Netzwelt

Künstliche Intelligenz

KI-Überwachung soll noch in diesem Jahr starten - mit acht Stellen

Die Bundesregierung plant ein "KI-Observatorium", das Anwendungen von künstlicher Intelligenz überprüfen soll. Bis es wie ein TÜV funktioniert, wird es aber dauern - auch weil der Aufbau langwierig sein wird.

Ben STANSALL/AFP

Prost Mahlzeit, KI übernimmt Jobs von Menschen. Der Makr Shakr etwa ist ein Cocktail-Roboter und wird in der Ausstellung "AI: More than Human" gezeigt

Von
Dienstag, 12.11.2019   16:02 Uhr

Im Börsenhandel, in der Produktion, der Logistik und vielen anderen Wirtschaftsbereichen sind Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) längst im Einsatz - und ständig kommen weitere hinzu. Welche Folgen das für Arbeit und Gesellschaft hat, soll ein "KI-Observatorium" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) untersuchen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") nun zuerst schrieb, soll es noch dieses Jahr seine Arbeit aufnehmen und Anfang 2020 offiziell von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgestellt werden.

Angekündigt wurde die Einrichtung des Observatoriums bereits vor einem Jahr, als eine der Maßnahmen der "nationalen KI-Strategie" der Bundesregierung. Nach SPIEGEL-Informationen werden dafür zunächst rund acht Stellen geschaffen, und zwar in der Denkfabrik "Digitale Arbeitsgesellschaft" im BMAS.

Hörtipp: Erklär-Podcast zum Thema KI

Der "KI-TÜV" ist noch weit weg

Verbote von "ethisch nicht vertretbaren Anwendungen", wie die "SZ" schreibt, werden dort zunächst nicht ausgesprochen. Bevor das Observatorium wie ein "KI-Tüv" arbeiten kann, wie es angedacht ist, muss es erst regulatorische Fragen beantworten.

So soll das Observatorium zwar vorrangig KI-Anwendungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben unter die Lupe nehmen, nicht zuletzt im Einzelhandel sowie im Banken-, Kredit- und Finanzwesen. Aber unter welchen Bedingungen es überhaupt möglich wäre, derartige proprietäre Anwendungen isoliert zu analysieren und zu bewerten, muss die Einrichtung erst noch ausarbeiten, heißt es aus dem Ministerium.

Die Analyse konkreter Anwendungen wird möglicherweise auch erst beginnen, wenn das Observatorium von einem noch zu schaffenden "Bundesinstitut für KI als zentrale Klassifizierungs- und Zertifizierungsinstanz" ersetzt wird, von dem im Ministerium die Rede ist.

Die deutsche Einrichtung soll nicht die einzige ihrer Art werden. Die SZ schreibt, es solle "enge Abstimmung mit Europäischer Kommission und OECD" geben. Gespräche darüber laufen bereits, wie der SPIEGEL erfuhr. Ziel ist es, ein europaweites Netz von KI-Bewertungsstellen aufzubauen.

Das Netz hat Fragen: Ist künstliche Intelligenz die größte Bedrohung für die Menschheit?

insgesamt 16 Beiträge
ThomasSturm 12.11.2019
1. Wo kann ich mich bewerben?
Liebes Bundesamt für KI-Observation, ich bin seit mehr als 20 Jahren Programmierer und hab' auch schon mit so'nem KI-zeug rumgebastelt. Nun habe ich gehört, das ihr demnächst zig Millionen an Steuergeldern hinterhergeworfen [...]
Liebes Bundesamt für KI-Observation, ich bin seit mehr als 20 Jahren Programmierer und hab' auch schon mit so'nem KI-zeug rumgebastelt. Nun habe ich gehört, das ihr demnächst zig Millionen an Steuergeldern hinterhergeworfen bekommt, ohne dafür jemals etwas brauchbares liefern zu müssen. Dabei würde ich Euch gerne tatkräftig unterstützen...leider habe ich die De-Mail und die PKW-Maut verpasst, habe mir aber schon damals vorgenommen, das nächste staatliche Gaga-Projekt unbedingt mitzunehmen...
uppsala 12.11.2019
2. Keine Ahnung, aber ganz viele Bedenken
So sieht ganz konkret der politische Aktionismus heutzutage aus, der Deutschland in den Sonntagsreden zur digitalen Weltspitze führen soll. Keine Ahnung vom Thema und dementsprechend keine Vorstellung, was der "KI-TÜV" [...]
So sieht ganz konkret der politische Aktionismus heutzutage aus, der Deutschland in den Sonntagsreden zur digitalen Weltspitze führen soll. Keine Ahnung vom Thema und dementsprechend keine Vorstellung, was der "KI-TÜV" im Detail überhaupt machen soll. Stattdessen nur wolkiges Blabla aus maximaler Flughöhe und schöne Labels, die der Öffentlichkeit suggerieren sollen, die Politik hätte einen Plan von irgendwas. Die Krönung wäre nun noch, wenn von den 8 Stellen nur eine Minderheit mit Experten besetzt würde, und der Rest für Soziologen, Philosophen und andere Berufsbedenkenträger frei von Sachverstand ausgeschrieben würde. Das alte Vorturteil, dass anderswo Firmen gegründet werden und in Deutschland Ethikkommissionen, wird leider immer wieder auf's Neue durch die Realität bestätigt.
AbtrünnigerSozialdemokrat 12.11.2019
3.
Bei einem Wirtschaftszweig könnten deutsche Unternehmen mit den Amerikanern aufhohlen, was Arbeitsplätze und Steuereinnahmen schaffen könnte ... und als Erstes wird ihnen eine Inquisitions-NGO vorgesetzt, deren Bürokratie sich [...]
Bei einem Wirtschaftszweig könnten deutsche Unternehmen mit den Amerikanern aufhohlen, was Arbeitsplätze und Steuereinnahmen schaffen könnte ... und als Erstes wird ihnen eine Inquisitions-NGO vorgesetzt, deren Bürokratie sich nur Amerikaner leisten können. Die Bundesregierung sollte lieber erst mal Steuerschlupflöcher stopfen.
KlausSeibel 12.11.2019
4. Gespannt
Da bin ich aber sehr gespannt, wie die Bundesregierung die KIs von Amazon, Google und Co überwachen will. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Unternehmen, ihre Geheimnisse offenlegen. Das wird dann bloß ein neues Spielfeld, [...]
Da bin ich aber sehr gespannt, wie die Bundesregierung die KIs von Amazon, Google und Co überwachen will. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Unternehmen, ihre Geheimnisse offenlegen. Das wird dann bloß ein neues Spielfeld, auf dem die Bundesregierung beweisen kann, dass sie gegen die großen IT-Konzerne aus dem USA ein zahnloser Tiger ist. Aber vielleicht beschränkt sie sich ja auf KIs aus Deutschland. Dann reichen auch die acht Leute.
Ringmodulation 12.11.2019
5. Bis es wie ein TÜV funktioniert
Und WIE ein TÜV funktioniert, wissen wir seit dem PIP-Skandal: Geprüft wird nur auf dem Papier, Kontrollen vorher angekündigt. Und wenn ein Staudamm bricht, waren's die Brasilianer selbst.
Und WIE ein TÜV funktioniert, wissen wir seit dem PIP-Skandal: Geprüft wird nur auf dem Papier, Kontrollen vorher angekündigt. Und wenn ein Staudamm bricht, waren's die Brasilianer selbst.
TOP