Netzwelt

Watch Series 2 im Test

Apple macht den Freischwimmer

Schneller, heller, wasserdicht: Mit dem ersten Hardware-Upgrade will Apple die wichtigsten Kritikpunkte an seiner Smartwatch ausräumen. Unser Test zeigt, was die sogenannte Series 2 wirklich kann.

Foto: Matthias Kremp
Von
Mittwoch, 14.09.2016   12:03 Uhr

Ein Autohersteller würde so was wohl einen Facelift nennen, dabei stimmt die Analogie nicht ganz. Ein Facelift ist immer auch mit optischen Änderungen verbunden. An der neuen Version der Apple Watch jedoch sind äußerlich keine Neuerungen gegenüber dem ersten Modell zu erkennen. Stattdessen haben Apples Entwickler das Innenleben des Armbandcomputers komplett überarbeitet. Im Namen der Uhr wird das durch den Zusatz "Series 2", zweite Serie, ausgedrückt.

Genau wie bei den neuen iPhones ist auch hier die Wasserdichtigkeit für mich die wichtigste Neuerung. Was hat es mich im Urlaub genervt, vor dem Schwimmen immer die Smartwatch abnehmen und am Strand zurücklassen zu müssen. Es soll ja Menschen geben, die solche allein gelassenen Gadgets frech einsammeln.

Mit dieser Unsicherheit ist beim neuen Modell endlich Schluss. Die Apple Watch Series 2 ist wasserdicht. Und zwar wasserdichter als die iPhones 7 und 7 Plus. Nach Norm halte sie bis zu 50 Meter Wassertiefe dicht, heißt es von Apple. Zum Schwimmen und Surfen hätte ich sie also anbehalten können. Schnorcheln ginge auch, beim Sporttauchen und Wasserski sollte man sie dann doch wieder an Land lassen, empfiehlt Apple. Für unsere Fotostrecke aber haben wir sie wasserfrei abgelichtet:

Fotostrecke

Apples neue Smartwatch: Die Series 2 im Test

Im Test jedenfalls hat die neue Smartwatch alles über sich ergehen lassen, ohne sich von Wassermassen abschrecken zu lassen. Damit sie unter Wasser nicht durchdreht, weil ihr Touchscreen Wasserbewegungen als Fingerdrücke fehlinterpretieren könnte, kann man die Touch-Funktion jetzt ausschalten.

Und man kann den Lautsprecher nach dem Schwimmen auf Knopfdruck anweisen, Wasser, das in sein Gehäuse eingedrungen ist, mit einer Serie von Tönen herauszublasen. Hört sich ulkig an und würde in einer Nahaufnahme wohl aussehen wie ein winziger Wal beim Ausblasen.

Schneller bitte!

Im Alltag viel wichtiger ist aber der neue Dualcore-Prozessor, den Apple der Series 2 eingebaut hat. Er sorgt dafür, dass Apps schneller starten - ansonsten braucht die Watch ja nicht viel Power. Für Apps, die man besonders häufig nutzt, hat Apple außerdem das neue Dock eingeführt. Es besteht aus einer Liste schnell abrufbereiter Apps, die sich durch einen Druck auf die untere Taste der Uhr öffnet.

Matthias Kremp

Das Dock von watchOS 3

Apps, die man dem Dock zuweist, werden nach dem Einschalten oder einem Neustart in den Arbeitsspeicher geladen, sind deshalb augenblicklich betriebsbereit. Ich lege dort beispielsweise meine Fitness-Apps, den Musik-Player und den Timer ab. Im Urlaub hatte ich dort auch die Maps-App untergebracht. Das Dock ist Teil von watchOS 3, das seit Dienstag auch für ältere Apple Watches bereitsteht. Ich hatte im Sommer die Betaversion mit der ersten Apple Watch getestet.

Damals musste ich allerdings zusätzlich zur Uhr noch das iPhone mitnehmen. Wenn die neue Version der Smartwatch am 16. September in den Handel kommt, werden damit auch Apps erscheinen, mit denen man nur mit der Watch und ohne Handy navigieren kann. Möglich macht das der eingebaute GPS-Empfänger. Den wiederum dürften die meisten in erster Linie zum Aufzeichnen ihrer Laufpfade oder Radstrecken nutzen.

Besser lesbar - aber auch länger?

