender sind doch Kratzer auf dem Display. Das ist ja aus Kunststoff, da das Smartphone biegsam sein soll. Da frage ich mich, wie lange das kratzerfrei bleibt. Alle anderen nutzen Gorilla-Glas, Apple gerüchteweise demnächst sogar Saphir-Glas, und hier soll es Kunststoff tun?
vonlausitzoelpen 04.02.2014
4. Liebe Redaktion
Bitte besser recherchieren: Das Samsung Galaxy Nexus i9250 war das erste Gerät mit gebogenem Bildschirm. Das natürlich schon ein paar Jahre her ...
Bitte besser recherchieren: Das Samsung Galaxy Nexus i9250 war das erste Gerät mit gebogenem Bildschirm. Das natürlich schon ein paar Jahre her ...
barlog 04.02.2014
5.
---Zitat von Artikel--- Leicht nachvollziehbar ist das Argument, dass man durch die Form eine bessere Sprachqualität erreicht. ---Zitatende--- Aber sicher ! Genauso leicht nachvollziehbar, wie die Tatsache, daß die [...]
---Zitat von Artikel--- Leicht nachvollziehbar ist das Argument, dass man durch die Form eine bessere Sprachqualität erreicht. ---Zitatende--- Aber sicher ! Genauso leicht nachvollziehbar, wie die Tatsache, daß die gekrümmte Form bei häufigem Tagen in der hinterwärtigen Tasche die Gesässform günstig beeinflusst.

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Technische Daten

Hersteller LG
Modell G Flex
Maße (Millimeter) 161 x 82 x 9 Millimeter
Gewicht 176 Gramm
Sprechzeit bis zu 20,5 Std.
Standby bis zu 45,5 Tage
Display-Diagonale 6 Zoll,
Display-Auflösung 1280 x 720 Pixel
Prozessor 2,3 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 2 GB
Massenspeicher 32 GB (24 GB nutzbar)
Speichererweiterung Nein
Kamera (hinten/vorne) 13 Megapixel
Mobilfunktechnik LTE, HSPA, UMTS
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0 LE
Betriebssystem Android 4.2
Besonderheiten Konkav gebogener Bildschirm
Preis 800 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben.

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