Netzwelt

US-Sanktionen und die Folgen

Huawei könnte Zugang zu wichtiger Chiptechnologie verlieren

Die US-Sanktionen setzen den chinesischen Elektronikriesen Huawei stark unter Druck. Nun droht der Konzern auch den Zugang zu Technologien von ARM zu verlieren, auf denen alle modernen Smartphone-Chips basieren.

SPIEGEL ONLINE

Kirin-980-Chip aus einem Huawei-Smartphone: Ohne Unterstützung von ARM wäre er kaum möglich

Mittwoch, 22.05.2019   18:00 Uhr

Seit die US-Regierung Sanktionen gegen Huawei verhängte, wird die Lage des chinesischen Elektronikkonzerns zusehends schwieriger. Nach Informationen der BBC hat der britische Chip-Entwickler ARM jegliche Zusammenarbeit mit Huawei eingestellt. Für die Chinesen wäre das ein heftiger Rückschlag.

Die Chip-Technologien von ARM bilden die Basis für nahezu alle heute in Smartphones und Tablets verwendeten Prozessoren - auch für jene, die Huaweis Tochterfirma HiSilicon für die Produkte des Konzerns entwickelt.

ARM ist in Cambridge ansässig und gehört dem japanischen Technologiekonzern Softbank. Die Firma habe ihre Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Chip-Designs von ARM auch aus den USA stammende Technologie enthielten und deshalb alle Geschäfte mit Huawei eingestellt werden müssten, berichtete die BBC am Mittwoch. Ohne eine Zusammenarbeit mit ARM dürfte es für Huawei schwierig werden, weiter eigene Prozessorchips, die es mit der Konkurrenz aufnehmen können, für seine Smartphones zu entwickeln.

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer künftig US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss dafür eine Lizenz des US-Handelsministeriums erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Unter dem massiven Druck dieser Sanktionen will Huawei sein eigenes Betriebssystem spätestens zum nächsten Frühjahr einsatzbereit haben. Es werde auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein, kündigte der Chef der Huawei-Verbrauchersparte, Yu Chengdong, laut "Phoenix News" an. Die Software könne möglicherweise aber auch schon im Herbst fertig sein, heißt es.

Die bereits seit 2012 vorangetriebene Entwicklung eines eigenen Betriebssystems hat für Huawei große Dringlichkeit bekommen, da die US-Maßnahmen dem Konzern den Zugang zum Google-System Android erschweren. Huawei dürfte in Zukunft später als andere Smartphone-Anbieter an neue Android-Versionen kommen und wird künftig keine Google-Dienste und Apps wie Gmail, YouTube oder Chrome mehr auf seinen Produkten vorinstallieren dürfen.

Von der Liste der Geräte, auf denen man Android Q - das nächste große Update des Google-Betriebssystems - installieren kann, wurde das Huawei-Smartphone Mate 20 Pro bereits wieder gestrichen. Es war erst vor Kurzem zu dieser Liste hinzugefügt worden.

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Smartphone-Update: Das ist neu in Android Q

Auf ein Dekret von US-Präsident Donald Trump hin waren US-Firmen vergangene Woche alle Geschäftsbeziehungen zu Huawei untersagt worden. Google war der erste große Konzern, der darauf reagierte, indem er seinen chinesischen Großkunden vom Android-System ausschloss.

Schon am Montagabend jedoch wurden die Sanktionen für 90 Tage gelockert. Damit soll vor allem weiter die Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in den USA sichergestellt werden. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt und einer der führenden Netzwerkausrüster.

Für Nutzer bedeutet das nach jetzigem Stand, dass Google die Smartphones heutiger Huawei-Kunden in den kommenden drei Monaten weiter in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung aber nicht. Das dürfte beispielsweise auch die am Dienstag von der Huawei-Tochter Honor neu vorgestellten Smartphones betreffen.

Angst vor den Auswirkungen

Wohl auch mit Blick auf die wegen der US-Sanktionen zu erwartenden Auswirkungen werden Huawei-Telefone beim anstehenden Start von Netzen des superschnellen 5G-Datenfunks in Großbritannien von den Mobilfunk-Betreibern nicht angeboten.

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür konnten bislang nicht vorgelegt werden. Die USA drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten.

