Netzwelt

Datenklau

Spur des Politiker-Leaks führt zu 19-Jährigem in Heilbronn

Ein junger Mann aus Baden-Württemberg soll in Verbindung zu dem Hacker stehen, der private Daten von Hunderten Politikern veröffentlicht hat. Die Polizei befragte ihn, beschlagnahmte Geräte und durchsuchte seinen Müll.

imago/ Deutzmann

Polizeieinsatz (Symbolbild)

Montag, 07.01.2019   07:09 Uhr

In Zusammenhang mit der Datenklauaffäre, einem Angriff auf Daten von Politikern und Prominenten, haben Ermittler nach Informationen des Fernsehsenders ARD die Wohnung eines Mannes in Heilbronn durchsucht.

Der 19-Jährige arbeite im IT-Bereich und werde derzeit als Zeuge in den Verfahren geführt, meldeten das ARD-Politikmagazin Kontraste und das rbb-Inforadio am Montag. Der junge Mann bestätigte die Razzia laut "Kontraste". Er sei "über mehrere Stunden befragt worden", sagte er demnach.

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) hatten dem Bericht zufolge am Sonntagmorgen die Wohnräume und den Hausmüll des Mannes durchsucht und technische Geräte beschlagnahmt. Der 19-Jährige stand nach eigener Aussage in Kontakt mit dem Hacker, der für den Datendiebstahl verantwortlich sein soll.

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass ein Hacker über ein Twitter-Konto im Dezember massenweise persönliche Daten veröffentlicht hat, darunter Handynummern und private Chat-Protokolle. Hunderte Politiker sind betroffen. Auch Daten von Schauspielern, Musikern und Journalisten wurden veröffentlicht (mehr dazu lesen Sie hier).

Im Video: Analyse zu Hackerangriff

Foto: SPIEGEL ONLINE

Nun steht die Aufklärung an - und die geht vielen zu langsam beziehungsweise ist vielen zu chaotisch. Die Kritik trifft dabei nicht nur Seehofer, der als Innenminister politisch zuständig ist, sondern auch den Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, dessen Behörde sich widersprüchlich zu dem Fall geäußert hatte.

Am Montagnachmittag will sich Innenminister Horst Seehofer (CSU) mit Schönbohm und dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, in der Angelegenheit beraten. Die Öffentlichkeit wolle Seehofer dann in den kommenden Tagen mit allen "belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen informieren". Zuvor hatte es Kritik am Umgang der Schönbohm-Behörde BSI an teils widersprüchlichen Aussagen zu dem Datendiebstahl gegeben.

SPIEGEL ONLINE berichtet ausführlich über die Hackerangriffe gegen Politiker und Personen des öffentlichen Lebens. Mit Details aus den Datendiebstählen gehen wir allerdings zurückhaltend und vorsichtig um. Privatadressen, Telefonnummern oder weitere Informationen, an denen nach jetzigem Kenntnisstand kein öffentliches Interesse besteht, veröffentlichen wir nicht.

