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Fitnesstracker Basis Peak im Test

Klug, aber klobig

Diese Fitnessuhr soll die Selbstvermessung ganz einfach machen: Die Basis Peak erkennt automatisch, ob man läuft, radelt oder schläft. Wie gut funktioniert das? Der Test.

Matthias Kremp
Von
Sonntag, 27.09.2015   14:27 Uhr

Die meisten Fitnesstracker eint eine Einschränkung: Man muss ihnen ganz genau sagen, wann man Sport treiben will - und welchen. Automatisch geht normalerweise nichts. Die Fitnessuhr Basis Peak soll da anders sei, verspricht Intel. Der Chiphersteller hatte das Start-up Basis Anfang 2014 für angeblich mehr als 100 Millionen Dollar übernommen.

Der Kaufpreis lässt einiges erwarten. Umso mehr, als Peak jetzt zu einem Konzern gehört, der über ein Heer von Wissenschaftlern und Ingenieuren gebietet.

Und tatsächlich, die Basis Peak, eigentlich ein Fitnesstracker mit ein paar wenigen Smartwatch-Funktionen, macht manches besser als die Konkurrenz. Vor allem macht sie fast alles automatisch. Sobald man sich das Gerät umgebunden, es aktiviert und mit seinem Smartphone gekoppelt hat, muss man sich nicht mehr darum kümmern - beinahe.

Alles auf Automatik

Im Test jedenfalls erkannte das Gerät zuverlässig, ob ich zum Joggen in den Park lief, eine Radtour unternahm, vor dem Fernseher dämmerte oder im Bett lag und schlief. Vergleichbare Geräte verlangen da nach viel mehr Interaktion und Information. Sie müssen genau erklärt bekommen, welchen Sport man gerade zu betreiben versucht, wann man damit aufhört und ob man sich womöglich zum Schlafen bettet.

Nicht nur das machte die Peak im Test ausgesprochen akkurat. Auch die Kernfunktion eines Fitnesstrackers, die Pulsmessung, funktionierte hervorragend. Der Vergleich mit den Messungen eines hochwertigen Pulsgurts der finnischen Firma Polar ergab kaum Abweichungen.

Manche Dinge machten mich dann aber doch stutzig. Wenn bei der Peak doch fast alles automatisch abläuft, warum muss ich die Beleuchtung des Bildschirms manuell mit einem Wisch nach oben einschalten? Sogar die Lampen an meinem Fahrrad gehen automatisch an, wenn es unterwegs dunkel wird.

Ebenso verwundert der lieblose Umgang mit den wenigen Zusatzfunktionen, die durch Wischbewegungen auf dem Touchscreen abrufbar sind. So gibt es zwar eine Stoppuhr-Funktion, deren Ergebnisse sind aber ebenso vergänglich wie auf einer Analoguhr.

Nicht alle Messwerte werden ausgewertet

Zudem habe ich den Eindruck, dass die Peak noch nicht ganz fertig ist. So messen Sensoren neben dem Puls und der Bewegung auch die Hauttemperatur und die Leitfähigkeit der Haut. In der Peak-App kann man sich diese Messwerte auch grafisch darstellen lassen.

Eine Deutung dieser Daten gibt es aber nicht. Damit sind die Messdaten nutzlos, denn zumindest ich kann mir keinen Reim darauf machen, was es bedeutet, dass die Leitfähigkeit meiner Haut irgendwann steigt, um wenig später plötzlich abzusinken.

Ähnlich ratlos lässt mich die App zurück, die für Android und iOS verfügbar ist. Offenbar wurde hier versucht, möglichst viele Daten auf möglichst wenig Raum unterzubringen. Das ist auch durchaus gelungen, nur nicht immer übersichtlich.

So werden Workouts so dargestellt, dass links der Verlauf der Herzfrequenz und rechts der Kalorienverbrauch jeweils als Balkendiagramm zu sehen ist. Unterlegt wird das von einer Karte des Startpunktes und ergänzt durch Zahlenwerte für durchschnittliche Herzfrequenz und akkumulierten Kalorienverbrauch.

Alles andere als fein

Wäre die Peak wenigstens hübsch, könnte man über solche Dinge vielleicht hinwegsehen. Ist sie aber nicht. Das Gehäuse ist klobig, der Bildschirm mit 144 × 168 Bildpunkten grob gepixelt, die Armbänder funktionell. Immerhin kann man sie schnell und ohne Werkzeug austauschen.

