Netzwelt

Nokia, Motorola und Samsung

Das ist die neue Smartphone-Mittelklasse

Auf der Ifa stellen Nokia, Motorola und Samsung neue Smartphones vor. Mitunter stoßen diese Mittelklassegeräte in High-End-Bereiche vor, bei den Kameras und den 5G-Fähigkeiten etwa - und auch preislich.

Patrick Beuth / SPIEGEL ONLINE

48-Megapixel-Vierfach-Kamera für 429 Euro: Motorola One Zoom

Von und
Donnerstag, 05.09.2019   20:33 Uhr

Die sogenannte Mittelklasse auf dem Smartphonemarkt zeichnet sich für gewöhnlich dadurch aus, dass ihre Ausstattung dem entspricht, was zwei Jahre zuvor noch High End war - Oberklasse eben. Doch auf der Ifa in Berlin werden in diesem Jahr einige Geräte vorgestellt, die den Begriff Mittelklasse neu definieren.

Das Motorola One Zoom etwa bietet ein 6,4-Zoll-OLED-Display, eine 48-Megapixel-Vierfachkamera mit Tiefensensor, Ultraweitwinkel- und Teleobjektiv, dazu eine 25-Megapixel-Selfie-Kamera, einen Akku mit 4000 Milliamperestunden, der bis zu zwei Tage durchhalten soll, bis er aufgeladen werden muss - und wie immer ein pures Android-Betriebssystem. Das alles sind - zumindest auf dem Papier - Merkmale, die auch höchsten Ansprüchen genügen sollten. Vor allem das Kamerasystem könnte, den reinen Zahlen nach, auch in einem aktuellen Topmodell stecken.

Ein edles Finish aus Glas, der ins Display integrierte Fingerabdrucksensor sowie die Schnellladefunktion (15 Minuten sollen für bis zu zwei Stunden Betrieb reichen) vervollständigen den Eindruck, dass Motorola eher den Eindruck von Oberklasse vermitteln will. Erhältlich ist das Zoom ab sofort für 429 Euro.

Das kann Nokias 7.2

Noch günstiger wird es bei Nokia. Für 299 respektive 349 Euro - je nach Speicherausstattung - bekommt man das neue Nokia 7.2. Genau wie das Motorola-Gerät hat es eine Hauptkamera mit einer Auflösung von 48 Megapixeln, die jeweils vier Pixel zu einem Pixel im fertigen Bild kombiniert. Das ist keine Verschwendung, sondern dürfte vor allem bei schlechtem Licht bessere Fotos ermöglichen. Zur Fotoqualität sollen auch die mit Zeiss entwickelten Linsen beitragen.

Die fotografischen Möglichkeiten werden - ebenfalls wie bei Motorola - durch einen Tiefensensor erweitert. Der soll dabei helfen, den Hintergrund eines Motivs unscharf erscheinen zu lassen. Außerdem ermöglicht er es, auch nach der Aufnahme noch auszuwählen, welchen Bildbereich man scharfstellen möchte.

Sam Robinson/ HMG Global

Sieht auf der Rückseite aus wie ein älteres Motorola, ist aber das Nokia 7.2

Zumindest im Fotografiebereich ist das Nokia 7.2 damit bestens darauf vorbereitet, mehr als nur Mittelklassefotos zu machen. Dass Nokia eine vorbildliche Update-Politik für das Android-Betriebssystem verfolgt, kommt als Bonus hinzu.

Dafür entspricht der Rest der Hardware tatsächlich nur dem Mittelmaß. Die Auflösung des 6,3-Zoll-Displays etwa ist mit Full-HD+ nicht sonderlich hoch. Dafür beherrscht das Gerät den HDR10-Standard, was beim Anschauen von Filmen auf Netflix und Amazon Prime Video für gute Kontraste sorgen dürfte.

Beim Ausprobieren des LTE-Smartphones fiel auch der Rahmen aus Kunststoff positiv auf, den Nokia statt Metall verwendet. Noch sinnvoller wäre es gewesen, auch die ganze Rückseite aus diesem Material herzustellen: Stattdessen hat Nokia sie, genau wie den Bildschirm, aber aus sogenanntem Gorillaglas der dritten Generation gebaut. Das ist zwar recht kratzfest, wird bei Stürzen aber wesentlich leichter Schaden nehmen als ein Kunststoffgehäuse.

Samsung setzt auf 5G

Das Kontrastprogramm kommt von Samsung. Dessen neues A90 wird ebenfalls als Mittelklassegerät vermarktet, kostet aber 749 Euro. Dafür gibt es ein theoretisch mit den beiden anderen Geräten vergleichbares Kameramodul mit 48 Megapixeln sowie eine Selfiekamera mit 32 Megapixeln.

Sean Gallup/Getty Images

Samsungs A90: Mittelklasse für 749 Euro

Als Dreingabe bekommt man jedoch ein 5G-Modem, was in der Mittelklasse bisher die absolute Ausnahme ist. Außerdem entspricht die weitere Ausstattung des 6,7-Zoll-Smartphones mit unter anderem Qualcomms derzeit stärkstem Chip, dem Snapdragon 855, sechs Gigabyte Arbeitsspeicher und einem Akku mit großzügigen 4500 Milliamperestunden eindeutig der aktuellen Oberklasse.

