Netzwelt

Messaging-App "Bleep"

BitTorrent macht jetzt WhatsApp Konkurrenz

Bekannt wurde BitTorrent durch sein Datentauschprogramm, jetzt probiert das Unternehmen etwas Neues: Eine Software namens Bleep soll Chat-Apps wie WhatsApp Konkurrenz machen.

"Bleep"-Website: Alpha-Phase gestartet

Donnerstag, 31.07.2014   12:47 Uhr

Und noch eine neue Messaging-App: Diesmal kommt sie von BitTorrent, dem Unternehmen hinter der gleichnamigen Filesharing-Software. Erst kürzlich hatte die Firma neue Finanzierungsprojekte vorgestellt, jetzt macht das Unternehmen einen weiteren Schritt, mit dem es seinen Ruf aufbessern will. Bleep nennt sich der Chat-Client, den die BitTorrent-Verantwortlichen am Mittwoch vorgestellt haben. Mit ihm sollen Sprachanrufe und das Versenden von Textnachrichten möglich sein.

Die Datenströme fließen bei "Bleep" nicht über einen zentralen Server. Gesprächspartner finden sich, indem ihre Kontaktdaten über eine Kette anderer Bleep-Nutzer weitergeleitet werden. Die Inhalte der Anrufe und Textnachrichten sollen verschlüsselt, aber nicht gespeichert werden. Allzu neugierigen Mithörern, wie Geheimdienstmitarbeitern, soll die Überwachung so möglichst schwergemacht werden.

Trotzdem sollten auch "Bleep"-Nutzer keinen vollständigen Schutz erwarten, warnt die "LA Times". Es sei nicht ratsam, die Fähigkeiten der NSA zu unterschätzen, selbst versteckte Kommunikation nachzuverfolgen. Gegenüber "The Next Web" erklärt BitTorrent-Manager Jaehee Lee: "Grundsätzlich sehen wir nie die Inhalte der ausgetauschten Nachrichten oder die Metadaten."

Derzeit nur mit Einladung nutzbar

Wieso sollte sich jemand ausgerechnet für "Bleep" entscheiden, wo sich schon jetzt von Skype bis WhatsApp Hunderte Telefonie- und Chat-Angebote im Markt drängeln? In einem Blogeintrag nennt Lee vier mögliche Anwendungsfälle, in denen ein gewisses Abschirmen nach außen wichtig sein könnte: Diplomaten, die wichtige Meldungen absetzen müssen; Unternehmen, die sich gegen Industriespionage schützen wollen; Journalisten, die ihre Quellen schützen möchten, und Freunde, die sich privat unterhalten.

Dass es daneben auch weniger ehrenhafte Zwecke gebe, sei klar, schreibt die "LA Times". Doch: "'Bleep' sollte nicht danach beurteilt werden, was Leute damit anstellen, sondern danach, ob es sein Sicherheitsversprechen einlöst." Zunächst ist die Software noch nicht öffentlich zugänglich, sondern nur auf Einladung. Interessenten könnten sich auf einer Website mit ihrer E-Mail-Adresse eintragen.

Bleep läuft derzeit nur unter Windows 7 und 8, Nachrichten an Offline-Kontakte lassen sich noch nicht versenden. Nutzer können sich mit ihrer E-Mail-Adresse, ihrer Handynummer oder anonym anmelden.

meu

insgesamt 4 Beiträge
SchMax 31.07.2014
1. Erinnert an achord.im
Bittorrent Bleep erinnert mich vom Aufbau (keine zentralen Server) irgendwie an den Messenger achord.im, der an einer deutschen Universität entwickelt wird. Ich beobachte ihn schon seit einiger Zeit und würde mich sehr freuen [...]
Bittorrent Bleep erinnert mich vom Aufbau (keine zentralen Server) irgendwie an den Messenger achord.im, der an einer deutschen Universität entwickelt wird. Ich beobachte ihn schon seit einiger Zeit und würde mich sehr freuen Fachkundige Meinungen, am liebsten gar einen Vergleich. Details zu achord.im finden sich wie zu erwarten unter http://achord.im.
lexik 31.07.2014
2. Interessant
Für vertrauenswürdiger als Facebook und WhatsApp halte ich die Macher durchaus. Ich würde ihnen auch zutrauen, gewisse Anweisungen von gewissen Behörden über das Einrichten gewisser Schnittstellen mal aus Versehen zu [...]
Für vertrauenswürdiger als Facebook und WhatsApp halte ich die Macher durchaus. Ich würde ihnen auch zutrauen, gewisse Anweisungen von gewissen Behörden über das Einrichten gewisser Schnittstellen mal aus Versehen zu verlieren und machtlos der Veröffentlichung zusehen zu müssen. ;) Dass Offline-Nachrichten noch nicht funktionieren, dürfte wohl an der Nutzervernetzung ohne zentralen Server liegen. Ist halt ein Wermutstropfen, hat für die Privatsphäre aber große Vorteile. Vielleicht wird es zu einem späteren Zeitpunkt möglich, Nachrichten an einen sich nicht eingeloggten Nutzer zu schicken indem diese Nachrichten verschlüsselt auf den Geräten anderer Nutzer zwischengelagert und nach erfolgreichem Versenden gelöscht werden. Eine Art P2P-Cloud.
okos 03.08.2014
3. Sicher?
Bleep ist Closed Source und unterscheidet sich daher nicht groß von Skype von dem wir wissen, dass es nicht sicher ist. Skype war übrigens früher auch ,,peer to peer".. bis Microsoft es gekauft hat.
Bleep ist Closed Source und unterscheidet sich daher nicht groß von Skype von dem wir wissen, dass es nicht sicher ist. Skype war übrigens früher auch ,,peer to peer".. bis Microsoft es gekauft hat.
lexik 04.08.2014
4.
Dann lag es wohl daran, dass "Offline"-Nachrichten erst zugestellt wurden, wenn Sender und Empfänger mal wieder gleichzeitig eingeloggt waren.
Zitat von okosBleep ist Closed Source und unterscheidet sich daher nicht groß von Skype von dem wir wissen, dass es nicht sicher ist. Skype war übrigens früher auch ,,peer to peer".. bis Microsoft es gekauft hat.
Dann lag es wohl daran, dass "Offline"-Nachrichten erst zugestellt wurden, wenn Sender und Empfänger mal wieder gleichzeitig eingeloggt waren.

Zum Autor

  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Verwandte Themen

Verwandte Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP