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Smartphone-Präsentation von Huawei-Tochter Honor

Kein Wort zur Android-Zukunft

Die Huawei-Tochter Honor hat neue Topsmartphones vorgestellt. Das Google-Problem der Firma wurde mit keinem Wort erwähnt. Dabei könnte es die ambitionierten Pläne der Firma ausbremsen.

REUTERS

Werbetafel für Honor-Smartphones auf dem Flughafen von Shenzhen in China

Dienstag, 21.05.2019   17:46 Uhr

Inmitten des harten US-Vorgehens gegen den chinesischen Konzern hat die Huawei-Tochtermarke Honor am Dienstag in London zwei neue Oberklasse-Smartphones vorgestellt. Dabei machte Honor keine Angaben dazu, ob die Telefone mit Google-Apps ausgeliefert werden könnten.

Aufgrund von US-Sanktionen gegen Huawei hatte Google dem chinesischen Konzern am Montag den Zugang zu vielen Google-Diensten aufgekündigt. Das US-Wirtschaftsministerium hatte daraufhin am Dienstag einen Aufschub von 90 Tagen gewährt, während derer Huawei weiter Waren und Dienstleistungen von US-Unternehmen beziehen darf. Doch dieser Aufschub gilt nur für bereits im Markt befindliche Geräte, nicht für neue Modelle, wie sie nun Honor vorgestellt hat.

Bei den Honor 20 und Honor 20 Pro genannten Smartphones setzt der Hersteller auf leistungsstarke Kameras von Weitwinkel bis Makro, das Honor 20 Pro hat eine Telekamera mit Dreifachzoom. Herzstück der Kamera ist Sonys IMX586-Sensor mit 48 Megapixeln, der beispielsweise auch im neuen OnePlus 7 Pro verwendet wird.

Als Antrieb verwendet Honor den aktuellen Kirin-980-Prozessor, eine Eigenentwicklung der Huawei-Tochter HiSilicon, dessen Neuralprozessoren besonders bei der Bildoptimierung zum Einsatz kommen sollen. Da Honor diesen hauseigenen Chip als Motor für die neuen Handys wählte, droht zumindest in diesem Bereich keine Chip-Knappheit angesichts der US-Sanktionen, die Huawei auch von Halbleiter-Lieferungen aus den USA abschneiden.

Während der Präsentation der neuen Smartphones in London sprach Honor-Präsident George Zhao die heiklen Themen rund um die Spionagevorwürfe der US-Regierung nicht an. Das Honor 20 soll am 4. Juni für 499 Euro in den Handel kommen, die Pro-Variante folgt Anfang Juli für 599 Euro.

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Smartphone-Update: Das ist neu in Android Q

Genau wie der Mutterkonzern Huawei steht auch Honor durch den Entzug der Lizenz für bestimmte Google-Dienste und -Apps vor erheblichen Problemen mit dem Smartphone-Betriebssystem Android. Honor dürfte neue Geräte dann nicht mehr mit Google-Apps wie Gmail, YouTube und dem Play Store ausliefern. Außerhalb Chinas, wo viele dieser Dienste gesperrt sind, erwarten viele Anwender aber einen Zugang zu diesen und anderen Google-Angeboten.

Ungeachtet der aktuellen Probleme mit den USA hat Honor mit der neuen Serie ambitionierte Pläne. Die Marke will nach Samsung, Huawei und Apple zum viertgrößten Smartphone-Anbieter der Welt werden.

Für Deutschland zielt die seit einiger Zeit unabhängig von Huawei agierende Marke auf Platz drei. Zielgruppe sind jüngere Käufer, das Portfolio reicht von sehr niedrigen Einstiegspreisen bis in die 500-Euro-Klasse.

