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OnePlus 7 Pro im Test

Hier schiebt sich die Kamera aus dem Handy

OnePlus will es jetzt mit den ganz Großen aufnehmen. Das neue Smartphone 7 Pro soll Premiumtechnik zum Premiumpreis bieten und lockt dafür mit einem besonderen Gimmick. Was das taugt, zeigt der Test.

Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE
Von
Dienstag, 14.05.2019   18:15 Uhr

Die guten alten Zeiten sind vorbei. Jedenfalls jene, als die chinesische Firma OnePlus noch ein kleines Start-up war.

Mit gut ausgestatteten Smartphones zu Kampfpreisen erarbeitete sich das schnell wachsende Unternehmen nicht nur einen respektablen Ruf, sondern auch eine beträchtliche Fanbasis. Heute geht das so weit, dass die Fans Monate im Voraus Eintrittskarten für die halbjährlich stattfindenden Produktvorstellungen der Firma kaufen.

Genau eine solche Veranstaltung fand heute in London statt. Doch statt eines neuen Preisbrechers stellte das Unternehmen ein Highend-Handy vor, zu einem Highend-Preis von bis zu 829 Euro. So teuer ist jedenfalls unser Testgerät des OnePlus 7 Pro mit der Topausstattung: 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz für Apps, Musik, Fotos und Videos.

Innerhalb des OnePlus-Universums ist das ein stolzer Preis. Verglichen aber mit einem ähnlich ausgestatteten Galaxy S10+ ist es immer noch günstig, denn das Samsung-Modell kostet 1249 Euro, wenn auch mit 512 GB erweiterbarem Speicherplatz. Und erweiterbar ist beim OnePlus 7 Pro gar nichts.

Dafür aber ausfahrbar. Um nämlich den Bildschirm über die komplette Vorderseite des Geräts bauen zu können - ohne eine sogenannte Notch, also eine Aussparung für die Frontkamera - wurde eine ausfahrbare Kamera eingebaut. Die schiebt sich auf Knopfdruck sehr elegant und zügig oben aus dem Gehäuse. Weil so etwas in Smartphones heutzutage selten ist, kann man sich der Aufmerksamkeit umstehender Beobachter sicher sein.

Erkenne mich

Neben ihrer Funktion als Selfie-Cam, die sie mit 16-Megapixel-Auflösung gut erledigt, dient die ausfahrbare Kamera auch zum Entsperren des Handys per Gesichtserkennung. Unter idealen Umständen klappt das auch sehr gut, aber die Umstände sind eben nicht immer ideal. Im Test hat sich die Kamera sowohl von starkem Sonnenlicht als auch von unterschiedlichen Brillen verwirren lassen.

Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Ist immer ein Hingucker: Die ausfahrbare Frontkamera

Deutlich zuverlässiger war da der in den Bildschirm eingebaute Fingerabdrucksensor. Der sei gegenüber dem Sensor im Vorgängermodell 6T verbessert worden, heißt es von OnePlus. Wenn man den etwas zickigen Fingerabdrucksensor des Galaxy S10+ gewöhnt ist, ist das eine wahre Freude.

Ein Handy mit Hertz

Eine Freude ist auch der Bildschirm. OnePlus verwendet erstmals einen in das Gehäuse hineingebogenen Bildschirm. Ist das Display ausgeschaltet, kann man den Eindruck haben, Gehäuse und Display seien eins. Das wirkt edel und ist genau der Effekt, auf den auch Samsung bei seinen Premium-Smartphones setzt.

Mit einer Auflösung von 3120 x 1440 Pixeln kann der Bildschirm auch feine Details darstellen und verfügt wegen seiner Amoled-Technik über starke Kontraste. In der Bildschirmeinstellung "Lebendig" wirkt das etwas arg bunt, im Modus "Natürlich" dafür sehr realistisch.

Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, den Bildschirm mit einer Bildwiederholrate von 90 statt der üblichen 60 Hertz laufen zu lassen. In diesem Modus verbraucht das Display etwas mehr Strom, zeigt dafür Bewegungen aber auch etwas glatter an. Bemerkbar ist das zum Beispiel, wenn man durch lange Webseiten scrollt. Ob man bereit ist, für das bisschen Augenschmeichelei Akkulaufzeit zu opfern, ist Geschmackssache. Essenziell ist die hohe Bildrate nicht.

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Dasselbe gilt auch für den Prozessor. OnePlus baut hier das neueste 8-Kern-Modell von Qualcomm ein, den Snapdragon 855. Leistung hat der mehr als genug. Im Test macht sich das insofern bemerkbar, als man vom Prozessor eigentlich nichts merkt, er ist halt immer schnell genug.

Dazu passt gut, dass OnePlus einen sogenannten UFS-3.0-Speicher einbaut. Der ist deutlich schneller als frühere Speichermodule. Im Alltag bemerkt man das beispielsweise dadurch, dass Apps, vor allem große, irre schnell gestartet werden. Gefühlt gibt es oft überhaupt keine Verzögerung zwischen dem Tippen auf das App-Symbol und dem Erscheinen der geöffneten App auf dem Bildschirm.

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Für Spieler gibt es zudem einen "Fnatic" genannten Spielmodus, in dem fast alle Hintergrundprozesse abgeschaltet werden, um dem laufenden Spiel möglichst viel Leistung bereitzustellen.

Der belastet dann freilich auch den Akku ganz besonders. Im Alltag hingegen meistert das Gerät mit einer Akkuladung einen normalen Arbeitstag. Im Dauertest schaltete es sich nach knapp neun Stunden mit leerem Akku ab. Eine kabellose Ladeoption gibt es nicht, dafür ein dickes Netzteil. Das braucht allerdings zwei Stunden und zwanzig Minuten, um den Akku voll aufzuladen.

Knips mal

Matthias Kremp/ SPIEGEL ONLINE

Im Rücken des OnePlus 7 Pro steckt eine Dreifachkamera

Mit dem 7 Pro zieht OnePlus außerdem in der Kameratechnik nach und baut eine Dreifachkamera ein. Die Hauptkamera hat dabei einen 48-Megapixel-Sensor. Hier werden allerdings jeweils vier Pixel zu einem Bildpixel zusammengerechnet, sodass am Ende 12-Megapixel-Fotos herauskommen. Ähnlich wie bei vielen Konkurrenten wird diese Kamera von einem Ultraweitwinkel- und einem Teleobjektiv ergänzt.

Die resultierende Fotoqualität ist fast immer gut, manchmal auch sehr gut. Bei Aufnahmen mit dem Teleobjektiv wünscht man sich manchmal etwas mehr Schärfe, bei Ultraweitwinkelaufnahmen etwas mehr Dynamik. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Mit den Kameras, die beispielsweise in Samsungs Topsmartphones eingebaut sind, kann das OnePlus 7 Pro meist mithalten.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Gute Kameras

Sehr hohe Leistung

Vergleichsweise günstiger Preis

Speicher nicht erweiterbar

Keine kabellose Ladefunktion

Mit dem 7 Pro hat OnePlus zugleich gewonnen und verloren. Gewonnen, weil das Unternehmen mit dem neuen Modell ein Smartphone mit vielen Features aus dem Premiumsegment anbietet, dies aber zu einem etwas günstigeren Preis. Verloren, weil die als Preisbrecher gestartete Firma damit ihre Einzigartigkeit verliert: Aus teuren Komponenten teure Smartphones zu bauen, ist keine Kunst. Die besteht heute eher darin, günstige Handys zu entwickeln, die sich anfühlen, als müssten sie teurer sein. So wie Google es gerade mit dem Pixel 3a vorgemacht hat.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 10 Beiträge
Bowie 14.05.2019
1. Kameraspielzeug...
Auch die beste Handykamera wird bei Weitem nicht mit der Qualität einer durchschnittlichen Spiegelreflexkamera mithalten können, mögen sich die Marketingabteilungen dieser Welt noch so sehr mühen. Denn die reine Qualität [...]
Auch die beste Handykamera wird bei Weitem nicht mit der Qualität einer durchschnittlichen Spiegelreflexkamera mithalten können, mögen sich die Marketingabteilungen dieser Welt noch so sehr mühen. Denn die reine Qualität eines Bildes hängt neben der Anzahl der Pixel eben auch mit der Sensorfläche, Pixelgröße, der Qualität der Linsen, dem Glas, der Öffnung der Linsen etc. zusammen. Die optischen Gesetze der Physik lassen sich nicht austricksen, und jeder ernsthafte Fotograf wird das auch bestätigen; nicht umsonst laufen sie auch heute noch mit schwerer Ausrüstung herum... Insofern - als Schnappschuss-Werkzeug bei gutem Licht sind Handykameras okay, spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen gehen sie in die Knie, daran ändert sich so schnell nichts.
chk_23 14.05.2019
2.
Diese Erkenntnis, der ich mich voll und ganz anschließe, hat sich aber noch nicht herumgesprochen und wird sich wohl auch nie mehr herumsprechen. Selbst bei seltenen, manchmal einmaligen Ereignissen (Hochzeit, Taufe, [...]
Zitat von BowieAuch die beste Handykamera wird bei Weitem nicht mit der Qualität einer durchschnittlichen Spiegelreflexkamera mithalten können, mögen sich die Marketingabteilungen dieser Welt noch so sehr mühen. Denn die reine Qualität eines Bildes hängt neben der Anzahl der Pixel eben auch mit der Sensorfläche, Pixelgröße, der Qualität der Linsen, dem Glas, der Öffnung der Linsen etc. zusammen. Die optischen Gesetze der Physik lassen sich nicht austricksen, und jeder ernsthafte Fotograf wird das auch bestätigen; nicht umsonst laufen sie auch heute noch mit schwerer Ausrüstung herum... Insofern - als Schnappschuss-Werkzeug bei gutem Licht sind Handykameras okay, spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen gehen sie in die Knie, daran ändert sich so schnell nichts.
Diese Erkenntnis, der ich mich voll und ganz anschließe, hat sich aber noch nicht herumgesprochen und wird sich wohl auch nie mehr herumsprechen. Selbst bei seltenen, manchmal einmaligen Ereignissen (Hochzeit, Taufe, Einschulung, Geburtstage usw, usw.) sieht man nur noch "Händis". Es zählt nicht mehr die Qualität, nur noch die Quantität. Aber beim Musik-Konsum sieht es ja auch nicht anders aus. Komprimierte Klangqualität über Streamingdienste empfangen und an BT-Lautsprecher gesendet ..... Ohne Worte.
meimei 14.05.2019
3.
das hat doch nie jemand behauptet. Die guten Kamera-Smartphones haben aber seit ein paar Jahren eine Qualität erreicht, die nahezu allen Nutzergruppen für fast alles ausreicht. Und sie sind eben *im Moment* da und können [...]
Zitat von BowieAuch die beste Handykamera wird bei Weitem nicht mit der Qualität einer durchschnittlichen Spiegelreflexkamera mithalten können, mögen sich die Marketingabteilungen dieser Welt noch so sehr mühen. Denn die reine Qualität eines Bildes hängt neben der Anzahl der Pixel eben auch mit der Sensorfläche, Pixelgröße, der Qualität der Linsen, dem Glas, der Öffnung der Linsen etc. zusammen. Die optischen Gesetze der Physik lassen sich nicht austricksen, und jeder ernsthafte Fotograf wird das auch bestätigen; nicht umsonst laufen sie auch heute noch mit schwerer Ausrüstung herum... Insofern - als Schnappschuss-Werkzeug bei gutem Licht sind Handykameras okay, spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen gehen sie in die Knie, daran ändert sich so schnell nichts.
das hat doch nie jemand behauptet. Die guten Kamera-Smartphones haben aber seit ein paar Jahren eine Qualität erreicht, die nahezu allen Nutzergruppen für fast alles ausreicht. Und sie sind eben *im Moment* da und können ein Foto machen. Was nützt die große Spiegelreflex im Schrank daheim.
Newspeak 14.05.2019
4. ...
Die Qualitaet kann man doch leicht beurteilen. Eine ausfahrbare Kamera ist an sich eine schlechte Idee. Bewegliche Teile, die kaputt gehen koennen, Ritzen, in denen sich Staub festklemmt, oder ins Geraet gelangt, ein abstehendes [...]
Die Qualitaet kann man doch leicht beurteilen. Eine ausfahrbare Kamera ist an sich eine schlechte Idee. Bewegliche Teile, die kaputt gehen koennen, Ritzen, in denen sich Staub festklemmt, oder ins Geraet gelangt, ein abstehendes Teil, das sich zum Abbrechen nur so anbietet. Wer kommt auf solche Ideen? Und welchen echten Nutzen soll es haben? Waere die Kamera wenigstens rotierbar, man koennte ein Panorama inklusive Selfie aufnahmen, ohne sich selbst bewegen zu muessen. Ja, dann waere es vielleicht eine gute Idee. So nicht.
ddcoe 14.05.2019
5. Kamera wird überbewertet
Für inzwischen deutlich unter 100 Euro werden Kameras angeboten, die deutlich mehr können. Den riesigen Speicherplatz braucht auch keiner - Fotos, Videos und Musik sind aus der Cloud überall verfügbar. Also rechne ich 300? [...]
Für inzwischen deutlich unter 100 Euro werden Kameras angeboten, die deutlich mehr können. Den riesigen Speicherplatz braucht auch keiner - Fotos, Videos und Musik sind aus der Cloud überall verfügbar. Also rechne ich 300? für ein Handy, 100? für eine Kamera - damit bin ich bestens bedient.

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