Netzwelt

Neue Google-Gadgets

Das Pixel 4 wird ein Radargerät

Die neuen Pixel-Smartphones haben einen Radarchip, der eine berührungslose Gestensteuerung ermöglicht. Eindrucksvoller aber dürfte die Kamera sein. Die Preise sinken sogar - und Google hat noch mehr zu bieten.

Patrick Beuth / DER SPIEGEL
Von
Dienstag, 15.10.2019   17:02 Uhr

Zwei Kameralinsen müssen reichen. Auch beim Pixel 4 bleibt Google seiner Linie treu, gute Fotos lieber durch Software als Hardware ermöglichen zu wollen. Davon abgesehen macht Google bei der Neuauflage seiner Smartphones vieles anders als bisher, angefangen beim Äußeren.

Die wichtigsten Funktionen und Neuerungen der am Dienstag in New York vorgestellten Geräte:

Das Pixel 4 und das Pixel 4 XL wird es in Schwarz, Weiß und Orange geben, jeweils mit einem schwarzen Rahmen versehen. Kein Ohrläppchenrosa mehr wie bei der Vorgängergeneration, keine unschöne Farbabstufung mehr auf der Rückseite. Eine Notch für die Frontkamera (und die Gesichtserkennungssensoren) gibt es ebenfalls nicht mehr, stattdessen packt Google die Technik in den oberen Displayrand, der dafür etwas breiter ausfällt.

Auch der Fingerabdrucksensor fällt weg, stattdessen wird das Pixel 4 per Gesichtserkennung entsperrt. Auch lassen sich Google-Pay-Zahlungen über 25 Euro, für die das Smartphone entsperrt werden muss, mit dieser Technik freigeben. Weil die Geräte schon registrieren, wenn sich ihnen eine Hand nähert, geht das Entsperren besonders schnell. Zu der Art und Weise, wie Google an Trainingsdaten für die Technik gelangt ist, gab es mehrere wenig schmeichelhafte Berichte.

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Pixel 4, Nest Mini, Nest WiFi: So sehen Googles neue Gadgets aus

Die Motion Sense genannte Technik erkennt aber nicht nur Annäherung, sondern soll eine neue Ebene der Bedienung einführen. Ein Radar-Chip im Smartphone erkennt Handgesten über dem Display, etwa wenn es auf einem Tisch liegt. So wird es möglich, zum nächsten oder vorherigen Song zu wechseln (und zwar nicht nur in Google-Apps, sondern auch bei Spotify), die Wiedergabelautstärke zu regeln, einen Timer zu stoppen, einen Alarm zu pausieren oder einen Telefonanruf abzulehnen.

Eine erste Live-Vorführung machte deutlich, dass diese Gesten recht ausladend ausfallen müssen, damit sie erkannt werden. In früheren Berichten wurde noch spekuliert, Motion Sense könne auch durch Stoffe wie Hosentaschen oder die Rückseite des Smartphones funktionieren, doch beides ist nicht der Fall. Die Gestensteuerung klappt nur, wenn das Smartphone mit dem Display nach oben liegt. Fünf Jahre Arbeit stecken nach Googles Angaben bereits in der Technik, auf den ersten Blick wirkt sie insgesamt trotzdem wenig eindrucksvoll.

Anders die Kamera. Die besteht aus einem 12-Megapixel-Objektiv und einem Teleobjektiv mit 16 Megapixeln. In Zeiten von Dreifach- oder sogar Vierfachkameras selbst in der Mittelklasse erscheint das spartanisch, aber die Pixel-Smartphones gehörten stets zu den allerbesten auf dem Markt, weil Google die Fotografie wie kein zweiter Hersteller zu einer Softwareaufgabe gemacht hat. Daran dürfte sich mit dem Pixel 4 nichts ändern.

Dual Exposure etwa heißt eine neue Funktion, mit der man bestimmte Bereiche eines Motivs stärker belichten kann, während zum Beispiel der Hintergrund unverändert bleibt. Das soll insbesondere Porträtfotos noch besser machen, die im Pixel 3 ohnehin schon zu Googles Stärken gehörten.

