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Google-Update für Smartwatches

Mini-Tastatur oder Kritzel-Modus

Google hat eine neue Version seines Smartwatch-Betriebssystems Android Wear angekündigt. Die Software bringt viele neue Funktionen. Ein paar davon kennt man allerdings schon von anderen Firmen.

Google
Aus Mountain View berichtet
Freitag, 20.05.2016   16:17 Uhr

Übermäßig beeilt hat Google sich bei der Entwicklung von Android Wear nicht. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Software auf Smartwatches zum ersten Mal präsentiert wurde. Erst jetzt hat der Konzern das erste große Update angekündigt, Android Wear 2.0.

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in Kalifornien erklärte Google-Manager David Singleton, welche neuen Funktionen die Software auf Smartwatches bringen soll.

Bei der Entwicklung des Updates konzentriere man sich auf drei Bereiche, sagt der aus Belfast stammende Singleton mit einem unverkennbaren irischen Akzent: Fitness, Benachrichtigungen und Ziffernblätter. Android-Smartwatches zu bedienen soll mit den Neuerungen angenehmer und intuitiver werden.

Einiges von dem, woran Google arbeitet, scheint allerdings von Produkten anderer Hersteller zumindest inspiriert worden zu sein. Das fängt bei den neuen Möglichkeiten an, durch Apps und Menüs zu navigieren. Um das auf Smartwatches mit runden Displays leichter zu machen, wird die App-Übersicht auf solchen Geräten mit Version 2.0 in Form eines Teilkreises angezeigt, den man am Displayrand entlang drehen kann. Samsung hat etwas ganz Ähnliches vergangenes Jahr bei der Gear S2 eingeführt.

Mehr Komplikationen

Außerdem wird die Krone der Uhr jetzt benutzt, um in Apps zurück zu navigieren - ähnlich dem Prinzip, das man von der Apple Watch kennt. Genau wie Apple es mit watchOS auf der Apple Watch vorgemacht hat, wird es außerdem künftig auch die sogenannten Komplikationen auf Android-Uhren geben. Komplikationen ermöglichen es, Daten aus bestimmten Apps in Ziffernblätter einzublenden. So kann man etwa aktuelle Fluginformationen, Wetterdaten oder Mondphasen auf einen Blick sehen.

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I/O 2016: So siehts auf Googles Spielwiese aus

Google will es zudem leichter machen, zwischen verschiedenen Ziffernblatt-Designs zu wechseln. Man soll zum Beispiel ein Auswahl von Designs, die man häufig benutzt, für einen schnellen Zugriff auswählen können. Ohnehin soll das Design von Android-Wear-Apps verändert und mehr an das neue Materialdesign von Android 6 angepasst werden.

Vom Handy abgekoppelte Apps

Mit dem Update auf Version 2.0 werden Nutzer auch neue Möglichkeiten bekommen, Texte einzugeben und Nachrichten zu beantworten. So führt Google eine neue Mini-Tastatur auf dem Display ein und erlaubt es Drittanbietern, eigene Tastaturen für Smartwatches anzubieten. Wie gut man auf der kleinen Tastatur tippen kann, bleibt abzuwarten. Außerdem wird es möglich sein, Texte Buchstabe für Buchstabe handschriftlich auf den Bildschirm zu kritzeln. Das sieht nett aus, scheint aber keine sonderlich schnelle Eingabemethode zu sein.

Ganz anders sieht das bei den automatisch vorgeschlagenen Antworten aus, die das System künftig anbieten soll, wenn man auf eine Nachricht reagieren will. Diese sollen nicht aus einem Satz fertiger Antworten gewählt, sondern von Googles künstlicher Intelligenz, passend zum Inhalt der jeweiligen Nachricht, maßgeschneidert werden.

Auch Fitness-Apps sollen durch das Update intelligenter arbeiten können. Sofern man es ihnen erlaubt, können Apps künftig selbstständig erkennen, wann und welchen Sport man gerade treibt. Und sie sollen unabhängig vom Smartphone funktionieren. Aber das gilt künftig sowieso für alle Smartwatch-Apps für Google-Uhren. Sie sollen generell vom Handy abgekoppelt werden, sodass man sie auch nutzen kann, wenn das Smartphone nicht in der Nähe oder abgeschaltet ist. Damit das klappt, müssen die Apps freilich erst von deren Entwicklern angepasst werden.