Es scheint, als habe der Preissprung im High-End-Bereich, den Apple vor zwei Jahren mit dem mehr als 1000 Euro teuren iPhone X eingeläutet hat, einen gewissen Einfluss auf die Ebene darunter. Mittelklasse kann ab sofort heißen, dass zumindest teilweise das Beste vom Besten in einem Gerät steckt.

Mittelklasse kann aber auch Preise bedeuten, die vor nicht allzu langer Zeit nur für die besten der besten Smartphones fällig wurden.

insgesamt 34 Beiträge
jpphdec 05.09.2019
1. "Mittelklasse"
Für 300-700 Euro? Gute Mittelklassegeräte kosten derzeit unter 200,-. Steht dann halt nicht Samsung, Motorola oder Nokia drauf.
Für 300-700 Euro? Gute Mittelklassegeräte kosten derzeit unter 200,-. Steht dann halt nicht Samsung, Motorola oder Nokia drauf.
brooklyner 05.09.2019
2.
Ah, endlich wieder Nokia und mit guter Kamera und zu einem Preis, der ok ist. Zwar benutze ich seit den 90ern nur Macs zum Arbeiten, und wohl deshalb habe ich auch das iPhone genommen. Aber die erbärmlichen Kameras der iPhones [...]
Ah, endlich wieder Nokia und mit guter Kamera und zu einem Preis, der ok ist. Zwar benutze ich seit den 90ern nur Macs zum Arbeiten, und wohl deshalb habe ich auch das iPhone genommen. Aber die erbärmlichen Kameras der iPhones haben mich immer geärgert, war die Konkurrenz doch stets Jahre voraus. Sony und Samsung Geräte von Freunden haben stets weitaus bessere Fotos gemacht, beim iPhone nur unscharf und dunkel, knipste man mal abends etwas. Und 1000+ € werde ich nicht mehr zahlen. Finnland liegt mir eh näher als Kalifornien - zumindest beim Telefonieren.
FrankZimmermann 05.09.2019
3.
Unter 200 € bekommt man gute Geräte, keine Frage (ist meins auch). Ist aber dennoch Einstiegsklasse, Mittelklasse würde ich mal so grob in dem Bereich 250€-500€ taxieren, darüber dann die Oberklasse. Womit das genannte [...]
Zitat von jpphdecFür 300-700 Euro? Gute Mittelklassegeräte kosten derzeit unter 200,-. Steht dann halt nicht Samsung, Motorola oder Nokia drauf.
Unter 200 € bekommt man gute Geräte, keine Frage (ist meins auch). Ist aber dennoch Einstiegsklasse, Mittelklasse würde ich mal so grob in dem Bereich 250€-500€ taxieren, darüber dann die Oberklasse. Womit das genannte Samsung dann doch definitiv rausfallen würde.
Gluehweintrinker 05.09.2019
4. 700 EUR für ein Smartphone? Nein.
Es ist schlichtweg eine Geschichte der Gier und des Prestige, anders kann man sich den Wettlauf um mehr und mehr Megapixel bei stecknadelgroßen Minilinsen nicht erklären. Dabei sind die Gesetze der Physik nach wie vor gültig. [...]
Es ist schlichtweg eine Geschichte der Gier und des Prestige, anders kann man sich den Wettlauf um mehr und mehr Megapixel bei stecknadelgroßen Minilinsen nicht erklären. Dabei sind die Gesetze der Physik nach wie vor gültig. Wie sollte man es wohl er?lären, dass es immer noch Kameras mit bierdeckelgroßen Linsendurchmessern gibt? Wie kann man es denn erklären, dass Hersteller von Smartphones werben mit Fotos, die angeblich mit diesen Geräten aufgenommen wurden, dann aber zugeben mussten: hoppla, es war wohl doch eine professionelle Digicam? Tipp: spart Euch das Geld für solch überteuerten Schnickschnack, und bitte hört mit dem Knipsen auf, lernt wieder fotofrafieren mit richtigen Kameras.
seikor 05.09.2019
5. Marketinggeschwafel
Mir stößt es auch auf, ein Smartphone für 750 Euro als "Mittelklasse" zu bezeichnen. Geht's noch? Und die für 500 heißen dann untere Mittelklasse, die für 300 dann Billighandy und die bezahlbaren für 100-200 sind [...]
Mir stößt es auch auf, ein Smartphone für 750 Euro als "Mittelklasse" zu bezeichnen. Geht's noch? Und die für 500 heißen dann untere Mittelklasse, die für 300 dann Billighandy und die bezahlbaren für 100-200 sind dann unterster Bodensatz? Offenbar lässt sich nur noch ganz oben Geld verdienen, nachdem die Chinesen die günstigeren Anteile vereinnahmt haben...

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