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Kreativ fotografieren mit LED-Licht

LED-Beleuchtungen finden sich mittlerweile in jedem Haushalt. Wie sich diese Stromsparlampen für Fotografen nutzbar machen lassen, erklärt "Docma"-Autor Christian Thieme.

Christian Thieme/ DOCMA

Für Effekte wie diesen reichen ein paar Lampen und etwas Frischhaltefolie

Samstag, 02.03.2019   09:31 Uhr

Für Abwechslung in der Studiobeleuchtung zu sorgen ist oft mit hohen Kosten verbunden. Lichtformer sind teuer, und wer mit farbigem Licht arbeiten möchte, muss sich beispielsweise hitzebeständige Farbfilterfolien zulegen. Ob dann die gewünschten Effekte gelingen, zeigt sich oft erst beim Shooting. Es geht aber auch günstiger.

Seit Inkrafttreten der EU-Lampenverordnung haben LEDs ihren Siegeszug angetreten. Über die Jahre wurde die Produktion der kleinen Lichtspender derart günstig, dass sie mittlerweile überall zu finden sind und in der heimischen Wohnung nicht nur für Licht, sondern auch für kreative Lichtstimmungen sorgen.

Dank RGB-LEDs können die Lämpchen ein breites Farbspektrum abdecken, das sich auch abwechslungsreich im Bereich der Fotografie einsetzen lässt. Bei den Aufnahmen für diesen Artikel kamen lediglich vier Lichtquellen zum Einsatz, die normalerweise dekorative Zwecke im Haus erfüllen: eine 1,5 Meter lange RGB-Lichtröhre, ein RGB-Gartenstrahler sowie zwei weiße LED-Flächenstrahler.

Ein Setup, unendliche Variationen

Die hier gezeigten Fotos sind alle bei einem Shooting entstanden. Kameraposition, Hintergrund und Standort des Models sind dabei nicht geändert worden. Lediglich die Lichtquellen kamen an unterschiedlichen Positionen zum Einsatz. In der Postproduktion diente Lightroom Classic CC für den Feinschliff am Motiv.

Schwarzer Molton im Hintergrund schluckte das entstehende Streulicht, da keine Lichtformer vor die Lampen gesetzt werden konnten. Beim Aufbau zeigte sich, dass die richtige Einstellung der Kamera die meiste Zeit in Anspruch nahm. Ein möglichst niedriger ISO-Wert sorgte für ein geringes Bildrauschen, während der Blendenwert nicht zu groß ausfiel, um eine stimmungsvolle Schärfentiefe zu erreichen. Mit ISO 800 und Blende 5,6 waren die ersten Parameter nach ein paar Probeschüssen gesetzt.

Durch die geringe Leuchtkraft der LEDs stellte die hierdurch entstehende lange Verschlusszeit ein Problem dar. Die Lampen mussten daher möglichst nahe ans Model gestellt werden und ein Kamerastativ schloss Verwacklungen bei einer 1/25 Sekunde aus. Diese Verschlusszeit erzeugte eine leichte Unterbelichtung des Fotos.

Gefunden in

Durch das Dauerlicht war es möglich, das Bildresultat direkt im Live-View-Modus der Kamera zu beurteilen. Mit zwei Fernbedienungen konnten die farbigen Lichtquellen ferngesteuert werden. Hierdurch gestaltete sich das Wechseln der Lichterfarben besonders einfach. Die meisten Dekolampen verfügen zudem über eine automatische Farbwechsel- und Dimmfunktion, was beim kreativen Fotoshooting für zusätzliche Abwechslung sorgt.

Fazit

Für fotografische Experimente eignen sich LED-Dekoleuchten hervorragend. Oft gibt es Angebote bei Discountern, die günstige LED-Lichtquellen für wenige Euro anbieten. Durch die unterschiedlichen Bauformen können immer wieder neue Lichtkreationen ausprobiert werden. Im Folgenden erklären wir, wie wir bei unserem Fotoshooting konkret vorgegangen sind:

1. Lichtquellen als Bildelement

Christian Thieme/ DOCMA

Da es LED-Lampen mittlerweile in vielen Bauformen gibt, eignen sie sich gut als kreatives Bildelement.

Durch ihre geschickte Positionierung wird auch ein monotoner Hintergrund spannend. Als Alternative zu einer LED-Röhre kann beispielsweise eine Selbstbaulösung dienen, die wir Ihnen in der "Docma"-Ausgabe 86 ("Eigenbau eines Striplights") vorgestellt haben. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich LED-Streifen dazu nutzen, unterschiedliche Lichtkulissen zu realisieren.

Durch eine Klammer an einem Lampenstativ wird bei diesem Motiv die LED-Lichtröhre hinter dem Model positioniert und als Hintergrundelement genutzt. Rechts oberhalb des Models dient ein weißer LED-Strahler als Kopflicht und ein zweiter von links sorgt für die Ausleuchtung im Gesicht. Die Lichtstimmung entstand bei der Raw-Entwicklung in Lightroom Classic CC, mit individuellen Anpassungen bei den Belichtungsparametern und der Farbtemperatur.

