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Surface Laptop 3 im Test

Microsofts Edel-Notebook lädt zum Schrauben ein

Mit Version 3 des Surface Laptops betreibt Microsoft mehr als bloße Produktpflege. Das Gehäuse des neuen Modells lässt sich schnell öffnen und aufrüsten. Was billiger ist als ein offizielles Upgrade, stört natürlich den Hersteller.

Matthias Kremp/ DER SPIEGEL
Von
Montag, 11.11.2019   15:02 Uhr

Mit dem Surface Laptop 3 hat Microsofts Designabteilung etwas Außergewöhnliches abgeliefert. Zum einen sieht das neue Notebook einfach gut aus, sogar in dem Sandstein genannten Farbton meines Testgeräts. Kaufen würde ich mir eine andere Farbe, aber ein Hingucker ist es auf jeden Fall. Umso mehr, als auch die Tastatur farblich angepasst wurde.

Ergonomisch ist das freilich nicht, im Licht unserer Bürolampen sind die Tasten wegen des geringen Kontrasts zwischen Beschriftung und Tastenfarbe oft schwer ablesbar. Dafür hat der Surface Laptop 3 ein extragroßes Touchpad, ganz ähnlich wie Apples MacBooks. Das macht es leichter, sich von der Maus zu verabschieden.

Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend und das Aluminiumgehäuse macht einen sehr robusten Eindruck. Dass Microsoft sich hier ein wenig vom MacBook Air hat inspirieren lassen, ist nicht zu übersehen. Allerdings haben sich die Designer in einem wichtigen Punkt vom aktuellen Trend gelöst, nämlich Notebooks mit vielen winzigen Schrauben und unter großzügigem Einsatz von Klebstoff zusammenzubauen.

Laptop mit Schnellverschluss

Stattdessen ist der Surface Laptop 3 vorbildlich leicht zu öffnen, wie das Reparaturportal iFixit festgestellt hat. Unter den vier Gummifüßen auf der Unterseite des Geräts steckt jeweils eine Schraube. Die hat zwar einen Kopf im Format Torx Plus, das bei Heimwerkern eher unüblich ist. Passende Schraubendreher bekommt man aber trotzdem in fast jedem Baumarkt und bei Internetversendern.

Sind die Schrauben einmal gelöst, wobei leider die kleinen Gummifüße etwas leiden, lässt sich das Gehäuse einfach aufklappen und beispielsweise die SSD mit wenigen Handgriffen herausnehmen und durch eine andere ersetzen. Das wäre eigentlich eine tolle Möglichkeit, um Geld zu sparen.

Denn mehr Speicherplatz lässt sich Microsoft, ähnlich wie Apple, üppig bezahlen. Der Preisunterschied zwischen einem Modell mit einer 256 Gigabyte großen SSD und einem mit einer 1 Terabyte großen SSD beträgt - bei gleichem Prozessor und Arbeitsspeicher - satte 900 Euro. Für das Upgrade von 512 GB auf 1 TB werden 450 Euro fällig. Angesichts niedriger Preise für Nachrüst-SSD scheint es da verlockend, ein einfacher ausgestattetes, günstiges Modell zu kaufen und selbst aufzurüsten.

Microsoft möchte das freilich lieber nicht, weist auf seiner Webseite daraufhin, dass die SSD "nicht vom Benutzer gewechselt werden" darf, sondern nur "von einem qualifizierten Techniker". Wer es trotzdem versucht, läuft Gefahr, sich bei anschließenden Problemen nicht auf die Garantie berufen zu können. Zudem sind SSDs in dem vom Microsoft gewählten Format M.2 2230 noch selten, aber mit Preisen ab 170 Euro für ein TB trotzdem sehr günstig.

Es wird warm

Bei eher gemächlichen Anwendungen wie Websurfen, E-Mail oder Textverarbeitung ist von dem ungewöhnlich leicht zugänglichen Innenleben des Surface Laptop 3 nichts zu hören. Sobald man die Maschine aber fordert, etwa durch aufwendige Spiele, Bildbearbeitung oder mehrere Gigabyte große Downloads, wird ihr offenkundig heiß.

Wenn man den Laptop dabei mangels Tisch auf den Oberschenkeln balanciert, bemerkt man das, weil er auf der Unterseite sehr, sehr warm wird, vor allem rechts. Gleichzeitig läuft laut vernehmbar ein Lüfter an, der sich nach Kräften bemüht, die Hitze durch die Schlitze im Gehäuse hinauszublasen.

Ein Weltraumausflug mit "Elite Dangerous" ist dafür aber in guter grafischer Qualität möglich, zumindest in der getesteten Version mit Intel-Core-i7-Prozessor.

Anschlussmangel

Die Akkulaufzeit kann sich sehen lassen. Im Dauerbetrieb mit deaktivierten Energiesparfunktionen und permanentem Netzwerkverkehr schaltete sich mein Surface Laptop 3 erst nach gut zehn Stunden ab. Das Aufladen des Akkus dauerte nach dieser Tortur rund 130 Minuten. Alles nicht Weltrekord, aber Werte, mit denen man gut leben kann.

