Netzwelt

Nach Cambridge-Analytica-Skandal

Facebook sperrte Zehntausende Apps

Facebook hat im Zuge der Untersuchungen zum Datenskandal um Cambridge Analytica Zehntausende Apps blockiert. Sie stammten von rund 400 Entwicklern.

Dado Ruvic/REUTERS

Facebook-Logo: Im Fokus

Samstag, 21.09.2019   09:02 Uhr

Facebook hat rund 69.000 Apps auf seiner Plattform blockiert. Das teilte das Unternehmen mit. Die Sperrungen erfolgten im Zuge der Untersuchungen zum Skandal um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica.

Unterlagen aus einem Gerichtsverfahren in Boston zeigen, dass Facebook die meisten Apps vorsorglich sperrte, ohne klären zu können, ob sie tatsächlich Nutzerdaten missbraucht haben. Insgesamt sind Apps von rund 400 Entwicklern betroffen.

Ein Großteil der Apps wurde demnach blockiert, weil ihre Entwickler bei der Untersuchung des Online-Netzwerks nicht kooperieren wollten und auf per E-Mail versandte Fragen nicht reagierten. Bei rund 10.000 Apps prüft Facebook, ob Regeln zum Umgang mit Daten der Nutzer verletzt wurden. Sie zeigten "Charakteristika, die mit höherem Risiko von Datenmissbrauch einhergehen". 6000 Anwendungen gerieten in den Fokus, weil sie von vielen Nutzern installiert wurden. Bei 2000 habe Facebook vertieft die Entwickler überprüft und bei weiteren 2000 schaute sich das Online-Netzwerk an, ob sie zu viele Nutzerinformationen abgefragt hätten.

Facebook hält laut "New York Times" Informationen unter Verschluss

Die Zahlen wurden im Zuge einer Untersuchung Facebooks durch die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Massachusetts bekannt. Ein Gericht lehnte den Antrag von Facebook ab, sie unter Verschluss zu halten. Die Staatsanwälte würden auch gern wissen, wer die betroffenen App-Entwickler sind, Facebook hält die Informationen nach Angaben der "New York Times" aber zurück.

Der Staatsanwaltschaft in Boston zufolge hatte Facebook bereits 2014 Entwicklern gestattet, mindestens neun Millionen Apps in das Netzwerk zu integrieren. Jahrelang sei erlaubt worden, Nutzerdaten zu sammeln, darunter Fotos, Beschäftigungsverhältnisse, Geburtsdaten und Likes - und zwar nicht nur von Personen, die die Apps installiert hatten, sondern auch von deren Facebook-Freunden.

Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Facebook rund zwei Millionen Apps identifiziert hat, die wegen möglichen Missbrauchs von Nutzerdaten genauer untersucht werden sollten. Facebook hat nach eigenen Angaben bislang Millionen von Apps kontrolliert.

Der Fall Cambridge Analytica brachte Facebook im Frühjahr 2018 massiv unter Druck. Daten von Facebook-Nutzern waren vom Entwickler einer Umfrage-App vor über fünf Jahren widerrechtlich an Cambridge Analytica weitergegeben worden. Mit den Informationen wurde versucht, die US-Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen, die Donald Trump gewann.

Aaron P. Bernstein/REUTERS

Mark Zuckerberg am 11. April 2018 bei seiner Aussage vor einem Kongressausschuss

Facebook wusste mindestens seit 2016 von dem Fall, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste deshalb vor dem Kongress aussagen. Die Untersuchung des Falls durch die US-Aufsichtsbehörde FTC führte zu einer Strafe von fünf Milliarden Dollar für Facebook.

ulz/dpa/AP

insgesamt 2 Beiträge
susuki 21.09.2019
1.
Wow, Facebook hat 400 Entwickler 5 Minuten Zeit geraubt... 5 Min dauert es die Applikations&Generator neu zu parameterisieren und neue Apps hochzuladen. Danke facebook
Wow, Facebook hat 400 Entwickler 5 Minuten Zeit geraubt... 5 Min dauert es die Applikations&Generator neu zu parameterisieren und neue Apps hochzuladen. Danke facebook
worlunteer 22.09.2019
2. Abhängig
Es ist schon erschreckend wieviele "Entwickler" sich in die Abhängigkeit von Facebook begeben. Die Plattform beackert mittlerweile jeden erdenklichen Markt, sperrt willkürlich die Teilnehmer, ändert die [...]
Es ist schon erschreckend wieviele "Entwickler" sich in die Abhängigkeit von Facebook begeben. Die Plattform beackert mittlerweile jeden erdenklichen Markt, sperrt willkürlich die Teilnehmer, ändert die Geschäftsbedingungen, lässt sich für Manipulation bezahlen, klassifiziert seine Nutzer. Man muss alles daran setzen, dass die Blockchain zu einem Erfolg wird, um diesen Monopolen etwas entgegensetzen zu können. Es gibt schon ganz gute Ansätze. Status beispielsweise ist ein vielversprechender DAPP-Browser. Langfristig muss die Zukunft dort liegen, wenn sie nicht bei Facebook, Google, Amazon liegen soll. Dennoch wird die US-Regierung alles daran setzen jegliche Form von Konkurrenz für ihre Konzerne auszuschalten. Nicht umsonst wurden diverse Altcoins vom Handel ausgeschlossen. Überleben werden nur jene Coins, an denen US-Unternehmen maßgeblich beteiligt sind. Vielleicht schafft Europa so den Absprung aus der Dollarabhängigkeit, wobei man dazu sagen muss, dass wir in dieser Beziehung noch sehr rückständig sind. So wie immer eigentlich.

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4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
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6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland

* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

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