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So finden Sie die richtige Smartwatch für Sport und Workout

Moderne Smartwatches sind vollgestopft mit Sensoren und mit zahlreichen Apps kompatibel. So lassen sich die Geräte schnell zum Fitnesstracker umrüsten. Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten sollten.

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Von "c't"-Redakteur Stefan Porteck
Samstag, 11.05.2019   11:55 Uhr

Das Handy zum Laufen mitnehmen? Viel zu umständlich! Fitnesstracking, Musikwiedergabe und sogar das Bezahlen des Erfrischungsgetränks klappt auch einfacher - mit einer Smartwatch. Obendrein sehen die smarten Uhren auch deutlich besser aus als viele als Plastikarmband getarnte Fitnesstracker.

Dank der offenen Betriebssysteme lassen sich auf Smartwatches unzählige Fitness-Apps installieren. Anders als bei reinen Tracker-Armbändern oder speziellen Sportuhren ist man somit nicht auf einen einzelnen Hersteller oder Plattformanbieter angewiesen. Aber nicht jede Smartwatch ist für Sport geeignet, weshalb man vorm Kauf ein paar grundlegende Punkte beachten sollte.

Der wichtigste davon ist das eigene Smartphone: Wer ein iPhone besitzt, sollte zur Apple Watch greifen. Zwar lassen sich auch Uhren anderer Hersteller mit iPhones koppeln, doch im Vergleich zur Apple Watch funktioniert das Ganze eher recht als schlecht, weil iOS ihnen keinen besonders tiefen Zugriff aufs Handy erlaubt. Android-Nutzer haben dagegen eine viel größere Auswahl: Es lassen sich unzählige Uhren mit Betriebssystem Tizen von Samsung oder Wear OS von Google nutzen.

Samsung hat seine beiden Uhren-Modelle Gear Sport und Galaxy Sport besonders auf Fitness und Sport getrimmt. Sie zeichnen den Puls auf, erfassen körperliche Aktivität über ihre Beschleunigungssensoren und arbeiten sehr gut mit dem hauseigenen Fitnessportal Samsung Health zusammen. Darüber hinaus sind sie wasserdicht, sodass man sie auch beim Schwimmen oder Rudern tragen kann. Abgerundet wird das Paket von interaktiven Zifferblättern, die einen Überblick über und direkten Zugriff auf Trainingsdaten und Fortschritte bieten.

Unterm Zifferblatt

Die Smartwatches mit Wear OS nutzen überwiegend die Snapdragon-Architektur von Qualcomm. Doch obwohl es sich beim Chip (SoC) der meisten Uhren um einen Wear 2100 oder neuerdings um einen Wear 3100 handelt, unterscheiden sich die weiteren Hardware-Komponenten je nach Modell teilweise erheblich.

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Google Fit ist auf Uhren mit Wear OS vorinstalliert und soll vor allem Couchpotatoes motivieren.

Beim Kauf sollte man deshalb darauf achten, dass die gewünschte Uhr über einen optischen Pulsmesser verfügt, der beim Sport die Herzfrequenz überwacht. Wem der integrierte Sensor zu ungenau ist, der koppelt einfach über Bluetooth einen Brust- oder Oberarmgurt zur Pulsmessung. Das sollte nach unseren Erfahrungen mit allen Wear-OS-Uhren klappen.

Ebenfalls wünschenswert ist ein barometrischer Höhenmesser. Diesen braucht man, wenn die Trainingsaufzeichnungen auch die erreichten Höhenmeter enthalten soll. Bei vielen Uhren hilft dafür ein Blick ins Datenblatt. Falls der Hersteller mit technischen Informationen geizt, wird man bei Vergleichstests wie den unseren oder in Webforen meist fündig. Wünschenswert sind auch in die Uhr integrierte GPS-Sensoren. Mit einer derart ausgestatteten Uhr kann man beim Sport das Smartphone daheim lassen und muss trotzdem nicht auf den detaillierten Streckenverlauf in der Trainingsübersicht verzichten.

Beim internen Speicher unterscheiden sich die meisten Uhren leider kaum und verfügen üblicherweise nur über 4 GByte - nicht gerade üppig, falls man Songs auf der Uhr speichern möchte, um beim Sport über gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer Musik zu hören.

Gefunden in "c't"

Ein meist unterschätztes Ausstattungsmerkmal ist ein NFC-Chip, der das drahtlose Bezahlen mittels Google Pay ermöglicht. Er zählt wohl nicht zu den wichtigsten Features für Sportler, aber für einige Nutzer mag es praktisch sein, wenn man nach der Radtour oder dem Joggen unterwegs schnell noch ein kühles Getränk kaufen kann, ohne extra das Portemonnaie mitschleppen zu müssen.

Auch das Armband ist wichtig

Ein wichtiges Kriterium einer sporttauglichen Smartwatch erschließt sich erst auf den zweiten Blick: das Armband. Uhren mit Metallarmbändern sind meist so schwer, dass sie beim Joggen schon nach wenigen Metern anfangen zu nerven. Zudem führen manche Legierungen bei Kontakt mit Schweiß zu Verfärbungen am Handgelenk.

Armbänder aus Leder wiederum leiden unter Nässe und Schweiß, wodurch sie schnell brüchig und unansehnlich werden und sich deshalb nicht zum Schwimmen eignen. Die ideale Sport-Smartwatch sollte mit einem Silikonarmband ausgestattet sein. Im Idealfall greift man auf Uhren mit einem Standard-Steg von 16 bis 22 Millimeter Breite zurück, bei denen sich das Armband mit wenigen Handgriffen austauschen lässt.

So gerüstet kommen alle gängigen Uhren mit Schweiß, Spritzwasser und Regen gut zurecht. Wer Wassersport betreibt oder die Uhr beim Schwimmen tragen möchte, muss aber genauer Hinsehen. Die Angaben zur Wasserfestigkeit sind nach unseren Erfahrungen nicht einheitlich und nicht immer korrekt. Um Uhren, die mit "3 atm" ausgewiesen werden, sollte man einen Bogen machen. Zwar klingt es ausreichend, wenn die Uhr einem Wasserdruck von drei Atmosphären standhält, doch schon beim Strahlwasser in der Dusche treten höhere Druckspitzen auf, die Dichtungen der Uhren so sehr belasten, dass Wasser eintreten kann.

Als Mindestanforderung sollte man deshalb auf eine Kennzeichnung mit "5 atm" achten, was einem Druck von rund 5 bar entspricht. Doch selbst dann bleibt ein Restrisiko: Das vorbeiströmende Wasser bei Schwimmzügen führt ebenfalls zu besonders großen Druckspitzen. Will man die Uhr häufig oder überwiegend zum Schwimmen tragen, greift man am besten auf eine Uhr mit mindestens einer "10 atm"-Kennzeichnung oder eine laut Hersteller explizit zum Schwimmen und Tauchen geeignete Uhr zurück.

Viele Möglichkeiten bei der Software

Bei der Wahl der Software hat man bei den Uhren von Apple und Google reichlich Auswahl. Ob man sich nun für Endomondo, Runtastic, Strava oder MapMyFitnes entscheidet, ist letztlich eine Geschmacksfrage. Gegenüber dedizierten Fitnesstrackern bieten die Smartwatches somit den großen Vorteil, dass man sich nicht auf ein bestimmtes Ökosystem festlegen muss.

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Uhren mit optischem Pulsmesser helfen, das Training effizient zu gestalten.

Ein Nachteil der offenen Smartwatch-Architektur soll aber nicht unerwähnt bleiben: Letztlich handelt es sich bei ihnen um kleine Computer fürs Handgelenk. Damit geht ein größerer Leistungshunger einher als bei Fitnesstrackern. Schon bei normaler Nutzung halten die meisten Uhren nur mit Ach und Krach zwei Tage mit einer Akkuladung durch. Die meisten Nutzer legen sie deshalb jeden Abend auf die Ladeschale. Will man die Uhr aber nachts zum Schlaftracking nutzen, muss man sie zwischendurch tagsüber laden - nicht gerade komfortabel.

Grundsätzlich macht das Aufzeichnen von Trainings den schwachen Akkus sehr zu schaffen: Wer mit einer Smartwatch einen Marathon mit Streckenverlauf und regelmäßiger Herzfrequenzmessung trackt, muss sich darauf einstellen, dass der Akku danach nahezu leer ist oder zwischendurch schlappmacht.