Erst mal anpassen

Und genau das ist auch der Grund, weshalb Google jetzt eine erste Entwicklerversion von Android Wear 2.0 anbietet. Mit ihr sollen Programmierer ausprobieren, ob und wie ihre Apps mit dem neuen System zusammenarbeiten. Laut David Singleton werden der heute veröffentlichten Vorabversion im Sommer noch einige mehr folgen, bevor das große Update später im Jahr veröffentlicht wird.

Ein passender Termin dafür könnte Ende August oder Anfang September sein. So könnten Hardware-Hersteller neue Smartwatch-Modelle mit Android Wear 2.0 auf der Ifa in Berlin vorstellen, die Anfang September stattfinden wird.

Auf welchen aktuellen Smartwatches man das Update installieren können wird, ist derzeit unklar. Hier seien noch Gespräche mit den Herstellern notwendig, sagt Singleton. Wer schon eine Android-Smartwatch hat, sollte sich also lieber nicht darauf verlassen, dass Version 2.0 auch auf seinem Armbandcomputer laufen wird.

insgesamt 2 Beiträge
Pingubear 21.05.2016
1.
Die sogenannten "mother rooms" sind nicht dazu da, um seine Kinder zu stillen (hat also nichts mit den prueden Amerikanern zu tun). Die sind fuer stillende Muetter, die beim Arbeiten sind, damit sie Milch abpumpen [...]
Die sogenannten "mother rooms" sind nicht dazu da, um seine Kinder zu stillen (hat also nichts mit den prueden Amerikanern zu tun). Die sind fuer stillende Muetter, die beim Arbeiten sind, damit sie Milch abpumpen koennen. Das gibt es in den USA in den meisten moderneren Firmen. Da hier die Muetter kein Babyjahr haben und nur sehr begrenzten Mutterschutz, gehen die meisten Muetter nach ein paar Monaten wieder arbeiten, wollen aber vielleicht trotzdem stillen. Habe ich selbst bei 2 Kindern jeweils ueber 6 Monate lang gemacht. Wenn man dann als Teil von der Arbeit den ganzen Tag auf einer Messe verbringen muss, ist es klasse, wenn man auch dort diese Moeglichkeit hat. Ich glaube nicht, dass da viele Babies auf der Messe sind. Einfach mal besser recherchieren anstatt nur Vorurteile zu den Amis ausplaudern :)
khid 22.05.2016
2. Letztens...
...ging an meiner Smartwatch großen Armbanduhr die Batterie zu Ende. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich diese in den letzten 9 Jahren zuletzt gewechselt habe. Habe ich das überhaupt schonmal? Dieses archaische, [...]
...ging an meiner Smartwatch großen Armbanduhr die Batterie zu Ende. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich diese in den letzten 9 Jahren zuletzt gewechselt habe. Habe ich das überhaupt schonmal? Dieses archaische, größtenteils mechanische Gerät zeigt mir die Zeit, das Datum und bei Bedarf auch gestoppte Zeit an. Krass, nicht?! Das Teil wird nicht heiß, kann Kälte einigermaßen gut ab und ebenso Sommerhitze. Sie hält wahrscheinlich noch ein paar Jahrzehnte - wenn nicht sogar über ein Jahrhundert. Sie wird dann immer noch die Zeit anzeigen - und das Datum, welches man manuell in Einklang mit dem jeweiligen Monat bringen muss. Eine Smartwatch, die, genau wie ihr "Mutterschiff" das Handy, jeden verfluchten Tag eine Steckdose braucht? Nö, was soll ich damit? Man ist doch jetzt bereits zunehmend "Knecht" seiner eigenen Handys, Laptops, Router, Waschmaschinen... Neuerdings kann man sogar einen Teil seiner Gartenarbeit per App steuern...zum Beispiel vom Strand auf Malle in Korschenbroich den Rasen mal schnell sprengen - oder die Blumenkübel auf´m Balkon... Zugegeben, eine Smartwatch kostet vermutlich keine Arbeitsplätze - aber: Mein Gefühl sagt mir, dass das "normale" und lebenswerte Leben so ganz allmählich auf der Strecke bleiben wird... O tempora....

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