Netzwelt

Streit über gelöschte Beiträge

Facebooks neues Aufsichtsorgan startet 2020

Eine unabhängige Anlaufstelle soll künftig bei Nutzerbeschwerden prüfen, ob Facebook-Beiträge zu Recht gelöscht worden sind. Kommendes Jahr soll das "Oversight Board" einsatzfähig sein.

Richard Drew / AP

Mittwoch, 18.09.2019   12:03 Uhr

Ein externes "Oversight Board" soll ab 2020 Facebooks Löschpraxis prüfen und gegebenenfalls korrigieren: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte die neue Kontrollstelle bereits vergangenen November angekündigt. Sie soll Facebook-Nutzern als unabhängige Anlaufstelle dienen, die mit Entscheidungen von Facebook-Moderatoren über die Löschung oder Nichtlöschung von Inhalten nicht einverstanden sind.

Der Konzern hat nun weitere Details zur Zusammensetzung und Arbeitsweise des "Oversight Board" bekannt gegeben. So will Facebook für die Stelle rund 40 Experten gewinnen, mit mindestens elf Personen soll es arbeitsfähig sein. Facebook kann sich als Mitglieder unter anderem Juristen, Verleger und Journalisten vorstellen. Sie sollten eine breite Palette an Wissen und Kompetenzen besitzen und keine Interessenkonflikte haben.

Die ersten Mitglieder sollen noch in diesem Jahr benannt werden. Anfang kommenden Jahres könnten dem Konzern zufolge die ersten Streitfälle behandelt werden, zumindest eine Person soll dabei aus jener Region kommen, in der der Streitfall spielt.

Für schwierige oder grundsätzliche Fälle gedacht

Die Entscheidungen sollen verbindlich sein, "selbst wenn ich oder irgendjemand sonst bei Facebook damit nicht einverstanden ist", schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Die einzige Ausnahme sei, wenn Facebook zu dem Schluss komme, dass man mit der Wiederherstellung der entfernten Inhalte Gesetze verletzen würde.

Entscheidungen des Gremiums sollen schnell umgesetzt werden und als Präzedenzfälle gelten. Das unabhängige Gremium ist insbesondere für schwierige oder grundsätzliche Fälle gedacht. Auch Facebook selbst kann dieses "Oversight Board" bitten, Entscheidungen des Unternehmens auf den Prüfstand zu stellen.

Die Mitglieder des Gremiums sollen für jeweils drei Jahre berufen werden, und das bis zu drei Mal. Für ihren Einsatz sollen sie finanziell entschädigt werden - aber nicht von Facebook direkt, sondern über einen Treuhandfonds. Während die ersten Mitglieder von Facebook selbst ausgesucht werden, sollen danach diese Mitglieder bei der Auswahl weiterer Kandidaten helfen.

sop/dpa

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