Netzwelt

Neue Topmodelle Mate 30 und Mate 30 Pro

Die größte Frage lässt Huawei offen

Huawei hat in München seine nächsten Vorzeige-Smartphones enthüllt: Die Mate-30-Geräte kommen mit neuester Technik daher, dafür ohne populäre Google-Apps. Und noch etwas fehlt bisher.

LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Zu einem unbekannten Zeitpunkt für 1099 Euro zu haben: Huaweis neues Mate 30 Pro

Donnerstag, 19.09.2019   17:09 Uhr

Ja, sie erscheinen. Aber wann und wo, das ist unklar. Der chinesische Konzern Huawei - der nach Samsung zweitgrößte Handyhersteller der Welt - hat in München seine neuen Flaggschiff-Handys vorgestellt. Die beiden Highend-Smartphones namens Mate 30 und Mate 30 Pro werden 799 beziehungsweise 1099 Euro aufwärts kosten, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.

Wann und wo die Geräte jedoch in den Handel kommen, blieb unklar - was an einem Punkt, an dem bereits der Preis öffentlich gemacht wurde, ungewöhnlich ist. Dass bei der Präsentation ausschließlich Euro-Preise der Modelle genannt wurden, dürfte aber auf Pläne für eine Markteinführung in Europa hinweisen. Angaben konkret zu Deutschland gibt es bislang nicht.

Klarer als der Veröffentlichungstermin sind einige Eckdaten der Geräte. Das Mate 30 und das Mate 30 Pro sind Smartphones im Oberklasse-Bereich, sie kommen mit 6,62 Zoll und 6,53 Zoll (Pro) Bildschirmdiagonale daher. Für mehr als genug Rechenpower sorgt im Inneren ein sehr leistungsfähiger Prozessor namens Kirin 990.

Für das Mate 30 Pro, das ein Leica-Vierfachkamera-System besitzt, verspricht Huaweis Werbeabteilung nicht weniger als eine "mobile Filmkamera in Kinoqualität". Eine spezielle 5G-Variante des Mate 30 Pro für 1199 Euro ist zudem mit dem neuesten Mobilfunkstandard kompatibel, anders als die neuen 11er-iPhones.

Angeblich der Konkurrenz überlegen

Der Chef des Huawei-Verbrauchergeschäfts, Richard Yu, betonte, die Mate-30-Smartphones seien Konkurrenz-Modellen von Apple oder Samsung in mehreren Bereichen überlegen, etwa bei der Geschwindigkeit des 5G-Datenfunks oder der Akkuleistung. Das Mate 30 bietet laut Huawei einen Akku mit 4200 mAh, das Mate 30 Pro bietet 4500 mAh.

Um die Lichtstärke der Kamera zu demonstrieren, präsentierte Richard Yu auf der Bühne das Nachtbild einer Berglandschaft - als Vergleichsbild von einem Samsung Galaxy Note 10 war einfach ein schwarzes Viereck zu sehen.

Die Gesichtserkennung der Geräte nutzt Huawei für mehrere innovative Funktionen. So blendet das Mate 30 vertrauliche Benachrichtigungen ein, wenn sein Nutzer darauf blickt. Taucht eine andere Person im Blickfeld des Telefons auf, werden die Informationen wieder versteckt. Außerdem wechselt die Bildschirmorientierung automatisch, weil die Kamera dafür auf die Position des Gesichts achtet.

Keine Google-Apps vorinstalliert

Auf beiden vorgestellten Geräten läuft eine Variante der Open-Source-Version von Googles Android-Betriebssystem, ohne vorinstallierte Google-Apps. Darüber legt der Konzern seine eigene, EMUI10 genannte Benutzeroberfläche. Auch auf den in München verfügbaren Demo-Geräten der Mate-30-Reihe waren am Donnerstag keine Google-Anwendungen wie Gmail, YouTube oder Google Maps zu sehen.

Das Fehlen der Programme hängt damit zusammen, dass die US-Regierung Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt hat. Die USA werfen dem Unternehmen vor, mit seinen Produkten könne China Spionage betreiben. Huawei weist dies zurück.

"App Gallery" statt Play Store

Der chinesische Konzern darf neue Geräte aufgrund der US-Liste nicht mehr mit Google-Apps ausliefern. Als Alternative zu Googles App-Plattform Play Store stellte Huawei nun seinen eigenen App-Marktplatz namens "App Gallery" ins Rampenlicht. Den findet man schon jetzt auf Huawei-Geräten, im Vergleich zum Play Store führt er dort aber ein Schattendasein.