Huawei hat die US-Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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mak/dpa

insgesamt 56 Beiträge
Markus Frei 22.05.2019
1. Reaktion
Beunruhigend finde ich das es aus Peking keinerlei Reaktion gibt. Es ist zu befürchten das man sich dort über wirklich ernste Konsequenzen Gedanken macht. Das Peking so wie Trump sich das vorstellt auf Knien angerutscht kommt [...]
Beunruhigend finde ich das es aus Peking keinerlei Reaktion gibt. Es ist zu befürchten das man sich dort über wirklich ernste Konsequenzen Gedanken macht. Das Peking so wie Trump sich das vorstellt auf Knien angerutscht kommt halte ich für wenig wahrscheinlich. Man sollte sich vor Augen halten das ein 5G-Netz ohne Technologien von Huawei und deren Patente nicht möglich ist. Auch wenn Huawei gar nicht beteiligt ist kann der Wettbewerb, egal ob Ericsson oder Nokia, ohne die Lizenzen von Huawei kein 5G-Netz aufbauen.
Lebonk 22.05.2019
2.
Mich wundert, dass es relativ still ist um dieses Ereignis. Man bedenke : die großen fast-Monopolisten wie google, facebook, apple etc. sind wirtschaftlich nicht frei, sondern unterliegen den Launen des alten, weißen Mannes in [...]
Mich wundert, dass es relativ still ist um dieses Ereignis. Man bedenke : die großen fast-Monopolisten wie google, facebook, apple etc. sind wirtschaftlich nicht frei, sondern unterliegen den Launen des alten, weißen Mannes in Washington ! Sein Verhalten bedroht Millionen Menschen, die sich eine Technologie der großen amerikanischen Weltkonzerne gekauft haben. Sie werden in Geiselhaft genommen. Man kann nur hoffen, dass die Chinesen und andere Plattformen entwickeln, die sie - und uns - unabhängig von den amerikanischen Weltkonzernen machen, die augenscheinlich nicht frei, sondern abhängig von der Politik sind.
deviet 22.05.2019
3. Tot gesagte leben länger
Was mit Huawei wirklich passiert, wollen wir erst einmal abwarten. Im Augenblick passiert nämlich nichts. Die Sanktionen von Google sollen laut eigener Aussagen nicht die Handys betreffen, die verkauft wurden oder für den Handel [...]
Was mit Huawei wirklich passiert, wollen wir erst einmal abwarten. Im Augenblick passiert nämlich nichts. Die Sanktionen von Google sollen laut eigener Aussagen nicht die Handys betreffen, die verkauft wurden oder für den Handel bereitgestellt wurden. China hat einige Möglichkeiten Trumps Wiederwahl zu behindern oder gar zu verhindern. Man hat eventuell vergessen, dass China fast Monopolist für seltene Erden ist. Schneiden sie die USA davon ab, ist Schicht in der Elektronikindustrie der USA. Vielleicht beschließen die Chinesen auch, Geräte von Apple zu sanktionieren, bis hin zur Einstellung der Produktion. Dann gibt es weltweit keine Geräte von Apple mehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Unternehmer in den USA dafür sorgen werden, dass der nächste Präsident jemand ist, der die Beziehungen zu China normalisiert.
equigen 22.05.2019
4. Trump löst eine Weltwirtschaftskrise aus
gegen die die Bankenkrise von vor 10 Jahren ein Zuckerschlecken sein wird. Unser Vermögen, aber auch die Aktienvermögen der US Rentner die ihn gewählt haben, werden pulverisiert. Wenn Verträge und Abkommen durch das Wort [...]
gegen die die Bankenkrise von vor 10 Jahren ein Zuckerschlecken sein wird. Unser Vermögen, aber auch die Aktienvermögen der US Rentner die ihn gewählt haben, werden pulverisiert. Wenn Verträge und Abkommen durch das Wort eines Diktators ohne demokratische Kontrolle gebrochen werden, ohne dass die Weltgemeinschaft geschlossen dagegen reagiert, dann ist der globalen Wirtschaft nicht mehr zu helfen. China wird's überleben. Sie haben das Potential komplett eigenständig alle Arten von Produkten und IT Technik zu produzieren. Wenn nicht heute, dann morgen. Wir dagegen hängen unweigerlich am Tropf der USA, können keine Chips und PCs mehr bauen und Betriebssysteme haben wir auch keine mehr die uns die USA nicht von heute auf morgen ausschalten könnte. Nichtmal mehr Radios oder Spielzeug könnte unsere deutsche Dienstleistungsgesellschaft noch selbst hinkriegen. Mal sehen wen der Bann als nächstes trifft. Siemens wäre ein lohnendes Ziel. Denn GE aus den USA geht's ja so schlecht weil sie jahrelang immer weniger in Forschung und Entwicklung investiert haben. Mal sehen welchen Notstand es braucht um diese unliebsame Konkurrenz aus DE auszuschalten...
JürgenHammerbeck 22.05.2019
5.
Interessant würde ich finden, wie hoch sich die Verluste für die Soft- und Hardwarehersteller summieren werden. Davon ist nie die Rede. China agiert nicht nach dem Rache-Prinzip. Dort versucht man, zunächst einen klaren Kopf [...]
Interessant würde ich finden, wie hoch sich die Verluste für die Soft- und Hardwarehersteller summieren werden. Davon ist nie die Rede. China agiert nicht nach dem Rache-Prinzip. Dort versucht man, zunächst einen klaren Kopf zu bewahren.

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