Netzwelt

Falsche Angaben zu Videoabrufen

Facebook würde 40 Millionen Dollar an Werbekunden zahlen

Wie lange werden Werbevideos auf Facebook angeschaut? In Kalifornien warfen Anzeigenkunden dem Unternehmen vor, sie mit falschen Angaben getäuscht zu haben. Jetzt steht ein Vergleich im Raum.

Dado Ruvic/ REUTERS

Anzeigen zwischen Beiträgen zu Urlauben oder Katzen: Werbevideos auf Facebook beschäftigten ein Gericht in Oakland, Kalifornien

Dienstag, 08.10.2019   10:23 Uhr

Facebook ist Medienberichten zufolge bereit, im Rahmen eines Vergleichs 40 Millionen Dollar an Werbetreibende zu zahlen. Die hatten dem Unternehmen vorgeworfen, sie mit überhöhten Zahlen zur Anschaudauer von Werbevideos getäuscht zu haben. Ein Antrag auf Genehmigung des Vergleichs wurde am Freitag von den Klägern vor dem Bundesgericht im kalifornischen Oakland eingereicht. Dessen Richter Jeffrey S. White wird noch darüber entscheiden, ob das Vergleichsangebot dem Fall angemessen ist.

"Forbes" zitiert einen Facebook-Sprecher mit der Aussage, die Klage sei "unbegründet". Facebook glaube aber auch, dass die Lösung dieses Falles im besten Interesse des Unternehmens wie auch der Werbetreibenden sei.

Kommt es tatsächlich zu dem in Aussicht stehenden Vergleich, würde ein Großteil des Gelds an die Firmen gehen, die Videowerbezeit bei Facebook gekauft hätten, schreibt der"Hollywood Reporter". Rund zwölf Millionen Dollar seien aber auch für die Anwälte der Kläger vorgesehen.

Facebook spricht von einem Fehler

Die Werbetreibenden hatten Facebook 2016 verklagt. Dabei gibt es um Angaben des Netzwerks zu der Zeitspanne, die Nutzer mit dem Anschauen von Videowerbung verbringen. In der Klage hieß es, die Zeitangaben seien um bis zu 900 Prozent aufgeblasen worden. Das habe dazu beigetragen, die Werbetreibenden zu überzeugen, mehr Videowerbedienstleistungen von Facebook zu kaufen.

Facebook hatte seinerzeit öffentlich einen Fehler in seinen Berechnungen zur Werbevideo-Anschaudauer eingestanden, aber betont, dieser habe keine Folgen für die Abrechnung von Anzeigenbuchungen gehabt. Zudem sei der Fehler kurz nach seiner Entdeckung beseitigt worden. Behauptungen, Facebook habe schon mehr als ein Jahr zuvor von den Problemen gewusst und nichts getan, wies das Unternehmen zurück.

Auf Twitter äußerten sich am Montag mehrere US-Journalisten kritisch zum Thema. Sie verwiesen darauf, dass Facebooks falsche Zahlen neben Werbetreibenden auch auf Redaktionen und einzelne Journalisten Auswirkungen gehabt hätten. So fragte die Reporterin Jane Coaston, wie viel Geld jeder bekomme, der gefeuert worden sei, weil sein Arbeitgeber sich stärker auf Videos habe fokussieren wollen.

mbö

insgesamt 2 Beiträge
larsmach 08.10.2019
1. Das Schöne an Internetwerbung: Man kann DIREKT nachprüfen!
Das ist das Schöne an Werbung im Internet: Anders als bei Plakaten an Bushaltestellen oder Radio- und Fernsehwerbung lässt sich die Wirkung der teuer bezahlten Werbung auf einfachste Weise elektronisch ermitteln. Die [...]
Das ist das Schöne an Werbung im Internet: Anders als bei Plakaten an Bushaltestellen oder Radio- und Fernsehwerbung lässt sich die Wirkung der teuer bezahlten Werbung auf einfachste Weise elektronisch ermitteln. Die Werbevermarkter (also praktisch alle großen und kleinen Internetkonzerne mit diesem so überragenden Geschäftsmodell) sind selbst bislang erstaunlich unbehelligt geblieben. Vielleicht trägt der vorliegende Fall zu mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Kosten und Leistung bei.
Newspeak 08.10.2019
2. ....
Ich frage mich ja, ob überhaupt mal jemand empirisch nachgewiesen hat, dass Werbung nutzt? Manche Werbung schreckt vielleicht eher ab, weil sie nervt. Trotzdem wird anscheinend nie daran gezweifelt, es machen ja alle so, man [...]
Ich frage mich ja, ob überhaupt mal jemand empirisch nachgewiesen hat, dass Werbung nutzt? Manche Werbung schreckt vielleicht eher ab, weil sie nervt. Trotzdem wird anscheinend nie daran gezweifelt, es machen ja alle so, man traut naiv einem bereits mehrfach der Lüge überführten Unternehmen, usw.

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