Ob sich deutsche Kunden, die von älteren Huawei-Geräten, aber zum Beispiel auch von Samsung-Handys den Umgang mit dem Play Store gewöhnt sind, nun für die "App Gallery" erwärmen könnten? Unter anderem das würde sich im Zweifel wohl erst an den Verkaufszahlen der Geräte zeigen.

Klargestellt hat Huawei am Donnerstag immerhin, dass ein weiteres neues Smartphone, das auffaltbare Mate X, zunächst nicht in Deutschland erhältlich sein wird. Das Mate X soll vom kommenden Monat an in China verkauft werden, sagte Richard Yu. Damit würde Marktführer Samsung in Europa vorerst der einzige namhafte Anbieter eines Smartphones bleiben, das sich auf die Größe eines kleinen Tablets auffalten lässt.

mbö/dpa

insgesamt 41 Beiträge
timtom2222 19.09.2019
1.
Mir fehlt im Beitrag ob man YouTube und Google Maps selbst installieren kann.
Mir fehlt im Beitrag ob man YouTube und Google Maps selbst installieren kann.
noch_ein_forenposter 19.09.2019
2.
Ich nehme an, man kann den Playstore direkt über eine apk-Datei installieren (gibts bei Heise) und ist dann wieder im Google-Universum. Wenn Huawei böse ist, liefern die gleich eine Anleitung dazu mit... Aber vielleicht [...]
Ich nehme an, man kann den Playstore direkt über eine apk-Datei installieren (gibts bei Heise) und ist dann wieder im Google-Universum. Wenn Huawei böse ist, liefern die gleich eine Anleitung dazu mit... Aber vielleicht fängt Google das irgendwie ab.
bluemetal 19.09.2019
3. Gut
Generell ist es ja zunächst einmal positiv, dass die ganze Google Apps erstmal fehlen, und jeder diese oder andere nach Bedarf installieren kann oder eben nicht. Die Frage ist eigentlich nur, ob es in der App Gallery das [...]
Generell ist es ja zunächst einmal positiv, dass die ganze Google Apps erstmal fehlen, und jeder diese oder andere nach Bedarf installieren kann oder eben nicht. Die Frage ist eigentlich nur, ob es in der App Gallery das gleiche umfangreiche Angebot an Apps gibt. Mit Apks im Netz suchen und händisch installieren, sind die meisten Android User schlicht überfordert.
3diwrzf83024 19.09.2019
4. Füf hilflose:
https://www.google.de/search?=Heise+Google+Dienste+apk&oq=Heise+Google+Dienste Oder https://www.chip.de/download/80272_APK-Android-Apps-CHIP-Exklusiv/wochen-charts/ (Pos. 3+14)
https://www.google.de/search?=Heise+Google+Dienste+apk&oq=Heise+Google+Dienste Oder https://www.chip.de/download/80272_APK-Android-Apps-CHIP-Exklusiv/wochen-charts/ (Pos. 3+14)
Arno Kling 19.09.2019
5. Tut mir leid Huawei
Ich finde gerade die Kameras der Huawei Geräte klasse, aber ohne vernünftiges Android geht auch der letzte Rest meines Vertrauens. Ich weiss, es wäre für Chinesische Konzerne ohnehin ein leichtes, Hintertüren einzubauen, aber [...]
Ich finde gerade die Kameras der Huawei Geräte klasse, aber ohne vernünftiges Android geht auch der letzte Rest meines Vertrauens. Ich weiss, es wäre für Chinesische Konzerne ohnehin ein leichtes, Hintertüren einzubauen, aber ich habe jede Menge Erfahrungen in der Vergangenheit mit China gemacht und war auch da. Es ist beängstigend, wie die chinesische Regierung jede Möglichkeit nutzt, seine eigenen Bürger auszuspionieren und mit neuester Technologie zu kontrollieren. Das mag in den USA mit Spionage kaum weniger schlimm sein, in China ist es aber eine richtige Horrorshow. Ich habe ein aktuelles Huawei. Das Handy ist klasse, vor allem die Fotos - aber vermutlich ist es mein letztes chinesisches Handy.

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