Beim Test der Nutzbarkeit im Freien kam mir der warme Hamburger Spätsommer mit kräftigem Sonnenschein zugute. Denn bei der Präsentation der Series 2 war auch die Rede von einem neuen, extrem hellen Display. Doch zunächst konnte ich davon nichts erkennen. Im direkten Vergleich mit einer Apple Watch der ersten Generation war kein Unterschied zu bemerken - bis ich mit beiden Smartwatches in die pralle Sonne ging. Hier zeigte sich, dass das Display des neuen Modells bei hellem Licht tatsächlich besser ablesbar ist.

Von der verbesserten Akkulaufzeit hingegen konnte ich bisher nichts spüren. Das mag auch daran liegen, dass ich Apples Smartwatch während der wenigen Testtage intensiv genutzt habe. Aber etwas mehr hatte ich mir vom größeren Akku und dem verbesserten Prozessor schon versprochen.

Deutlich macht sich jedenfalls die Nutzung von GPS bemerkbar. Ein 45-minütiges Outdoor-Training mit Fitness-App und GPS - aber ohne iPhone - reduzierte die Akkuladung um 15 Prozent. Trage ich stattdessen ein iPhone bei mir, dessen GPS die Uhr dann benutzt, werden bei derselben Trainingsdauer maximal fünf Prozent Akkuleistung verbraucht.

Fazit: Innovation ja - Revolution nein

Eine neue Smartwatch ist die Apple Watch Series 2 nicht, eher ein inkrementelles Upgrade. Vor allem was Sportanwendungen angeht - Laufen, Schwimmen, Wandern - hat das neue Modell einige Vorteile gegenüber seinem Vorgänger. Viel von dem, was sie auszeichnet, kann man allerdings auch per Update auf watchOS 3 mit einer alten Apple Watch bekommen. Vor allem der schnelle App-Start aus dem Dock ist hier zu nennen.

Wer nicht oft schwimmen geht, auf GPS und das hellere Display verzichten kann, kann sich statt des neuen Modells, das ab 419 Euro kostet, auch die Neuauflage des ersten Modells anschaffen. Das wird jetzt als Series 1 vermarktet, hat einen neuen Dualcore-Prozessor und kostet 100 Euro weniger.

Vorteile und Nachteile

Edles Design

Sehr hochwertige Verarbeitung

Sehr helles Display

Wasserdicht bis 50 Meter

GPS-Empfänger eingebaut

Einfache Bedienung

Hohe Preise

Bei intensiver Nutzung mäßige Akkulaufzeit

Die sechs Versionen der Apple Watch

Apple Watch Series 1 Apple Watch Series 2 Apple Watch Edition Apple Watch Nike+ Apple Watch Hermès
Gehäuse Alu Alu/Edelstahl Keramik Alu Edelstahl
Armbänder Sport- armband Sportarmband, Lederärmbander, Nylon- armbänder, Milanaise- Armband, Gliederarmband Sportarmband Nike-Sport- armband Sportarmband und Hermès-Armband
Preis 319 bis 349 Euro 419 bis 1249 Euro 1449 bis 1499 Euro 419 bis 449 Euro 1349 bis 1749 Euro
insgesamt 54 Beiträge
solna 14.09.2016
1. Hat man damals nicht gebraucht
Braucht man heute auch nicht.
Braucht man heute auch nicht.
sangar 14.09.2016
2. Apple Werbung ?
Wieviel bezahlt Ihnen Apple damit sie diese Uhr hier "vorstellen"? #Werbung
Wieviel bezahlt Ihnen Apple damit sie diese Uhr hier "vorstellen"? #Werbung
Bueckstueck 14.09.2016
3. @solna
Du bist vielleicht "man" aber nicht "alle". Man braucht ja auch nicht alles zu lesen und kommentieren.
Du bist vielleicht "man" aber nicht "alle". Man braucht ja auch nicht alles zu lesen und kommentieren.
Bueckstueck 14.09.2016
4. @sangar
Das nennt sich Berichterstattung. Brauchst es ja nicht zu lesen. Du bezahlst ja nix fürs benutzen von SPON.
Das nennt sich Berichterstattung. Brauchst es ja nicht zu lesen. Du bezahlst ja nix fürs benutzen von SPON.
murksdoc 14.09.2016
5. Soll das heissen,
man kann unter Wasser nicht mit Captain Nemo telefonieren?
man kann unter Wasser nicht mit Captain Nemo telefonieren?

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP