Netzwelt

Samsung Galaxy Fold 5G im Test

Der Knick bleibt im Blick

Nach dem Desaster mit den ersten Testgeräten hat Samsung jetzt eine neue Version des Galaxy Fold auf den Markt gebracht. Nach einer Woche des Ausprobierens steht fest: Das kann was. Aber nicht alles.

Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Von
Dienstag, 29.10.2019   12:51 Uhr

Endlich ist das Samsung Falthandy lieferbar. Mit der ziemlich stillen Markteinführung vor ein paar Wochen endete eine monatelange - und für den Elektronikkonzern ziemlich peinliche - Wartezeit. Immerhin war das innovative Smartphone, das beim Aufklappen einen Bildschirm von gewaltigen 7,3 Zoll entfaltet, der Welt schon im Februar mit großem Brimborium präsentiert worden.

Eigentlich hatte es im Mai in den Läden stehen sollen. Dann aber stellten Journalisten bei den ersten Testgeräten eklatante technische Mängel fest, vor allem am Bildschirm.

Die sollen nun behoben sein. Und so habe ich nun eine gute Woche lang die überarbeitete Version des Samsung-Handys testen können. Verkauft wird es unter der Bezeichnung Galaxy Fold 5G, weil das überarbeitete Modell mit einem 5G-Chip bestückt ist, der ursprünglich nur bestimmten Modellen vorbehalten sein sollte. Ob man den angesichts des derzeit noch mageren 5G-Angebots in Deutschland braucht, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist, dass er das Gerät noch einmal teurer gemacht hat, bei Samsung steht es mit 2100 Euro in der Preisliste.

Dafür bekommt man freilich eine umfangreiche Ausstattung, zu der neben üppigen 512 Gigabyte Speicher auch die kabellosen Galaxy-Buds-Kopfhörer gehören, die man bei anderen Samsung-Smartphones für 149 Euro hinzukaufen muss.

Fotostrecke

Samsung Galaxy Fold 5G im Test: Klappen, Falten, Schmieren

Auch wenn ich beim ersten Ausprobieren der ersten Version des Galaxy Fold gedacht habe, dass mir die Falte in der Mitte des Bildschirms schon nach kurzer Zeit nicht mehr auffallen würde: Auch nach einer Woche Dauernutzung kann ich sie nicht ausblenden. Helle Hintergründe helfen, den Knick zu kaschieren. Beim Lesen auf SPIEGEL ONLINE beispielsweise fällt die Falz wirklich nicht auf. Sobald der Bildschirm dunkel wird, ist sie aber unübersehbar. Der stromsparende Dark Mode und düstere Filme sind insofern verräterisch.

Im Alltag brachte ich das Galaxy Fold bei normaler bei intensiver Nutzung nie an die Grenzen seine Akkukapazität. Als Extremtest ließ ich es einen Full-HD-Film bei voller Helligkeit in einer Endlosschleife abspielen. Mit seinen beiden Akkus hielt Samsungs Falt-Smartphone dabei fast zwölf Stunden durch, was ein guter Wert ist.

Wie viele Fenster hätten Sie denn gern?

Der eigentliche Mehrwert des großen Innen-Bildschirms ist schlicht und einfach, dass man damit mehr sieht. Verglichen mit anderen Smartphones macht damit so ziemlich alles mehr Spaß, ganz egal ob man im Web surft, Nachrichten liest, E-Mails schreibt oder Spiele spielt. Sogar beim Fotografieren zahlt sich das Plus an Bildschirmfläche aus. Es ist einfach so, als hätte man ein kleines Tablet in der Hand. Nur dass man es zusammenklappen kann.

Die einzige Schwäche ist das altbacken wirkende Seitenverhältnis von 4,2:3. Es hat zur Folge, dass Filme immer mit dicken schwarzen Balken angezeigt werden.

Die Möglichkeit, auf dem 7,3 Zoll großen Display bis zu drei Apps parallel zu nutzen, ist reine Zahlenschinderei. Während es gelegentlich sinnvoll sein mag, zwei Apps nebeneinander zu verwenden, etwa E-Mail und Kalender, werden die Fenster bei drei Apps zu klein, um damit noch etwas Sinnvolles anfangen zu können.

SPIEGEL ONLINE

Mit drei Apps wird es eng auf Samsungs Bildschirm

An der irrwitzigen Ansammlung von Kameras hat Samsung bei der überarbeiteten Version nichts geändert. Insgesamt sechs Kameras stecken im Galaxy Fold: Das Trio auf der Rückseite entspricht dem im Galaxy S10+, innen steckt eine 12-Megapixel-Kamera für Selfies, der ein 8-Megapixel-Tiefensensor für Unschärfeeffekte zur Seite steht. Dazu kommt eine weitere Selfie-Kamera mit 10 Megapixeln auf der Vorderseite.

Unabhängig von der Vielzahl der Linsen ist die Fotoqualität erwartbar gut, entspricht der des Galaxy S10+ und gehört zur Spitzenklasse. Die Detailschärfe und Farbwiedergabe meiner Testfotos war, zumindest bei Tagaufnahmen, hervorragend. Der derzeit hippe Nachtmodus konnte mich dagegen nicht so überzeugen, wie die entsprechenden Funktionen im Google Pixel 4 und iPhone 11.

Innen hui, außen pfui

Samsung liefert zwei dünne Schutzhüllen in Kevlaroptik mit, die man tunlichst montieren sollte, wenn man keine Lust hat, immer ein Putztuch mitzunehmen. Denn so edel die metallisch glänzenden Rückseiten der beiden Gehäusehälften auch sein mögen, so schmutzempfindlich sind sie auch. Bei normaler Nutzung sehen sie schnell so unansehnlich aus, dass man sie mit einem Putztuch bearbeiten oder wenigstens am Hosenaufschlag sauber reiben will.

Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ohne Schutz wird das Galaxy Fold 5G schnell schmuddelig

Dasselbe gilt im Übrigen auch für das 4,6 Zoll große Außendisplay. Der Faltbildschirm erwies sich bei mir als deutlich weniger anfällig für Fingerschmutz, obwohl ich intensiv darauf herumtippte. Das mag zum einen daran liegen, dass er im Geräteinneren gut geschützt ist, zum anderen an der Konstruktion aus Kunststoff.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Innovative Bauweise

Sehr gute Kameras

Gutes Innendisplay

Umfangreiche technische Ausstattung

Galaxy Buds im Lieferumfang

Sehr teuer

Falz bei dunklen Hintergründen sichtbar

Außenbildschirm sehr klein

In der nach dem Debakel vom Frühjahr überarbeiteten Version erfüllt Samsungs Galaxy Fold meine schon im Februar geäußerte Hoffnung, der Anfang einer neuen Generation von Smartphones zu sein. Das große Faltdisplay auf seiner Innenseite ist ähnlich faszinierend wie seinerzeit der Touchscreen im ersten iPhone. Man kann damit Dinge machen, die bisher mit einem Smartphone so nicht möglich waren. In erster Linie kann man es wie ein Tablet benutzen.

Und genau wie das iPhone könnte auch das Galaxy Fold einen neuen Trend definieren und Falthandys zum Mainstream machen. Damit das klappt, muss die Falttechnik aber noch verbessert werden, sodass man keine Falte mehr im Bildschirm sieht, und die Geräte müssen schlanker und leichter werden.

