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Details zu Stadia

Das kann und kostet Googles neuer Spiele-Streamingdienst

Videospiele in hoher Qualität, ohne Gaming-PC, auf jedem Fernseher: Googles Streamingdienst Stadia will die Branche aufmischen. Jetzt wurden neue Details bekannt - und manche Erwartungen enttäuscht.

AFP

Stadia-Stand auf einer Entwicklerkonferenz: Ein Blick in die Gaming-Zukunft?

Freitag, 07.06.2019   10:21 Uhr

Googles Cloud-Spieledienst Stadia, der angeblich Konsolen und Spielerechner überflüssig machen soll, kommt zum Start im November auch gleich nach Deutschland. Das hat Google am Donnerstag bekanntgegeben. Die Idee hinter Stadia ist, Spiele auf hochgerüsteten Google-Servern im Netz laufen zu lassen, statt auf den meist wohl nicht ansatzweise so leistungsstarken Geräten der Nutzer. Voraussetzung dafür, dass dieses Spielestreaming im Stil bestehender Angebote wie Shadow funktioniert, ist dementsprechend eine schnelle Internetverbindung.

Google hatte Stadia im März angekündigt, aber damals noch keine Angaben zu Preisen oder dem Spieleangebot gemacht. Das holte der Konzern jetzt, wenige Tage vor dem Start der Spielemesse E3 in Los Angeles, nach.

Wer zum Start im November dabei sein will, muss demnach 129 Euro für ein Paket mit dem Streaming-Gerät Chromecast Ultra und einem Controller zur Spielsteuerung ausgeben. Vorbestellungen dafür sind jetzt möglich.

Im Startpreis enthalten sind Google zufolge auch drei Monate des Abodienstes Stadia Pro, der sonst 9,99 Euro pro Monat kosten wird. Abokunden bekommen schärfere 4K-Bilder und Zugang zu einer Auswahl von Spielen, von denen bislang nur das von anderen Plattformen längst bekannte "Destiny 2" erwähnt wurde.

Analysten sind skeptisch

Insgesamt bleibt das Angebot so hinter den Erwartungen einiger Analysten zurück, die teils mit einer umfangreicheren Spiele-Flatrate gerechnet hatten, mit einer Art "Netflix für Games". Titel wie "Assassin's Creed Odyssey", "Doom Eternal" und "Metro Exodus" werden Spieler aber auch auf Stadia kaufen müssen, wie auf anderen Plattformen auch - das gilt ebenso für das am Donnerstag überraschend für Stadia und PC angekündigte Rollenspiel "Baldur's Gate 3".

Googles Weichenstellung in Richtung des traditionellen Spieleverkaufs werde es für Stadia schwieriger machen, Kunden anzulocken, kritisierte Analyst Pierce Harding-Rolls von der Marktforschungsfirma IHS Markit. Der Konzern habe bisher nicht gezeigt, dass er Kunden besser versorgen kann als traditionelle PC- und Konsolenanbieter.

Auch Analyst Michael Pachter von der Finanzfirma Wedbush betonte, Abodienste seien ohne eine breite Auswahl von Inhalten schwer zu verkaufen. "Das ist als hätte man ein Büffet nur mit einem Hühnchengericht, einem Fleischgericht und einem Nudelgericht", sagte er der "Financial Times". "Wenn man ein Netflix für Spiele werden will, muss man 1000 Games im Angebot haben." Für einige Hundert Euro bekomme man auch schon eine Spielekonsole.

4K nur für zahlende Kunden

Eine kostenlose Version von Stadia soll laut Googles Ankündigung erst kommendes Jahr verfügbar sein. Mit ihr lassen sich dann gekaufte Spiele ohne monatliche Gebühr weiterspielen. Nutzer der Gratisversion bekommen als Bildqualität aber nur Full-HD- statt der besseren 4K-Auflösung und außerdem nur Stereo- statt Mehrkanalton. Beide Varianten des Angebots sollen allerdings eine Framerate von 60 Bildern pro Sekunde liefern können.

