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Canon EOS M3 im Test

Selfies mit Mimik-Kontrolle

Mit der EOS M3 will Canon den Wachstumsmarkt der spiegellosen Systemkameras erobern. Wir haben getestet, ob die kompakte Kamera das Zeug dazu hat.

Horst Gottfried
Von Horst Gottfried
Mittwoch, 13.05.2015   12:28 Uhr

Wer eine Spiegelreflexkamera (SLR) gewohnt ist, wird beim Auspacken der EOS M3 staunen, wie klein die neue Systemkamera von Canon ist. Umso mehr, als in dem 365 Gramm leichten Gehäuse fast alles drin steckt, was Canons große Spiegelreflexkameras erfolgreich gemacht hat. Dass sie so viel kleiner ist, liegt daran, dass sie ohne Spiegelmechanik und optischen Sucher daherkommt.

Das Herzstück der EOS M3 ist derselbe 24-Megapixel-Sensor, der auch in den SLR-Modellen EOS 750 und 760 zum Einsatz kommt. Er steckt in einem solide verarbeiteten Kunststoffgehäuse, dem ein gut ausgeformter, griffig gummierter Handgriff sicheren Halt gibt. Wie die Kamera genau aussieht, zeigt unsere Fotostrecke.

Die Bedienelemente liegen wie bei SLRs üblich griffgerecht für den rechten Daumen. Damit spricht die M3 auch ambitioniertere Fotografen an, die zum Beispiel den schnellen Zugriff auf die manuelle Belichtungskorrektur per Drehrad zu schätzen wissen.

Der Drehring für weitere Einstellungen auf der Rückseite fällt sehr filigran aus und dient zugleich als Schaltwippe. Die versenkt eingebaute Ein/Aus-Taste könnte besser erreichbar sein. Ergänzt werden die mechanischen Bedienelemente durch den Touchscreen, auf dem sich zahlreiche Funktionen aufrufen lassen.

Guter Autofokus mit kleinen Schwächen

Der sogenannte Hybrid-Autofokus der M3 nutzt einige Pixel des Fotochips für den Fokusabgleich. Angesichts der 24-Megapixel-Auflösung fallen die dadurch fehlenden Pixel im Bild nicht auf. Wie bei vielen Smartphones kann man den Fokus per Fingertipp auf den Bildschirm festlegen und so auch eine Aufnahme auslösen.

Insgesamt funktioniert der Autofokus der M3 deutlich schneller als bei den ersten EOS-M-Modellen. Das gilt vor allem bei Tageslicht. Mein Autofokus-Testmotiv - eine U-Bahn, die in einen mehr oder weniger schummrigen Bahnhof einfährt - meistert aber auch die EOS M3 nicht zuverlässig. Doch damit befindet sie sich in bester Gesellschaft auch mit größeren und teureren SLR-Kameras.

Das müssen Sie vor dem Kamerakauf wissen

Hat der Autofokus seine Arbeit getan, zeichnet die EOS M3 dank ihrer hohen Auflösung ein detailreiches Bild - in Schärfe, Farbe und Kontrast auf dem Niveau vergleichbarer SLRs. Auch wenn der ISO-Empfindlichkeitsbereich bis ISO 12.800 (erweiterbar sogar bis 25.600) reicht, empfiehlt es sich aus Gründen der Bildqualität, den Bereich der ISO-Automatik auf maximal ISO 3200 zu begrenzen. Höhere Werte haben ein stärkeres Bildrauschen und Detailverluste zur Folge.

Abwechslungsreiche Bildgestaltung

Für die Bildgestaltung bietet die EOS M3 neben automatischer Motiverkennung und -Programmwahl zahlreiche Einstellmöglichkeiten von rein manueller Aufnahmesteuerung bis hin zur HDR-Automatik und Freihand-Nachtaufnahmen. Dabei entsteht aus der Kombination mehrerer schneller Einzelbilder ein Foto mit ausgeglichenen Kontrasten oder weggerechneten Unschärfen. Mit dem "Kreativ-Assistenten" können auch vollautomatische Aufnahmen in Farbe, Kontrast und Schärfe variiert werden.

Bild-Effekte wie Ölgemälde, Aquarell, Miniatur oder Schwarzweiß lassen sich auch nachträglich auf Fotos anwenden. Diese Vorgehensweise ist auch empfehlenswert, da diese Spielereien ansonsten nur von einer bewussten Bildgestaltung ablenken.

Zur Bildkontrolle bietet die EOS M3 einen scharfen 7,5-cm-LCD-Monitor mit rund 345.000 RGB-Pixeln, der leider stark spiegelt. Der optionale Aufstecksucher erscheint deshalb als sinnvolles Zubehör. Der Monitor kann um bis zu 45 Grad nach unten und 180 Grad nach vorne geklappt werden. So kann man auch bei Selfies seine Mimik kontrollieren. Außer per USB und Speicherkarte lassen sich Bilder und Videos auch per WLAN aus der Kamera auslesen.

Fazit

Mit der EOS M3 liefert Canon eine konkurrenzfähige spiegellose Systemkamera, ohne jedoch - etwa mit 4K-Video - innovative Akzente zu setzen. Das Fotografieren mit der ebenso vielseitigen wie handlichen Kamera macht aufgrund der vielfältigen Funktionen und guter Bildqualität aber richtig Spaß.

Inklusive eines 18-55-Millimeter-Zoomobjektivs kostet die neue Canon knapp 750 Euro. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind begrenzt. Bisher gibt es nur vier direkt passende Objektive mit EF-M-Verschluss. Andere Objektive aus dem EOS-System lassen sich zwar per Adapter anschließen, machen die Kamera dann aber klobig und bremsen den Autofokus aus. Auf diesem Gebiet hat die Konkurrenz einen deutlichen Vorsprung.

Vorteile und Nachteile

Spiegelreflex-Bildqualität und -Funktionen

Kompakte, griffige Bauweise

Zahlreiche Bild-Effekte

Touchscreen-Monitor klappbar und Selfie-tauglich

WLAN mit NFC

Bislang nur vier angepasste Objektive

Ein/Aus-Taste schlecht bedienbar

Monitor spiegelt stark

Kein eingebauter Sucher

Technische Daten

Hersteller Canon
Modell EOS M3
Bildsensor 24,2 Megapixel
Empfindlichkeit ISO 100 – 12400, erweiterbar auf ISO 25600
Dateiformat JPEG, RAW, RAW+JPEG
HD-Video Full-HD
Autofokus Hybrid-AF, max. 49 Felder, Einzel-/Servo-AF, Gesichtserkennung
Belichtungsmessung Mehrfeld (384 Zonen), integral, selektiv, spot
Belichtungssteuerung Motivprogramme, Programm-, Blenden-, Zeitautomatik, manuell, Kontrastoptimierung, Belichtungskorrektur, Belichtungsreihen, Kreativ-Filter, Bildstile, Multishot-Modi (HDR, Freihand-Nachtaufnahmen)
Serienbilder max. 4,2 Bilder pro Sekunde
Monitor 7,5 Zentimeter, Touchscreen
Sucher optional
Schnittstellen HDMI, USB, ext. Mikrofon
Speichermedien SD/SDHC/SDXC
Sonstige Ausstattung Sensorreinigung, Funktionsspeicher, Blitz integriert, System-Blitzschuh, WLAN, NFC
Energieversorgung Ca. 250 Aufnahmen pro Akkuladung
Objektivanschluss EOS M-Bajonett
Maße 111 x 68 x 45 Millimeter
Gewicht 365 Gramm
Preis 750 Euro (inkl. Standardzoom)

Alle Daten sind Herstellerangaben

insgesamt 22 Beiträge
Sterbenswörtchen 13.05.2015
1. M3
Unter den Kameras ist die M3 immer noch eine Leica. Pennt die Rechtsabteilung bei LEICA? Wenn Toyota einen M3 brächte, würden in Ingolstadt die Messer gewetzt...
Unter den Kameras ist die M3 immer noch eine Leica. Pennt die Rechtsabteilung bei LEICA? Wenn Toyota einen M3 brächte, würden in Ingolstadt die Messer gewetzt...
uhrentoaster 13.05.2015
2. Neusprech
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem "Selfie" und einem "Selbstportrait"? Warum müssen die Medien jeden Mist nachmachen, anstatt eigene Wege zu gehen? Liegt es an dem Niveau der Redakteure oder [...]
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem "Selfie" und einem "Selbstportrait"? Warum müssen die Medien jeden Mist nachmachen, anstatt eigene Wege zu gehen? Liegt es an dem Niveau der Redakteure oder möchte man möglichst modern wirken?
rambleon 13.05.2015
3.
Wahrscheinlicher in München
Zitat von SterbenswörtchenUnter den Kameras ist die M3 immer noch eine Leica. Pennt die Rechtsabteilung bei LEICA? Wenn Toyota einen M3 brächte, würden in Ingolstadt die Messer gewetzt...
Wahrscheinlicher in München
vhn 13.05.2015
4. Canon und Nikon...
... haben den Anschluss im spiegellosen Bereich völlig verpasst . Die hier vorgestellte Kamera hat nichts Innovatives zu bieten im Vergleich zu anderen Herstellern. Kaufanreiz gleich Null. Bei Nikon das selbe. Mit der Nikon 1 [...]
... haben den Anschluss im spiegellosen Bereich völlig verpasst . Die hier vorgestellte Kamera hat nichts Innovatives zu bieten im Vergleich zu anderen Herstellern. Kaufanreiz gleich Null. Bei Nikon das selbe. Mit der Nikon 1 verfügt man über eine Nischenkamera mit (zu) kleinem Sensor. Bedenklich, was die Großen da machen. Die Vorteile der Spiegellosen gegenüber der SLR liegen auf der Hand (weniger Gewicht/Größe bei mehr Komfort). Der Markt für SLRs wird weiter schrumpfen. Sony, Fuji und Olympus liefern schon jetzt absolut überzeugende Systeme. Da habe ich perspektivisch um Canon und Nikon Angst. Es sei denn, die wollen nur noch an Profis verkaufen...
herr_forelle 13.05.2015
5. zu kurz gesprungen...
Warum sollte jemand diese Kamera kaufen? Eine Sony A6000 ist ihr funktional in nahezu jeder Hinsicht überlegen, sie hat einen integrierten Sucher und kostet weniger. Und das ist ein Auslaufmodell, das bald abgelöst wird... Man [...]
Warum sollte jemand diese Kamera kaufen? Eine Sony A6000 ist ihr funktional in nahezu jeder Hinsicht überlegen, sie hat einen integrierten Sucher und kostet weniger. Und das ist ein Auslaufmodell, das bald abgelöst wird... Man merkt der M3 doch überall an, dass Canon mit Spiegellosen die Erfahrung fehlt, zudem wirkt sie auch sehr halbherzig zusammengeschustert. Dazu kommt ein kaum vorhandenes Objektivangebot. Insgesamt kriegt man bei Sony E-Mount (jetzt Alpha, früher NEX) oder Fujifilm X deutlich mehr für sein Geld, ebenso bei den meisten Micro 4/3-Modellen von Olympus und Panasonic. Was die Bildqualität und die Sensorenentwicklung insgesamt angeht, hat Sony einen Vorsprung von mindestens einer ganzen Generation. Im SLR-Bereich sieht man das auch immer wieder in Vergleichen zwischen Canon und Nikon, letztere haben ja fast immer Sony-Sensoren. Canon erinnert zur Zeit irgendwie an VW im Jahr 1970. Zwar solide, aber letztlich veraltete Technik.

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Fototechnik-Fachbegriffe

Konrad Lischka

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Brennweite
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

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