2. Bühnenlicht

Christian Thieme/ DOCMA

Die typische Lichtcharakteristik auf einer Bühne entsteht durch relativ harte Lichtquellen von vorne sowie farbige Lichter, die im Hintergrund zu sehen sind. Um diesen Effekt zu erzielen, kann die Lichtintensität der LED-Lampen mithilfe der Dimmfunktion angepasst werden, damit eine ausgeglichene Lichtszene entsteht. Zwei weiße LED-Strahler von schräg oben sorgen für die Ausleuchtung des Gesichts. Im Hintergrund erzeugen die LED- Röhre sowie der Gartenstrahler einen überstrahlten Farbeffekt.

Durch eine Belichtungskorrektur sowie die Anpassung der Farbtemperatur konnte bei der Raw-Verarbeitung in Lightroom Classic CC ein warmer Hautton erzeugt werden.

Durch die frei einstellbaren Farben im Hintergrund können Sie im Handumdrehen die Lichtstimmung beeinflussen. Es bietet sich auch an, die Leuchten auf den Automatikmodus zu schalten und sich von den zufälligen Farbzusammenstellungen überraschen zu lassen. Das ergibt garantiert unerwartete Ergebnisse - und mit Glück spannende Farbkombinationen - die man so vielleicht nie selbst ausprobiert hätte.

3. Malerisches Licht

Christian Thieme/ DOCMA

In diesem Beispiel sorgen drei LED-Lampen für eine sanfte Porträtausleuchtung, die einen malerischen Charakter hat. Diesmal dient die LED-Röhre als Hauptlicht von links und ein weißes LED-Licht als Kopflicht. Die Lichteffekte an den Rändern entstehen durch etwas Frischhaltefolie, die um das Objektiv gewickelt ist. Für die Blaufärbung sorgt der Gartenstrahler, der als Effektlicht von unten auf die Folie gerichtet ist und etwas Streulicht auf das Gesicht wirft.

Durch den Blick Richtung Röhre entsteht der elegante Lichtreflex in den Augen des Models und lässt eine warme Lichtstimmung im Gesicht entstehen. In Lightroom Classic CC sorgt die Anpassung der Belichtungsparameter sowie der Farbtemperatur für einen eleganten Touch. Ein hoher Wert bei der Rauschreduktion erzeugt dabei den weicheren Bildeindruck.

Tipp: Die LED-Röhre besticht durch ihr besonders weiches Licht, da die Röhre aus mattiertem Kunststoff besteht. Ein Diffusor wird dadurch überflüssig. Mithilfe mehrerer Röhren lassen sich besonders malerische Bildeffekte erzeugen.

insgesamt 6 Beiträge
Jominator 02.03.2019
1. Skintones
Sorry, aber die Skintones sind für dir Tonne. Vermutlich liegt es an den billigen LEDs mit einem geringen Farbwidergabeindex. Leuchstoffröhren sind da (es gibt Ausnahmen) auch nicht besser.
Sorry, aber die Skintones sind für dir Tonne. Vermutlich liegt es an den billigen LEDs mit einem geringen Farbwidergabeindex. Leuchstoffröhren sind da (es gibt Ausnahmen) auch nicht besser.
observerlbg 02.03.2019
2. Nun, Jominator.....
Vielleicht mal auf den Gedanken gekommen, dass der Fotograf genau diese Skintones haben wollte? Fotografieren mit professionellen Softboxes und Blitzlicht kann ja Jeder ;-)
Vielleicht mal auf den Gedanken gekommen, dass der Fotograf genau diese Skintones haben wollte? Fotografieren mit professionellen Softboxes und Blitzlicht kann ja Jeder ;-)
DrStrang3love 02.03.2019
3.
Im Artikel wird sogar explizit erwähnt, dass die "Skintones" so gewollt sind: "Die Lichtstimmung entstand bei der Raw-Entwicklung in Lightroom Classic CC, mit individuellen Anpassungen bei den Belichtungsparametern [...]
Im Artikel wird sogar explizit erwähnt, dass die "Skintones" so gewollt sind: "Die Lichtstimmung entstand bei der Raw-Entwicklung in Lightroom Classic CC, mit individuellen Anpassungen bei den Belichtungsparametern und der Farbtemperatur."
subduction 03.03.2019
4. Niedriger ISO Wert
ISO 800 wird als niedriger ISO-Wert angesehen? Da hätte ich jetzt ISO 200, 100 oder gar 64 erwartet. Hmm wahrscheinlich ein Tribut and die digitalen Sensoren und sophistizierten Algorithmen der Datenverarbeitung...
ISO 800 wird als niedriger ISO-Wert angesehen? Da hätte ich jetzt ISO 200, 100 oder gar 64 erwartet. Hmm wahrscheinlich ein Tribut and die digitalen Sensoren und sophistizierten Algorithmen der Datenverarbeitung...
Jominator 03.03.2019
5. Ergibt keinen Sinn
"Vielleicht mal auf den Gedanken gekommen, dass der Fotograf genau diese Skintones haben wollte?" Nein, denn es ergibt keinen Sinn. Denn die Frau hat ein aufwendiges Makeup und der Autor schwärmt von dem weichen Licht [...]
"Vielleicht mal auf den Gedanken gekommen, dass der Fotograf genau diese Skintones haben wollte?" Nein, denn es ergibt keinen Sinn. Denn die Frau hat ein aufwendiges Makeup und der Autor schwärmt von dem weichen Licht einer Leuchtstöffröhre, versucht also die Haut schön aussehen zu lassen. Und dann absichtlich minderwertiges Licht in dem die Haut nicht gut aussieht?

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