Ob und wie gut deutsche Nutzer Stadia überhaupt nutzen können, ist stark vom lokalen Internetausbau abhängig. Für 4K-Bilder empfiehlt Google eine rund 35 MBit pro Sekunde schnelle Leitung, für Full-HD sind rund 20 MBit pro Sekunde notwendig. Wichtig ist auch die Reaktionszeit, denn die Steuerbefehle des Controllers müssen die Server praktisch sofort erreichen können. Ob die eigene Verbindung grundsätzlich für Stadia geeignet ist, lässt sich hier testen.

Noch werden wenige Smartphones unterstützt

Ob die im März angekündigte Möglichkeit, den Spielverlauf von Stadia-Games gleichzeitig live bei YouTube zu übertragen, zum Start schon verfügbar sein wird, sei noch unklar, schreibt das Tech-Magazin "The Verge" unter Berufung auf Google-Manager. Es soll aber möglich sein, Spiele direkt aus einer Werbeanzeige bei YouTube zu beginnen - das oft langwierige Herunterladen eines Spiels entfällt bei Stadia. Spiele sollen sich auch bei einem Wechsel der Geräte jeweils an der Stelle fortsetzen lassen, an der man sie auf Stadia zuletzt gespielt hat.

Was die Geräte angeht, ist Stadia zunächst allerdings auf die Nutzung über Heimcomputer, Laptops und Fernseher ausgelegt. Der Dienst soll zum Start vorerst nur auf ausgewählten Mobilgeräten laufen, heißt es, auf Googles hauseigenen Smartphones Pixel 3, Pixel 3 XL, Pixel 3a und Pixel 3a XL. Weitere Geräte sollen aber folgen. Beim mobilen Spielen dürfte vor allem das benötigte Datenvolumen ein Problem darstellen. Wirklich Sinn ergibt Stadia angesichts der Datenmengen unterwegs wohl nur in Verbindung mit echten Datenflatrates.

