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Spiel über Fake News

Lügen, hetzen, Gewinne einfahren

fakeittomakeitgame.com
Von
Freitag, 31.03.2017   16:22 Uhr

Wer besonders dreist die Wahrheit verdreht, wird belohnt: Das Browserspiel "Fake It To Make It" macht Nutzer zu fiktiven Produzenten von Fake News. Die Entwicklerin verfolgt damit ein klares Ziel.

Drama, Hass und Hetze sind die Zutaten, die bei "Fake It To Make It" zum Erfolg führen. Der Nutzer wird dabei in die Rolle eines Fake-News-Produzenten versetzt. Das einzige Ziel des Spielers ist es, mit Hilfe von gezielten Falschinformationen ein Geschäftsimperium aufzubauen. Dazu muss die Reichweite stimmen und möglichst viel Geld mit Online-Anzeigen verdient werden.

Bei besonders reißerischen Überschriften klingelt die Kasse: "Unser Bildungssystem FÄLLT AUSEINANDER!" wird eifrig geteilt, "Bringen EURE ÄRZTE euch in Gefahr?????" kommt auch gut an und die Botschaft "Politiker verschwenden Steuern und die Medien verschweigen es!" wird tausendfach geteilt.

Der Einstieg in das kostenlose Spiel ist simpel: Mit einer eigenen Domain und einem hübschen Website-Design steigt die Glaubwürdigkeit der Spiele-Website bereits zu Beginn. Dann gilt es, möglichst viele Texte der Konkurrenz zu kopieren und schließlich auch eigene Artikel zu basteln. Die Links werden in fiktiven sozialen Medien verbreitet, vor allem in Gruppen, die schon vorher gegen den Präsidenten gehetzt oder gegen reiche Promis gepoltert haben.

Wer mit polemischen Fake News die Leser erfolgreich aufwiegelt, wird mit Sprüchen angespornt wie: "Ja! Angst ist eine großartige Emotion, um die Nutzer dazu zu bringen, deine Artikel anzuschauen und zu teilen."

Wie eine Anleitung für Fake-News-Redakteure

Um mit den Artikeln möglichst viel Wut und Hass zu schüren, stehen dem Spieler einige fiese Bausteine zur Verfügung. Hetze gegen Mainstream-Medien und Parteien funktionieren immer gut. Außerdem hilft die Aufforderung an Leser, endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Artikel bitte häufig zu teilen. Um dem Text eine gewisse Glaubwürdigkeit zu verleihen, können Promis falsch zitiert, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen und Fakten verdreht werden. Wer dann noch auf Patriotismus und Erinnerungen an die gute alte Zeit setzt, der hat mit seinem Text schon fast gewonnen.

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Das HTML5-Spiel ist aufwändig programmiert. Man kann sogar den Browser schließen und die Partie später fortsetzen, da der Spielstand auf dem Rechner gespeichert wird. Doch vor allem fühlt sich das Spiel in diesen Zeiten erschreckend realistisch an und wirkt fast wie eine Anleitung für Fake-News-Redakteure.

Denn so übertrieben die Zutaten für die Lügentexte auf den ersten Blick wirken, leider sind genau solche Fake News auch in der Realität ein gravierendes Problem. Mit erfundenen Nachrichten können Betrüger viel Geld verdienen und selbst den US-Wahlkampf manipulieren. Die Falschmeldungen sind nur schwer aufzuhalten und mittlerweile müssen sich auch US-Unternehmen wie Google und Facebook überlegen, wie sie Fake News stoppen können.

Die Entwicklerin will wachrütteln

Doch das beklemmende Gefühl bei "Fake It To Make It" ist gewollt. Der Spieler soll bewusst in die Rolle eines Fake-News-Redakteurs gepresst werden. Die Entwicklerin Amanda Warner will damit Onlinenutzer aufklären und wachrütteln. Sie will nach eigenen Angaben die Leser dazu erziehen, nicht alle Überschriften zu glauben, die bei Facebook und Co. geteilt werden. "Ich glaube, es ist hilfreich zu verstehen, wie wir von anderen für Profit und Macht manipuliert werden", schreibt Warner auf der Website.

Sie verweist auf Websites wie "Factcheck.org" und schlägt vor, lieber noch einmal nach einem Thema zu googeln, bevor man den Aussagen einer unseriösen Quelle glaubt. "Ich hoffe, dass Spieler den Dingen in Zukunft skeptischer begegnen, wenn ihnen bewusst wird, wie und warum Fake News verfasst und verbreitet werden."

insgesamt 3 Beiträge
modemhamster 31.03.2017
1.
Hat der Springerverlag schon eine einstweilige Verfügung wegen Copyright-Verstoß erwirkt? Lesetipp zum Wochenende: Why Has Trust in Media Collapsed? Look at Actions of WSJ, Yahoo, Business Insider and Slate., Glen Greenwald, [...]
Hat der Springerverlag schon eine einstweilige Verfügung wegen Copyright-Verstoß erwirkt? Lesetipp zum Wochenende: Why Has Trust in Media Collapsed? Look at Actions of WSJ, Yahoo, Business Insider and Slate., Glen Greenwald, Intercept.
forumgehts? 31.03.2017
2.
Schon Pontius Pilatus fragte "Was ist Wahrheit?" Es ist anzunehmen, dass er schon damals mit seiner Erfahrung als Statthalter im Land der Teppichhändler und Märchenerzähler gar nichts glaubte, was man ihm so [...]
Schon Pontius Pilatus fragte "Was ist Wahrheit?" Es ist anzunehmen, dass er schon damals mit seiner Erfahrung als Statthalter im Land der Teppichhändler und Märchenerzähler gar nichts glaubte, was man ihm so erzählte. Und diese Einstellung ist bis zum heutigen Tag immer noch die beste. Ich möchte noch anmerken, dass Wut und Hass sehr anstrengende Gefühle sind, die man möglichst vermeiden sollte. Und hier hilft einem ein mittelalterlicher Ritter: Götz von Berlichingen.
gingermath 31.03.2017
3.
Geht mit guten Beispiel voran, Spiegel Online ... keine Überschriften, die am Ende des Artikels relativiert werden, Kommentare als solche markieren und Quellen bitte verlinken. Klappt zwar häufig, aber nicht immer ... aber wer [...]
Geht mit guten Beispiel voran, Spiegel Online ... keine Überschriften, die am Ende des Artikels relativiert werden, Kommentare als solche markieren und Quellen bitte verlinken. Klappt zwar häufig, aber nicht immer ... aber wer ist schon perfekt.

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