Wer nachts im Modus Night Sight den mondförmigen Button betätigt und das Smartphone nach oben richtet (am besten fixiert auf einem Stativ), soll für Smartphone-Verhältnisse spektakuläre Bilder vom Sternenhimmel machen können. In einer hell beleuchteten Stadt dürfte das allerdings kaum klappen.

Die Beispielbilder, die Google vorab zeigte, haben mit durchschnittlich begabten Fotografen und alltäglichen Situationen denn auch wenig zu tun. Erst ein Test wird zeigen, wie realistisch Googles Beispiele sind.

Bildschirm größer, Akku kleiner

Der Bildschirm des Pixel 4 ist mit 5,7 Zoll etwas größer als der des Vorgängermodells, die XL-Variante kommt wie gehabt auf 6,3 Zoll. Eine Bildwiederholfrequenz von 90 Hertz soll eine besonders flüssige Darstellung, etwa von Games, garantieren.

Der Akku des Pixel 4 fällt mit einer Kapazität von 2800 Milliamperestunden etwas kleiner aus als der des Vorgängers. Ob das spürbare Auswirkungen im Alltag hat, kann ebenfalls nur ein Test zeigen. Neue Chips und ein energiesparenderes Betriebssystem dürften aber dafür sorgen, dass man problemlos mit einer Akkuladung über den Tag kommt. Das Pixel 4 XL bekommt zudem einen etwas größeren Akku als sein Vorläufer.

Beide Pixel-4-Versionen haben sechs Gigabyte Arbeitsspeicher und wahlweise 64 oder 128 Gigabyte Speicherplatz, aber keinen Steckplatz für Speicherkarten. Pixel-Käufer bekamen von Google früher unbegrenzten Cloud-Speicher für ihre Fotos und Videos im Originalformat, das ist jetzt aber nicht mehr der Fall. Der Prozessor kommt von Qualcomm, es handelt sich um den Snapdragon 855. 5G-fähig ist das Pixel 4 nicht.

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Mehr Gesten und mehr Kontrolle: Zehn neue Funktionen von Android 10

Das Betriebssystem ist das neue Android 10. Wie immer bekommen die Pixel-Modelle alle Sicherheitsupdates von Google zuerst. Das Unternehmen garantiert darüber hinaus Betriebssystem-Upgrades für mindestens drei Jahre, also bis einschließlich Android 13, oder wie auch immer die Version des Jahres 2022 heißen wird.

Der Google Assistant wird smarter und soll Folgefragen besser verstehen. In der Audio-Aufzeichnungs-App Recorder ist Googles Software in der Lage, Gespräche in Echtzeit zu transkribieren, die Transkripte sind dann auch durchsuchbar. Das alles funktioniert ohne Internetverbindung, also komplett auf dem Gerät - allerdings vorerst nur auf Englisch. Die deutsche Version ist noch in Arbeit.

Auf den Markt kommen das Pixel 4 und das Pixel 4 XL am 24. Oktober. Mit 749 und 849 Euro - je nach Speicherausstattung - wird das kleinere Pixel 4 jeweils hundert Euro billiger als das Pixel 3 bei dessen Verkaufsstart. Die XL-Variante wird mit 899 respektive 999 Euro immerhin noch 50 Euro billiger als der Vorgänger.

Nest Mini und Nest WiFi: Neue Smart Speaker und Router

Neben den Pixel-Smartphones bringt Google am 22. Oktober für 59 Euro eine neue Version des Smart Speakers Nest Mini auf den Markt. Die soll vor allem in den Bässen besser klingen, das Aktivierungswort zuverlässiger verstehen und ähnlich klingende Geräusche besser aussortieren. Ob die Befehle der Nutzer aufgezeichnet - und potenziell von menschlichen Mitarbeitern analysiert - werden dürfen, können Nutzer beim Einrichten festlegen. Die Speicherung ist standardmäßig nicht aktiviert.

Anfang Dezember dann bringt das Unternehmen die zweite Generation von Google WiFi auf den deutschen Markt, sie wird Nest WiFi heißen. Im Vergleich zur 2017 eingeführten ersten Version des Mesh-Routers sowie der dazugehörigen Access Points sind die neuen Geräte etwas größer und rundlicher. Das liegt zum einen daran, dass im Inneren doppelt so viele Antennen stecken. Zum anderen ist praktisch ein Nest Mini integriert.