mbö/dpa

insgesamt 21 Beiträge
Sleeper_in_Metropolis 07.06.2019
1.
Zitat : "Beim mobilen Spielen dürfte vor allem das benötigte Datenvolumen ein Problem darstellen. Wirklich Sinn ergibt Stadia angesichts der Datenmengen unterwegs wohl nur in Verbindung mit echten Datenflatrates." [...]
Zitat : "Beim mobilen Spielen dürfte vor allem das benötigte Datenvolumen ein Problem darstellen. Wirklich Sinn ergibt Stadia angesichts der Datenmengen unterwegs wohl nur in Verbindung mit echten Datenflatrates." Wer möchte denn ernsthaft Spiele wie die erwähnten, die ja einen Großteil ihres Reizes aus der Optik ziehen auf so einem winzigen Smartphone-Display spielen ?
three-horses 07.06.2019
2. 5G Mast zum mittschleppen.
Ja das gibt es hier schon, der 5G Ständer ist ähnlich dem in Krankenhaus. Immerhin schon Gummireifen. Der Glasfaser als Oberleitung. Was in eine Straßenbahn etwas umständlich ist, wo man die Fenster nicht mehr öffnen [...]
Zitat von Sleeper_in_MetropolisZitat : "Beim mobilen Spielen dürfte vor allem das benötigte Datenvolumen ein Problem darstellen. Wirklich Sinn ergibt Stadia angesichts der Datenmengen unterwegs wohl nur in Verbindung mit echten Datenflatrates." Wer möchte denn ernsthaft Spiele wie die erwähnten, die ja einen Großteil ihres Reizes aus der Optik ziehen auf so einem winzigen Smartphone-Display spielen ?
Ja das gibt es hier schon, der 5G Ständer ist ähnlich dem in Krankenhaus. Immerhin schon Gummireifen. Der Glasfaser als Oberleitung. Was in eine Straßenbahn etwas umständlich ist, wo man die Fenster nicht mehr öffnen kann. Oder man bekommt das örtliche 4G exclusive für sich.
grandma_moses 07.06.2019
3. Interessant - es kommt die Zeit!
Zum 1. Beitrag: Jeder, der von Berufs wegen am Tag 2h im Zug verbringt oder öfters zu seiner 300km entfernt wohnenden Familie fährt oder einfach nur vor dem Einschlafen noch ein bisschen im Bett spielen möchte ( kein Innuendo! [...]
Zum 1. Beitrag: Jeder, der von Berufs wegen am Tag 2h im Zug verbringt oder öfters zu seiner 300km entfernt wohnenden Familie fährt oder einfach nur vor dem Einschlafen noch ein bisschen im Bett spielen möchte ( kein Innuendo! ). Wer, ausser Sie offensichtlich, hat ernsthaft ein Problem damit, dass mehrere Endgeräte vom selben Dienst aus bespielt werden können? Zum vorliegenden Thema, ich prophezeie dem Dienst eine große Zukunft. Spiele als echte Kopien zu erwerben ist für heutige Spieler ein Akt aus dem letzten Jahrtausend, und mit der nächsten Konolengeneration dürfte die Durchschnittsgröße eine AAA-Titels auf 70GB ansteigen. Instant gratification, also direkt loszuspielen, nachdem man das Spiel gekauft hat - ohne Installation, ohne stundenlangen Download - wird dafür sorgen, dass wie so oft der für den Menschen einfachere und schnellere Weg gewählt werden wird. Und der Vergleich des Analysten mit Netflix hinkt dermaßen: Ich erinnere mich an die Netflix-Anfangszeit, als es noch ein DVD-Verleiher war - bestellte man einen Film, wurde der drei Tage später ins Haus geliefert - und musste zurückgeschickt werden, bei Überziehung gab es Strafzahlungen, genau wie in Videotheken. Netflix startete nicht als der Behemoth, der es heute ist! Man könnte sagen, dass Netflix 15 Jahre brauchte, um aus den Niederungen ihres Geschäftsfeldes durch ihre eigenproduzierte Show 'House of Cards' emporzusteigen; möglich gemacht wurde die Qualität der Show durch Datenanalyse der Vorlieben ihrer Kunden - in mehr als einer Dekade mühsam zusammengetragen. Nun steht hinter diesem neuen Streaming-Dienst Google. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass Google hier nicht zum Marktfüherer aufsteigen wird, mit all den vorhandenen Ressourcen und ihrem unendlichem Know-how? Und es wird keine 15 Jahre wie bei Netflix dauern - doch sogar wenn es 15 Jahre dauern sollte, würde nur die absolute Erfolgsgeschichte von Netflix wiederholt worden sein, was ja immer noch ein großer Erfolg wäre. Eine letzte Sache, bevor ich zum Ende komme: Das Spiele-Streaming ermöglicht massive Umwälzungen in der Spieleindustrie, da jedes Entwicklerstudio nun nicht mehr nach vorhandenen Computern oder der aktuellen Konsolengeneration entwickeln muss - es kann viel weiter gehen, denn Googles Rechner werden jedes noch so hardwarefressende Spiel lockerst abspielen.
jupiter_jones 07.06.2019
4. Abtoernend
Quote Nutzer der Gratisversion bekommen als Bildqualität aber nur Full-HD- statt der besseren 4K-Auflösung Das is wieder total abtoernend, man muss wie bei einem versicherungsvertrag genau ins kleingedruckte schauen. Ich weiss [...]
Quote Nutzer der Gratisversion bekommen als Bildqualität aber nur Full-HD- statt der besseren 4K-Auflösung Das is wieder total abtoernend, man muss wie bei einem versicherungsvertrag genau ins kleingedruckte schauen. Ich weiss nich....net mein ding
bigfraggle007 07.06.2019
5.
Bin weiterhin skeptisch. Grundsätzlich sehe ich hier zwar auch die Zukunft, aber jetzt ist es meiner Meinung nach noch nicht soweit. Leidenschaftliche Spieler, die die beste technische Umsetzung möchten, werden unabhängig von [...]
Bin weiterhin skeptisch. Grundsätzlich sehe ich hier zwar auch die Zukunft, aber jetzt ist es meiner Meinung nach noch nicht soweit. Leidenschaftliche Spieler, die die beste technische Umsetzung möchten, werden unabhängig von der Internetverbindung mit stationärer Hardware noch besser fahren. Und Gelegenheitsspieler werden weniger ein Abo eingehen wollen, zumal es auch schon sehr günstige Konsolen wie die Xbox One S gibt.

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