Maßvoll nützlich sind dann auch die Smartwatch-Funktionen der Peak. Wenn man will, kann man sie eingehende Nachrichten, Termine und Telefonanrufe anzeigen lassen. Aber eben nur anzeigen. Zum Antworten gibt es keine Möglichkeit. Skurril wirkt die Möglichkeit, Anrufe anzunehmen. Tut man das, wird der Anruf auf dem Handy und nicht auf der Uhr entgegengenommen. Mikrofon und Lautsprecher hat die Peak nicht.

Fazit

Es hätte so schön sein können. Technisch hat die Basis Peak viel zu bieten, optisch leider nicht. Die automatische Erkennung von Sportarten und die Messung von Körperwerten funktionieren gut, allerdings werden die Ergebnisse nur leidlich gut ausgewertet. Das könnte sich jedoch noch ändern. Während der Testphase wurde etwa einmal wöchentlich ein Update eingespielt. Zu den damit verbundenen Änderungen gab es leider keine Informationen.

Angesichts eines Preises von 229 Euro ist das zu wenig. Günstigere Alternativen sind beispielsweise das Fitbit Charge HR und die Activité Pop.

Vorteile und Nachteile

Akkurate Pulsmessung

Gute Automatikfunktionen

Wasserdicht

Vergleichsweise teuer

Klobiges Gehäuse

App teilweise unübersichtlich

insgesamt 11 Beiträge
eternalchii 27.09.2015
1.
"Eine Deutung dieser Daten gibt es aber nicht. Damit sind die Messdaten nutzlos, denn zumindest ich kann mir keinen Reim darauf machen, was es bedeutet, dass die Leitfähigkeit meiner Haut irgendwann steigt, um wenig später [...]
"Eine Deutung dieser Daten gibt es aber nicht. Damit sind die Messdaten nutzlos, denn zumindest ich kann mir keinen Reim darauf machen, was es bedeutet, dass die Leitfähigkeit meiner Haut irgendwann steigt, um wenig später plötzlich abzusinken." Schwitzen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hautwiderstand "Wenn bei der Peak doch fast alles automatisch abläuft, warum muss ich die Beleuchtung des Bildschirms manuell mit einem Wisch nach oben einschalten?" Akkuverbrauch
xvxxx 27.09.2015
2.
Interessant finde ich , dass beim Tester Fragen entstehen, die bereits der erste Antworter hier exakt erklärt. Und dass offensichtlich eine saubere Funktionalität niedriger bewertet wird als ein hippes Display und [...]
Interessant finde ich , dass beim Tester Fragen entstehen, die bereits der erste Antworter hier exakt erklärt. Und dass offensichtlich eine saubere Funktionalität niedriger bewertet wird als ein hippes Display und "tolle" Smartphone-Funktionen" bei den entsprechenden Modellen von Samsung und Apple. Diese können zwar effektiv nichts besser, kosten dafür aber drastisch mehr. Es kommt halt drauf an was man erwartet.
hschmitter 27.09.2015
3.
Wann kommt endlich so ein Wearable-Gadget-Must-Have-Gimmick, daß mich darauf aufmerksam macht, wenn meine sexuellen Aktivitäten nicht alters- und geschlechtsentsprechend ausreichend sind?
Wann kommt endlich so ein Wearable-Gadget-Must-Have-Gimmick, daß mich darauf aufmerksam macht, wenn meine sexuellen Aktivitäten nicht alters- und geschlechtsentsprechend ausreichend sind?
Hagbardt Celin 27.09.2015
4. Unbedarfter Tester
Es wäre echt super, wenn bei SPON nur Leute an die Tastatur gelassen würden, die bereit sind sich minimalst mit dem Thema zu beschäftigen. Eine Logik ala, "Mit meinem Mixer kann ich prima Smoothies machen und mit drm [...]
Es wäre echt super, wenn bei SPON nur Leute an die Tastatur gelassen würden, die bereit sind sich minimalst mit dem Thema zu beschäftigen. Eine Logik ala, "Mit meinem Mixer kann ich prima Smoothies machen und mit drm Tracker leider nicht. " Ist echt arm. Die Hauptfunktion der Tracker ist übrigens Bewegung messen. Puls messen können (zum Glück) zwar auch immer mehr, ist aber eine Zugabe. Ich würde empfehlen den Artikel nochmal von jemandem schreiben zu lassen, der bereit ist erst nachzudenken und dann zu schreiben.
Claudia_D 27.09.2015
5. "Klug, aber klobig"
Klobig ist die Apple Watch auch, Herr Schremp, das liegt im Auge des Betrachters :-)
Klobig ist die Apple Watch auch, Herr Schremp, das liegt im Auge des Betrachters :-)

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