Problematischer sind die wenigen Anschlüsse, die Microsoft dem knapp 1,3 Kilogramm leichten Laptop gönnt. Neben einer Kopfhörerbuchse stehen lediglich ein USB-C- und ein USB-A-Anschluss zur Verfügung. Dafür ist das Surface Laptop 3 mit seinem 802.11ax-Modul schon für den neuen WLAN-Standard Wifi 6 vorbereitet. Den hat zwar derzeit kaum jemand, aber wenn man irgendwo auf ein solches Netz stößt, kann man es mit diesem Notebook wenigstens auch nutzen.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Robust und sehr gut verarbeitet

Leicht zu öffnendes Gehäuse

Sehr guter Bildschirm

Viele Varianten verfügbar

Zu wenige Anschlüsse

Wird schnell sehr warm

Hohe Aufpreise für mehr Speicher

Rein technisch ist der Surface Laptop in seiner dritten Version kein bahnbrechendes Produkt. Wie in der Branche üblich, hat Microsoft hier in erster Linie Produktpflege betrieben, das neue Modell also mit aktueller Technik bestückt, wie etwa den Intel-Core-Prozessoren der zehnten Generation. Herausgekommen ist dabei ein solides Arbeitsgerät, das auch noch gut aussieht und mit einem sehr guten Bildschirm besticht.

Das hört sich erst mal nicht sonderlich aufregend an. Und doch ragt der Surface Laptop 3 aus der Masse der Notebooks seiner Klasse heraus. Nicht so sehr durch die Preise - die getestete 13,5-Zoll-Variante kostet mit 16 GB Arbeitsspeicher und 256 GB SSD stolze 1749 Euro - sondern durch die Möglichkeit, es leicht zu öffnen. Dieses Detail ermöglicht potenziell lebensverlängernde Maßnahmen wie den Austausch der SSD durch ein größeres Modell oder den Wechsel des Akkus, wenn der nach zwei bis drei Jahren an Ausdauer verliert. Dem gegenüber steht eine sehr sparsame Ausstattung mit Anschlüssen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
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Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
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insgesamt 6 Beiträge
Nutzer ohne Namen 11.11.2019
1. aut ifixit ist ein akkuwechsel nicht möglich
danke für den hinweis mit der ssd, aber der akku ist weiterhin verklebt. https://de.ifixit.com/Teardown/Microsoft+Surface+Laptop+3+(15-Inch)+Teardown/127277
danke für den hinweis mit der ssd, aber der akku ist weiterhin verklebt. https://de.ifixit.com/Teardown/Microsoft+Surface+Laptop+3+(15-Inch)+Teardown/127277
Schnellleser 11.11.2019
2.
Zitat: "Die hat zwar einen Kopf im Format Torx Plus, das bei Heimwerkern eher unüblich ist." Gerade mal nachgesehen: Bits für Torx und Torx Plus vorhanden. Ein Bitsatz mit allen gängigen Bits gehört eigentlich in [...]
Zitat: "Die hat zwar einen Kopf im Format Torx Plus, das bei Heimwerkern eher unüblich ist." Gerade mal nachgesehen: Bits für Torx und Torx Plus vorhanden. Ein Bitsatz mit allen gängigen Bits gehört eigentlich in jeden Haushalt. Die Variante mit über 100 Bits, die mir gerade in die Hand gefallen ist, war mit etwa 20 € auch nicht teuer. Oft genutze Bits muss man zwar recht schnell ersetzen. Am besten durch Varianten aus dem Fachhandel, aber dann hat man wenigstens immer die passende Variante zur Hand. Mit falschen Bits macht man sich nur die Schrauben kaputt. Das kann man gut an Abdeckungen von Batteriefächern erkennen, in denen die Billigschrauen dann nach kurzer Zeit ausgeleiert sind.
Crom 11.11.2019
3.
Wer mehr Anschlüsse will, kann sich auch eine Dockingstation holen, muss nicht mal die von Microsoft sein.
Wer mehr Anschlüsse will, kann sich auch eine Dockingstation holen, muss nicht mal die von Microsoft sein.
hammer666 12.11.2019
4. u
Leider wieder ohne Sim-Slot, sowas sollte gerade bei ultramobilen Geräten dazu gehören.
Leider wieder ohne Sim-Slot, sowas sollte gerade bei ultramobilen Geräten dazu gehören.
Knossos 12.11.2019
5.
Niemand, der in Sachen Chips & Graphik auf dem Laufenden ist, erwägt die Ausgabe eines Laptops mit Intel-Bestückung, wenn dieser zugleich mit neuester AMD-Technik zu haben ist. Doch Intel, unvergleichlich finanzstärker [...]
Niemand, der in Sachen Chips & Graphik auf dem Laufenden ist, erwägt die Ausgabe eines Laptops mit Intel-Bestückung, wenn dieser zugleich mit neuester AMD-Technik zu haben ist. Doch Intel, unvergleichlich finanzstärker als AMD, weiß immer schon wie OEMs, Einzelhandel und PR zu steuern. Und nun, da sie AMD für die nächsten 2-3 Jahre nur mit zusammengepfriemelten Lösungen hinterherstolpern können und Marketshare abtreten werden, setzen sie Alles auf getürktes Marketing und gekaufte Besprechungen, in denen Intels frisierte Darstellungen kolportiert werden. Wer einen Laptop oder Desktop-PC mit einzigartigem Preisleistungsverhältnis erstehen will, wartet am besten bis zum Frühjahr nächsten Jahres. Gamer und Miner, die ihre Kisten selbst zusammenstellen, wissen längst worauf am besten zurückzugreifen ist, und Hersteller von Supercomputern lassen sich nur noch auf Intel ein, wenn diese ihnen enorme Rabatte einräumen. Aber auch die Letzteren werden ihren Kunden ab nächstem Jahr nicht mehr darlegen können, warum diese sich mit ausladenden und Strom fressenden Komponenten abgeben sollten.

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