Es ist deshalb lohnend, eine Uhr mit möglichst hoher Akkukapazität in die engere Wahl zu ziehen. Modelle mit großem Akku bringen es üblicherweise auf 400 mAh. Da die Kapazität eng mit der Größe der Uhr korreliert, muss man beides gegeneinander abwägen, falls man keine klobigen Uhren mag. Grundsätzlich sind Smartwatches in Sachen Laufzeit den echten Trackern aber stets unterlegen - sie punkten dafür mit großer Flexibilität und vielen weiteren Funktionen.

insgesamt 7 Beiträge
les2005 11.05.2019
1. GPS-Sensoren?
Das mag jetzt kleinlich klingen, aber GPS-Sensoren sind sprachlicher Nonsens. Es handelt sich um Empfänger, die ein Satelliten-Signal verabeiten können, nicht um Sensoren.
Das mag jetzt kleinlich klingen, aber GPS-Sensoren sind sprachlicher Nonsens. Es handelt sich um Empfänger, die ein Satelliten-Signal verabeiten können, nicht um Sensoren.
super-m 11.05.2019
2.
Oder einfach den ganzen teuren Müll sparen. Wer unbedingt Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum messen will, nimmt das Xiaomi Mi Band 3 für knapp 25?. Zusammen mit den gängigen Apps lässt sich jede Ausdauereinheit [...]
Oder einfach den ganzen teuren Müll sparen. Wer unbedingt Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum messen will, nimmt das Xiaomi Mi Band 3 für knapp 25?. Zusammen mit den gängigen Apps lässt sich jede Ausdauereinheit ausreichend aufzeichnen. Zum Abnehmen Kalorien tracken, Makros im Auge behalten (ungefähr 1,8-2g Protein/kg Körpergewicht, 60-90g Fett pro Tag, Restliche Kalorien mit Kohlenhydraten füllen). Tagesbedarf an Kilokalorien als Richtwert ausrechnen, sich daran orientieren und gegebenenfalls nach oben oder unten korrigieren. Die Werte der Fitnessuhren sind auch nur Richtwerte. Gespartes Geld in hochwertige Nahrungsmittel, Fitnessstudiomitgliedschaft oder eine schöne analoge Armbanduhr investieren. Fertig.
sauber! 11.05.2019
3. Interessant wäre auch gewesen,
etwas über das neue Feature der Blutdruckmessung einiger Smartwatches zu erfahren. Funktioniert das wirklich und wie sollte das vor sich gehen? @les2005: ja, es ist kleinlich. Dem normalen User ist es piepegal, ob man dieses [...]
etwas über das neue Feature der Blutdruckmessung einiger Smartwatches zu erfahren. Funktioniert das wirklich und wie sollte das vor sich gehen? @les2005: ja, es ist kleinlich. Dem normalen User ist es piepegal, ob man dieses Teil fälschlicherweise als GPS-Sensor bezeichnet, obwohl es ein GPS-Empfänger ist. Hauptsache die Standortbestimmung und Aufzeichnung der zurückgelegten Wegstrecke stimmt.
three-horses 11.05.2019
4. Kleine Empfehlung.
Eine sehr gute, mit echt guten GPS Tracker...die APP ist dann auch eine der Guten. Neben den allen der Standardfunktionen wird auch die Strecke eher genau auf der Karte angezeigt. Bei AliE für 20$, Versand nclusive. (W7 GPS [...]
Zitat von sauber!etwas über das neue Feature der Blutdruckmessung einiger Smartwatches zu erfahren. Funktioniert das wirklich und wie sollte das vor sich gehen? @les2005: ja, es ist kleinlich. Dem normalen User ist es piepegal, ob man dieses Teil fälschlicherweise als GPS-Sensor bezeichnet, obwohl es ein GPS-Empfänger ist. Hauptsache die Standortbestimmung und Aufzeichnung der zurückgelegten Wegstrecke stimmt.
Eine sehr gute, mit echt guten GPS Tracker...die APP ist dann auch eine der Guten. Neben den allen der Standardfunktionen wird auch die Strecke eher genau auf der Karte angezeigt. Bei AliE für 20$, Versand nclusive. (W7 GPS Smart Bracelet)
netfeed18 12.05.2019
5. Ambitionierte Sportler
sollten in jedem Fall auf Produkte von Garmin, Polar und Sounto zurückgreifen. Apple und Co sind lifestyle Produkte die eher dem eigenen Ego als der Fitness dienen ;-)
sollten in jedem Fall auf Produkte von Garmin, Polar und Sounto zurückgreifen. Apple und Co sind lifestyle Produkte die eher dem eigenen Ego als der Fitness dienen ;-)

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