Vor allem aber müssen sich die Preise ändern. 2100 Euro für ein Smartphone auszugeben, lässt sich nicht mehr mit rationalen Argumenten begründen. Ein Galaxy Fold zu haben, ist cool, eines zu bezahlen, ist schmerzhaft.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Galaxy Fold stehe mit 2300 Euro in Samsungs Preisliste, es sind aber 2100 Euro. Wir haben den Fehler korrigiert.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
insgesamt 20 Beiträge
toll_er 29.10.2019
1. ach ja
2300 €, wer die übrig hat... kauft ruhig. Und 6 Kameras... ist klar, sind alles echte Fotoprofis, die die Möglichkeiten dieser Ansammlung auch wirklich nutzen (können). Cool soll es sein, so ein Ding , das nach dem Motto [...]
2300 €, wer die übrig hat... kauft ruhig. Und 6 Kameras... ist klar, sind alles echte Fotoprofis, die die Möglichkeiten dieser Ansammlung auch wirklich nutzen (können). Cool soll es sein, so ein Ding , das nach dem Motto "kannste knicken" hochgejubelt wird, zu besitzen. Samsung wird zum Statusobjekt! Da muss ich schon an meinem Dauergrinsen arbeiten, um nicht sonderlich aufzufallen. Neid wird bei nicht aufkommen. Und auch kein hämisches Grinsen darüber, dass jemand glaubt, das Ding wirklich zu brauchen. Kauft ruhig und habt Spaß damit.
PaulMeister 29.10.2019
2. Mehr Platz ist eine Illusion...
Bei Bild 6 steht: "Richtig gut wird das Fold erst, wenn man es aufklappt und damit seinen 7,3 Zoll großen Innenbildschirm freilegt, der mit 2152 x 1536 Pixeln eine zeitgemäße Auflösung, aber ein ungewöhnliches [...]
Bei Bild 6 steht: "Richtig gut wird das Fold erst, wenn man es aufklappt und damit seinen 7,3 Zoll großen Innenbildschirm freilegt, der mit 2152 x 1536 Pixeln eine zeitgemäße Auflösung, aber ein ungewöhnliches Seitenverhältnis von 4,2:3 bietet." Ich hab die gleiche SPON Seite auf einem iphone X geöffnet und sehe exakt den gleichen Inhalt ohne zu scrollen (Überschrift, Teaser, Author, Artikelbild und Bildunterschrift und Piktogramme). Genau das gleiche auch bei Bild 17. Außer das es auf dem Fold größer dargestellt ist, gibt es zumindest beim Betrachten von Webseiten keinen Mehrwert, zumindest nicht in Form von "mehr Website". Dafür sieht es im zugeklappten Zustand äußerst peinlich aus. Den einzigen sinnvollen Mehrwert stelle ich mir bei der gleichzeitigen Darstellung zweier Apps (Bspw. eine Mail schreiben und was aus einer anderen Mail - geht das unter Android überhaupt 2mal die gleiche App nebeneinander?) vor. Ich bin offen gegenüber neuen Konzepten, aber mit dem Seitenverhältnis wird das glaub ich nichts. Allerdings wüsste ich auch nicht, welches bessere Seitenverhältnis im aufgeklappte Zustand noch sinnvoll im zugeklappten Zustand sein sollte. Daher habe ich noch so meine Zweifel ob das Konzeptdas wirklich der große nächste Wurf ist, oder alsbald wieder in der Versenkung verschwindet, wie einst der Nokia Communikator. Schön aber, das Samsung offenbar doch einiges besser (Haltbarer) machen konnte, als in der ersten Version. Über ein Update nach ein paar Monaten Nutzung würde ich gern nochmal was hier lesen. 1 Woche ist ja jetzt nicht wirklich lang.
viatrix1 29.10.2019
3. Review
Danke Hr. Kremp für die objektive Bewertung des Geräts, das ich nun seit über einem Monat besitze. Diese sind nämlich insgesamt bei diesem Smartphone zur Seltenheit geworden; es gibt Kritikpunkte, natürlich, wie bei jedem [...]
Danke Hr. Kremp für die objektive Bewertung des Geräts, das ich nun seit über einem Monat besitze. Diese sind nämlich insgesamt bei diesem Smartphone zur Seltenheit geworden; es gibt Kritikpunkte, natürlich, wie bei jedem anderen Smartphone allerdings hat ein hoher Preis wenig mit der Leistungsfähigkeit zu tun. Wer bereit ist, den Preis zu bezahlen, bekommt ein Top-Smartphone, das mehr ist als die x-te Neuauflage des bekannten Designs. Kleine Anmerkung meinerseits noch, auch wenn es aufgrund der Höhe des Preises keine wirkliche Verbesserung darstellt: Kaufpreis auf der Hersteller-Website € 2.100, und auch um diesen Preis gekauft.
txtltchnk 29.10.2019
4. Kevlar-Optik?
Was bitteschön ist denn "Kevlar-Optik"? Kevlar ist eine Aramidfaser. Was der Autor meint, ist wahrscheinlich eher "Carbon-Optik". Die hier im Bild gezeigte Schutzhülle soll wahrscheinlich einen [...]
Was bitteschön ist denn "Kevlar-Optik"? Kevlar ist eine Aramidfaser. Was der Autor meint, ist wahrscheinlich eher "Carbon-Optik". Die hier im Bild gezeigte Schutzhülle soll wahrscheinlich einen faserverstärkten Kunststoff aus Kohlenstofffaser - im Speziellen ein Köpergewebe in Harz eingebettet - darstellen. Nur mal so...
theo# 29.10.2019
5. All in one?
Meine Lösung sieht so aus:Anstatt dem Fold 2 Geräte, zB ein S10+ und ein Tab4 (zum Filme schauen) von Samsung.
Meine Lösung sieht so aus:Anstatt dem Fold 2 Geräte, zB ein S10+ und ein Tab4 (zum Filme schauen) von Samsung.

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP