Netzwelt

Digitalisierung der Verwaltung

Die Bürgerämter bleiben noch länger analog

Bund, Länder und Kommunen wollen den Bürgern bis spätestens Ende 2022 Verwaltungsdienstleistungen digital anbieten. Doch selbst regierungsnahe Experten bezweifeln, dass der Zeitplan zu halten ist.

Wolfgang Kumm/DPA

"Einfach nicht zu schaffen" - Bürgeramt in Berlin

Montag, 27.05.2019   16:59 Uhr

Die geplante Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen wird wohl länger dauern als geplant: Experten sehen das Ziel 2022 gefährdet. Ein Grund dafür ist nach Angaben des "Handelsblatts" der Personalmangel. Von rund 40 zusätzlichen Stellen im Bundesinnenministerium sei erst eine besetzt. Deshalb arbeite das Ministerium mit externen Beratern unter anderem von McKinsey und KPMG zusammen.

"Wir sind noch nicht an dem Punkt, sagen zu können, dass das Ziel sicher erreicht wird", sagte Johannes Ludewig, Chef des Nationalen Normenkontrollrats, der Zeitung. Der Nationale Normenkontrollrat ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung.

Bund, Länder und Kommunen wollen den Bürgern bis spätestens Ende 2022 Verwaltungsdienstleistungen digital anbieten. Für viele Anliegen müssten die Menschen dann nicht mehr zum Bürgeramt, sondern könnten die Bürokratie vom Sofa aus erledigen. Die Bundesregierung will vorangehen und bis Ende 2020 ihre Verwaltungsdienstleistungen digitalisieren. Länder und Kommunen bekommen etwas länger Zeit.

Schallbruch: "Es ist einfach nicht zu schaffen"

Es stehe viel auf dem Spiel, sagte Ludewig mit Blick auf die zwischen Bund, Ländern und Kommunen vereinbarte Arbeitsteilung. "Die föderale Staatsform hat viele Vorteile, aber jetzt muss unter Beweis gestellt werden, dass die Aufgabenteilung der Leistungsfähigkeit nicht entgegensteht."

Den Berechnungen seines Gremiums zufolge könnten die deutschen Unternehmen jährlich eine Milliarde Euro einsparen, wenn auch nur die am meisten genutzten Verwaltungsdienstleistungen digital abrufbar wären. Die Behörden selbst würden fast viermal so viel einsparen können. Und den Bürgern blieben 84 Millionen Stunden pro Jahr auf den Ämtern erspart.

Ein anderer Experte zeigte sich noch skeptischer. Martin Schallbruch, stellvertretender Direktor des Digital Society Instituts der Berliner Managementhochschule ESMT und bis 2016 Abteilungsleiter für Informationstechnik im Bundesinnenministerium, sagte dem "Handelsblatt": "Es ist einfach nicht zu schaffen."

pbe/dpa

insgesamt 7 Beiträge
eaglereno 27.05.2019
1. Wenn Sie wissen wollen,
wie Digitalisierung funktioniert, sehen Sie mal in 51399 Burscheid nach. Besser und schneller geht's kaum.
wie Digitalisierung funktioniert, sehen Sie mal in 51399 Burscheid nach. Besser und schneller geht's kaum.
tom2strong 27.05.2019
2. Mangel an Willen und Kompetenz
Es geht. Aber man müsste wollen. Und man müsste wissen wie. Je nach Kompetenz der umsetzenden Ämter darf man eine kleine bis mittelgroße Gefahr für die Sicherheit der Bürgerdaten annehmen. Ein Fest für Hacker. Und welches [...]
Es geht. Aber man müsste wollen. Und man müsste wissen wie. Je nach Kompetenz der umsetzenden Ämter darf man eine kleine bis mittelgroße Gefahr für die Sicherheit der Bürgerdaten annehmen. Ein Fest für Hacker. Und welches Amt will schon gerne das erste sein das mit einer schlampigen Digitalisierung negativ auffällt. Und wenn man es richtig machen will (Sicherheit), fallen jetzt und in Zukunft laufend deutlich höhere Kosten an die neben den Personalkosten in den Ämtern auch erstmal gezahlt werden müssen.
hol 27.05.2019
3. Is Klar
Jedesmal wenn ein Sozi mal wieder Steuererhöhungen im Allgemeinen und Vermögenssteuern im Besonderen fordert kommt als Begründung es müsste mehr für Bildung und Infrastruktur ausgegeben werden. Und wo verschwindet die ganze [...]
Jedesmal wenn ein Sozi mal wieder Steuererhöhungen im Allgemeinen und Vermögenssteuern im Besonderen fordert kommt als Begründung es müsste mehr für Bildung und Infrastruktur ausgegeben werden. Und wo verschwindet die ganze Kohle? Bei der Mütterrente, der Respektsrente und der Frühverrentung. Es wundert mich überhaupt nicht, dass Digitalisierung und Breitband Internet nicht voran kommen. Das ist nur für junge Leute von Bedeutung und welcher Politiker interessiert sich schon für Minderheiten
zensurgegner2017 27.05.2019
4.
29 Jahre nach Windows 95 Das ist ein Halbes Menschenleben lang So lange kann man Merkel AKK, Seehofer Dobrint und Co gar nicht auspeitschen um das zu sühnen Wieviele Hundert Milliarden Wertschöpfung kostet so etwas [...]
29 Jahre nach Windows 95 Das ist ein Halbes Menschenleben lang So lange kann man Merkel AKK, Seehofer Dobrint und Co gar nicht auspeitschen um das zu sühnen Wieviele Hundert Milliarden Wertschöpfung kostet so etwas Wieviele Kinderschänder werden freigelassen, weil Beamte Akten schubsen müssen anstelle zu ermitteln Wieviele Straßen enden an Bundeslandgrenze oder werden nicht gebaut weil Akten verstauben Wieviele zehntausend Schüler haben miese Zukunftsaussichten da man deren Bildungschancen beschneidet Ich habe immer mehr das gefühl, dass die digitalen neandertaler in der Regierung genau das wollen Neandertal sein Damt es sich nicht rumspricht Shame on you
michionline 28.05.2019
5. Am 1.10. geht die Kfz-Zulassung digital,
dann ist schon Mal eine große Dienstleistung der Verwaltung ohne Besuch der Kfz-Zulassungsstelle möglich.
dann ist schon Mal eine große Dienstleistung der Verwaltung ohne Besuch der Kfz-Zulassungsstelle möglich.

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