Router und Zugangspunkt, die das WLAN-Signal im Haus besser verteilen als klassische Verstärker, sind also gleichzeitig auch smarte Lautsprecher. Ihr Mikrofon lässt sich aber per Schalter deaktivieren - es soll ja Menschen geben, die nicht noch mehr Mikrofone in ihrer Wohnung haben wollen als ohnehin schon. Die Preise: 159 Euro nur für den Router, 139 nur für einen Zugangspunkt, 259 Euro für beides zusammen.

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, Pixel-Käufer bekämen von Google unbegrenzten Cloud-Speicher für ihre Fotos und Videos. Das ist falsch, wir die Passage korrigiert.

insgesamt 12 Beiträge
bluemetal 15.10.2019
1. Schwach
Die technischen Spezifikationen sind für Preise bis 1000 Euro äußert erbärmlich. Einzig der Snapdragon 855 ist gut. Für 380 Euro (!) bekommt man ein deutsches Xiaomi 9T PRO mit 128 GB, 855 Snapdragon, größerem Display, [...]
Die technischen Spezifikationen sind für Preise bis 1000 Euro äußert erbärmlich. Einzig der Snapdragon 855 ist gut. Für 380 Euro (!) bekommt man ein deutsches Xiaomi 9T PRO mit 128 GB, 855 Snapdragon, größerem Display, besserer Sony 48mpix Kamera, Fingerabdrucksensor IM Display, motorisierter Selfie-Kamera und vielem mehr. oS-Updates hin oder her, es bleibt schwach.
mrdead 15.10.2019
2.
@bluemetal das mag alles sein, aber die Software-Features sind es die das Gerät abheben. Schnelle aktuelle Hardware in ein Gerät packe ist keine Kunst mehr, wie man auch am genannten Beispiel und den zahllosen Mitbewerbern sehen [...]
@bluemetal das mag alles sein, aber die Software-Features sind es die das Gerät abheben. Schnelle aktuelle Hardware in ein Gerät packe ist keine Kunst mehr, wie man auch am genannten Beispiel und den zahllosen Mitbewerbern sehen kann.
uhu_13 15.10.2019
3. WiFi und Pixel
Ich habe beides, Pixel 2 und WiFi. Selten so zuverlaessige Technik gehabt in letzter Zeit. Beides problemlos, ohne aktive Instandhaltung, seit 3 Jahren.
Ich habe beides, Pixel 2 und WiFi. Selten so zuverlaessige Technik gehabt in letzter Zeit. Beides problemlos, ohne aktive Instandhaltung, seit 3 Jahren.
tommix68 15.10.2019
4. 2019er Phone und kein 5G?!
Oh wait... das wurde ja von vielen bei den aktuellen iPhones als das größte Manko verurteilt. Scheint also doch nicht so entscheidend zu sein (ist es auch nicht!). Ansonsten haut einem das Pixel nicht vom Hocker. Bezüglich [...]
Oh wait... das wurde ja von vielen bei den aktuellen iPhones als das größte Manko verurteilt. Scheint also doch nicht so entscheidend zu sein (ist es auch nicht!). Ansonsten haut einem das Pixel nicht vom Hocker. Bezüglich "Gesichtserkennung" wüsste ich gern ob Android das immer noch in 2D (Foto) macht...
Kunstgriffe 15.10.2019
5. Schmerzfrei
Beim wöchentlichen Einkauf von über € 25,- würde ich mich aber ärgern nach dem Phone fummeln zu müssen. Bei ApplePay brauche ich das nicht - einfach den Arm mit der verdeckten Uhr hinhalten, fertig! Die Zahlungsbestätigung [...]
Beim wöchentlichen Einkauf von über € 25,- würde ich mich aber ärgern nach dem Phone fummeln zu müssen. Bei ApplePay brauche ich das nicht - einfach den Arm mit der verdeckten Uhr hinhalten, fertig! Die Zahlungsbestätigung erhalte ich noch schneller als die Kasse aufgeht - egal wie hoch der Betrag ist. Nur wer Apple mal ausprobiert weiß, was er bisher verpasst.

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