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Gesundheit von Julian Assange

Uno-Sonderberichterstatter spricht von "psychologischer Folter"

Wie geht es Julian Assange, der in Großbritannien im Gefängnis sitzt? Ein Uno-Sonderberichterstatter, der Assange Mitte Mai traf, beschreibt dessen Zustand - und warnt vor einer Auslieferung in die USA.

Henry Nicholls / REUTERS

Julian Assange bei einem Gerichtstermin am 1. Mai 2019

Freitag, 31.05.2019   13:38 Uhr

WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist nach Ansicht eines Uno-Sonderberichterstatters über Jahre hinweg "psychologischer Folter" ausgesetzt worden. Assange weise alle entsprechenden Symptome auf, "dazu gehören extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma", sagte Nils Melzer, Sonderberichterstatter zum Thema Folter laut einer Mitteilung vom Freitag. "Es ist offensichtlich, dass die Gesundheit von Herrn Assange ernsthaft durch das extrem feindselige und willkürliche Umfeld der vergangenen Jahre beeinträchtigt wurde."

Melzer, ein Schweizer, hatte Assange am 9. Mai gemeinsam mit Medizinern in einem Gefängnis in London besucht. Assange ist in Großbritannien wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt worden.

Assange befinde sich nicht in Einzelhaft, heißt es von Melzer. Der Sonderberichterstatter befürchtet laut der Mitteilung aber, dass der WikiLeaks-Gründer sich nicht gut genug auf die komplexen rechtlichen Auseinandersetzungen vorbereiten könne, die ihm bevorstehen - unter anderem wegen der begrenzten Zahl und der begrenzten Dauer von Anwaltsbesuchen.

Sieben Jahre lang in der Botschaft

Assange war am 11. April von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land das politische Asyl aufgehoben hatte. Er war 2012 in die diplomatische Vertretung geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor.

Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor und haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt - Nils Melzer warnt ausdrücklich vor einer solchen Auslieferung, da er Assanges Menschenrechte in den USA in Gefahr sieht.

Julian Assange wird unter anderem vorgeworfen, sich mit Chelsea Manning verbündet zu haben, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte WikiLeaks 2010 Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen.

In Schweden hatte die Staatsanwaltschaft im Mai 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin einer von zwei Frauen, die Assange beschuldigt hatten, hat aber die Wiederaufnahme beantragt. Inzwischen hat die schwedische Staatsanwaltschaft einen neuen Haftbefehl gegen den 47-Jährigen beantragt.

"Dramatisch an Gewicht verloren"

Von WikiLeaks hatte es am Donnerstag geheißen, Assange habe im Gefängnis "dramatisch an Gewicht verloren". Er sei auf die Krankenstation der Haftanstalt verlegt worden. Wegen des Gesundheitszustands des Australiers wurde am Donnerstag auch eine Gerichtsanhörung zum Auslieferungsgesuch der USA auf Juni vertagt.

Von Nils Melzer heißt es zum Schluss der Mitteilung, "in 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung" habe er noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um eine einzelne Person so lange und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen. "Die kollektive Verfolgung von Julian Assange muss hier und jetzt enden!"

mbö/dpa/Reuters

insgesamt 65 Beiträge
ktomy69 31.05.2019
1. Mir fehlen einfach die Worte
Die USA ist für mich unten durch. Und warum Schweden, erst eine Anklage fallen lässt und dann wieder aufnimmt, obwohl sich nichts geändert hat und keine neuen Erkenntnisse zu den Missbrauchsvorwürfen vorliegen, find ich [...]
Die USA ist für mich unten durch. Und warum Schweden, erst eine Anklage fallen lässt und dann wieder aufnimmt, obwohl sich nichts geändert hat und keine neuen Erkenntnisse zu den Missbrauchsvorwürfen vorliegen, find ich beschämend für den schwedischen Rechtsstaat.
benot 31.05.2019
2. Lesart
"Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor und haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt" --- Den USA werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, wie auch die Begnadigung der [...]
"Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor und haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt" --- Den USA werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, wie auch die Begnadigung der Täter. Anklage wird keine erhoben.
Sepp Hinterseer 31.05.2019
3. Schon arm
Ohne ihn wüssten wir z.B. nichts von vielen Kriegsverbrechen der USA, beispielsweise ist durch Wikileaks der Beschuss von Zivilisten aus Helikoptern mit 30mm-Munition gut belegt (mit Videomaterial). Statt Dank und Schutz für [...]
Ohne ihn wüssten wir z.B. nichts von vielen Kriegsverbrechen der USA, beispielsweise ist durch Wikileaks der Beschuss von Zivilisten aus Helikoptern mit 30mm-Munition gut belegt (mit Videomaterial). Statt Dank und Schutz für so viel Zivilcourage zu erhalten, beispielsweise aus Deutschland das weltweit als Leuchtturm der Demokratie gesehen wird, schaut unsere Regierung wieder einmal einfach weg. Dabei gilt das im Grundgesetz garantiere Recht auf Asyl speziell auch für politisch Verfolgte wie Herrn Assange.
HuFu 31.05.2019
4. Ganz nach Comical-Ali?
So von wegen "Wir, die Amerikaner haben nie was Böses getan und die Anderen sind die Verschwörungstheoretiker und alles ist ne Lüge"? Really? Und wenn ja, warum will man für die 2 den "Galgen", wenn es [...]
So von wegen "Wir, die Amerikaner haben nie was Böses getan und die Anderen sind die Verschwörungstheoretiker und alles ist ne Lüge"? Really? Und wenn ja, warum will man für die 2 den "Galgen", wenn es doch eh alles nicht der Wahrheit entspricht und alles nur wilde Verschwörungen sind... Für mich klingen die erneuten Vorwürfe gerade von Schweden mehr als logisch nachvollziehbar....wenn man schon nicht direkt rankommt, dann über Umwege?
aliof 31.05.2019
5. Manche Menschen sind wohl gleicher als Andere
.. leider auch bei SPON .. wenn es um Assange geht. Selbstverständlich soll und muß auch er allen legitimen Schutz vor Auslieferung an die USA erhalten. – Aber auch da lieferte Herr A. der Welt (sogar meiner Kenntnis nach) [...]
.. leider auch bei SPON .. wenn es um Assange geht. Selbstverständlich soll und muß auch er allen legitimen Schutz vor Auslieferung an die USA erhalten. – Aber auch da lieferte Herr A. der Welt (sogar meiner Kenntnis nach) nicht nur saubere Arbeit, denke ich an seine Beteiligung an Trumps Wahlerfolg in 2016. Aber sorry, in dem Punkt Vergewaltigung, vor deren Untersuchung sich der Herr seit Jahren drückt, verstehe ich definitiv keinen Spaß. Und es würde meiner Ansicht nach gerade auch SPON gut anstehen, diesen Aspekt nicht systematisch abzublocken.

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