mak/dpa

insgesamt 13 Beiträge
Nutzer ohne Namen 21.05.2019
1. honor10
habe ich jetzt ein 1 Jahr und bin absolut zufrieden. nicht zu breit (1handbedienung möglich, schnell und Fingerabdrucksensor vorn) nur Frage ich mich wie lange ich es noch nutzen kann. Android Auto, Google Maps sind für mich [...]
habe ich jetzt ein 1 Jahr und bin absolut zufrieden. nicht zu breit (1handbedienung möglich, schnell und Fingerabdrucksensor vorn) nur Frage ich mich wie lange ich es noch nutzen kann. Android Auto, Google Maps sind für mich genauso wichtig wie monatliche Sicherheitsupdates und die Garantie auf 2 Systemupdates, damit man nicht jedes Jahr neuen Elektroschrott produziert. letzteres steht jetzt in den Sternen und ich ärgere mich das mein altes Smartphone einen Monat zu früh kaputt ging, sonst wäre ich der spanischen Marke bq treu geblieben und hätte jetzt weniger Unsicherheit, wegen eines Handelskrieges, der mich als Europäer faktisch nicht betreffen sollte.
three-horses 21.05.2019
2. Der Ruf ist nicht der Beste, China kann es nicht lassen.
Ist doch eigentlich eine gute Nachricht...einfach eine "Android distribution"...einspielen und Huawei macht Geschäft des Lebens. Für die APPs braucht man das Google Play nicht und wenn man Google braucht dann halt [...]
Ist doch eigentlich eine gute Nachricht...einfach eine "Android distribution"...einspielen und Huawei macht Geschäft des Lebens. Für die APPs braucht man das Google Play nicht und wenn man Google braucht dann halt nachinstallieren. Oder Huawei spioniert ohne Ende, was Wahr ist...und so kann der dann nicht.
equigen 21.05.2019
3. Die können das natürlich ignorieren - Trump wird noch mehr einknicken
Nachdem er nach 24h schon teilweise zurückrudern musste, wird der ganze Spuk in ein paar Wochen komplett vorbei sein. Seine Berater müssen es nur noch schaffen das Kind im Sandkasten ein bisschen aufzuschlauen über die [...]
Nachdem er nach 24h schon teilweise zurückrudern musste, wird der ganze Spuk in ein paar Wochen komplett vorbei sein. Seine Berater müssen es nur noch schaffen das Kind im Sandkasten ein bisschen aufzuschlauen über die katastrophalen Auswirkungen für die US Wirtschaft: Huawei, der 2.-größte Handyhersteller der Welt wird es mit links schaffen ein eigenenes OS auf die Beine zu stellen. Damit wird Androids Vormachtstellung zerstört - wegen Trump. Huawei weiss, dass sie nun auf Teufel komm raus auch die weiteren nötigen Chips für ihre Produkte selbst produzieren müssen. Damit hat Trump geradezu den Zwang aufgebaut, dass die amerikanischen Firmen einen ihrer größten Kunden verlieren werden. Und zu guter Letzt sind die USA beim 5G Netz praktisch komplett von Huawei abhängig - damit wird die ganze USA von der Entwicklung in der restlichen Welt überholt. MEHR kann man gar nicht falsch machen, MEHR kann man nicht tun seine eigene Industrie zu ruinieren.
damianschnelle 21.05.2019
4. @three-horses
Sie haben für Ihre Behauptungen natürlich Beweise? Selbst DT hat sich das bisher nicht getraut zu behaupten. Da sitzen Sie also noch näher an der Quelle.
Sie haben für Ihre Behauptungen natürlich Beweise? Selbst DT hat sich das bisher nicht getraut zu behaupten. Da sitzen Sie also noch näher an der Quelle.
schnoeding 21.05.2019
5. Katastrophale Abhängigkeit
Es ist letztlich zweitrangig, ob Huawei spioniert oder auch nicht. US Firmen ist in dieser Hinsicht ebenfalls nicht zu trauen. Das Vorgehen von Google sollte jedem halbwegs intelligenten Beobachter klar machen, in welche [...]
Es ist letztlich zweitrangig, ob Huawei spioniert oder auch nicht. US Firmen ist in dieser Hinsicht ebenfalls nicht zu trauen. Das Vorgehen von Google sollte jedem halbwegs intelligenten Beobachter klar machen, in welche katastrophale Abhängigkeit wir uns begeben haben. Software aus US-Produktion bildet die Basis fast jedes digitalen Systems unseres täglichen Lebens. Wenn es einem durchgeknallten amerikanischen Despoten gefällt, kommt - wie spätestens jetzt jedem klar sein sollte - hierzulande die Wirtschaft schlagartig zum Stillstand. Im Fall von Huawei gibt es weder technische noch wirtschaftliche Gründe für den Boykott. Millionen von Konsumenten zahlen die Zeche für einen ideologischen Feldzug eines lokalen Politikers. Am erschreckendsten ist die Tatsache, dass dieser absurde Vorgang von der Öffentlichkeit völlig stoisch hingenommen wird. Man macht sich darüber Gedanken, ob das eigene Huawei Gerät jetzt an Wert verlieren könnte, dabei sind zukünftig im Grunde genommen sämtliche Smartphones, die auf US-Software basieren, unbrauchbar. Die Presse scheint all das kalt zu lassen. Ist sie lediglich abgestumpft oder gibt es andere Gründe?

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