cht/dpa/AFP

insgesamt 62 Beiträge
ciconia_nigra 07.01.2019
1.
Weil er Kontakt hatte, wird seine Bude auf links gedreht und sein Eigentum beschlagnahmt? Das sind ja Methoden wie damals im Osten... Und wie ich hiesige Gerichte kenne, wird dann auch kein Beweisverwertungsverbot verhängt [...]
Weil er Kontakt hatte, wird seine Bude auf links gedreht und sein Eigentum beschlagnahmt? Das sind ja Methoden wie damals im Osten... Und wie ich hiesige Gerichte kenne, wird dann auch kein Beweisverwertungsverbot verhängt für den 'Beifang'.
fatherted98 07.01.2019
2. Erstaunlich...
....mit welchen Aktionismus einem Hacker nachgejagt wird, der ein paar wirklich unwichtige Daten von Bundestagsabgeordneten veröffentlicht hat. Wenn Bankdaten oder Zugänge von Bürger millionenfach gehackt werden, kommt aus [...]
....mit welchen Aktionismus einem Hacker nachgejagt wird, der ein paar wirklich unwichtige Daten von Bundestagsabgeordneten veröffentlicht hat. Wenn Bankdaten oder Zugänge von Bürger millionenfach gehackt werden, kommt aus Berlin meist nur Achselzucken. Wieder mal ein Beweis dafür wie sehr der Bürger dem Politiker "am Herzen liegt"....
njäh 07.01.2019
3. Bin gespannt, wie das ausgeht
Es wäre nicht das Erste mal, dass die jemanden hopsnehmen, der dann ggf. nur eine TOR-Exit-Node betreibt oder einen Freifunk-Accesspoint bei sich in der Bude stehen hat. Wer solch linksextremen subversiven Hackertätigkeiten [...]
Es wäre nicht das Erste mal, dass die jemanden hopsnehmen, der dann ggf. nur eine TOR-Exit-Node betreibt oder einen Freifunk-Accesspoint bei sich in der Bude stehen hat. Wer solch linksextremen subversiven Hackertätigkeiten nachgeht, muss sich ja nicht wundern für die Inkompetenz des seit Jahren unionsgeführten Innenministeriums bestraft zu werden - und wenn die Strafe nur die Hausdurchsuchung ist; eine Rehabilitation ist ja auch nicht zu erwarten.
niederrheiner123 07.01.2019
4. Nicht nur der Täter bleibt unklar
Die Polizei geht also mit Durchsuchungsbeschluss gegen einen Zeugen (also Unverdächtigen) vor und Beschlagnahmt Gegenstände aus seiner Wohnung. Sehr glaubwürdig... Meiner Ansicht nach wird hier viel zu schnell von [...]
Die Polizei geht also mit Durchsuchungsbeschluss gegen einen Zeugen (also Unverdächtigen) vor und Beschlagnahmt Gegenstände aus seiner Wohnung. Sehr glaubwürdig... Meiner Ansicht nach wird hier viel zu schnell von Datendiebstahl gesprochen. Ich möchte den Sachverhalt keineswegs beschönigen aber bisher ist nicht dargelegt worden, ob die veröffentlichten Informationen tatsächlich aus gehackten Konten stammen oder ob da nur eifrig jemand gesammelt und zusammengetragen hat, was unsere VIPs so an ich zugänglichen Stellen im Netz hinterlassen haben. Mit entsprechender Software heute auch kein Hexenwerk mehr... Aber vermutlich ist der Gedanke zu abwegig, mündigen Politikern zu erklären, dass vielleicht gar keine Straftat vorliegt und sie lieber umsichtiger mit persönlichen Daten umzugehen.
mathmag 07.01.2019
5. Wieso sollten sich Zeugen eigentlich melden?
Weil sie meinen, bei der Aufklärung zu helfen? Na, da machen wir doch erstmal eine Hausdurchsuchung und sacken die ganze Technik ein. Und "die Spur führt"? Nein, der hat selber über Twitter darauf aufmerksam gemacht. [...]
Weil sie meinen, bei der Aufklärung zu helfen? Na, da machen wir doch erstmal eine Hausdurchsuchung und sacken die ganze Technik ein. Und "die Spur führt"? Nein, der hat selber über Twitter darauf aufmerksam gemacht. Das war kein toller Fahndungserfolg sondern reiner Aktionismus. So wie nach strengeren Gesetzen und mehr Befugnissen gerufen wurde, obwohl noch gar keine Hintergründe aufgeklärt wurden. Apropos Zeugen und Hausdurchsuchungen, hier noch ein paar Schmankerl: https://netzpolitik.org/2018/zwiebelfreunde-durchsuchungen-wenn-zeugen-wie-straftaeter-behandelt-werden/ https://www.abendblatt.de/hamburg/article214132847/Blogger-berichtete-vom-Doppelmord-Hausdurchsuchung.html

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