Netzwelt

Neue Tarifregeln

Telefonate ins EU-Ausland sollen günstiger werden

Anrufe von Deutschland aus in ein anderes EU-Land können je nach Telefonvertrag sehr teuer sein. Die EU will hohen Gebühren für Auslandstelefonate nun einen Riegel vorschieben.

DPA

Die Flagge der Europäischen Union auf einem Smartphone

Mittwoch, 14.11.2018   10:55 Uhr

Nach den Roaming-Gebühren will die Europäische Union nun auch hohen Preisen für Telefonate ins EU-Ausland ein Ende setzen. Das EU-Parlament stimmt am Mittwoch (12.30 Uhr) über entsprechende neue Regeln ab. Demnach sollen Gespräche aus dem eigenen Land in einen anderen EU-Staat pro Minute künftig nur noch maximal 19 Cent pro Minute kosten dürfen - egal ob vom Handy oder vom Festnetztelefon aus. Die Kosten pro SMS werden bei höchstens sechs Cent gedeckelt.

Nach der Zustimmung im Parlament muss formal noch der Rat der Mitgliedstaaten grünes Licht geben. Dann können die neuen Preisobergrenzen im Mai 2019 in Kraft treten. Eine Grundsatzeinigung über die Neuerungen war im Juni erzielt worden.

Bereits im Sommer 2017 waren die sogenannten Roaming-Gebühren für Anrufe aus fremden Netzen im EU-Ausland abgeschafft worden. Dagegen waren Gespräche aus den Heimatnetzen ins Ausland nicht von diesen Regeln betroffen. Bislang sind solche Telefonate oft sehr teuer. Laut Daten des Europäischen Verbraucherverbands fielen in Deutschland im Jahr 2016 bis zu 1,99 Euro Gebühren pro Minute für Auslandsgespräche per Handy an.

Die geplanten neuen EU-Vorgaben stoßen bei den Verbraucherschützern auf Zustimmung. "Dank der neuen Regelung werden Verbraucher ab Mai 2019 in den meisten Fällen für ihre Anrufe ins EU-Ausland erhebliche Kosten einsparen", erklärte ein Sprecher des Europäischen Verbraucherverbands.

Vorgaben für ein Katastrophen-Warnsystem

Das neue Gesetzespaket sieht neben der Kostendeckelung auch eine Art umgekehrten Notruf vor. Bei gefährlichen Großlagen wie Terroranschlägen und Naturkatastrophen sollen Handynutzer per SMS oder App gewarnt werden können. Ein solches System müssten die EU-Mitgliedstaaten innerhalb von 18 Monaten nach der offiziellen Verabschiedung der EU-Regeln auf die Beine stellen.

Weitere Neuerungen: Telefon- oder Handyverträge sollen künftig einen leicht verständlichen Überblick über die Konditionen bieten. Daneben müssen Informationen über mögliche Kostenrückerstattungen enthalten sein - etwa wenn Verbrauchern bei einem Anbieterwechsel noch ungenutztes Prepaid-Guthaben bleibt.

Mit den neuen Regeln sollen zudem Anreize zum Aufbau eines schnelleren Internets geschaffen werden. Zum Beispiel sollen sich Telekommunikationsunternehmen zusammentun dürfen, um in abgelegenen Gegenden den Breitbandausbau voranzutreiben. Auch sieht das Paket vor, dass bis 2020 Frequenzen für das Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) verfügbar sein sollen. Die EU-Länder sollten die entsprechenden Spektren für 20 Jahre an Telekommunikationsunternehmen vergeben. Diese Perspektive soll den Firmen mehr Sicherheit für ihre Investitionen in den Netzausbau gewährleisten.

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mak/dpa

insgesamt 15 Beiträge
Crom 14.11.2018
1.
Die Kleinstaaterei bei der Telekommunikation muss endlich aufhören. Binnenmarkt means Binnenmarkt. Es muss zu einer EU-weiten Regulierung kommen. Frequenzen sollten nicht mehr national versteigert werden. EU-Flat sollte überall [...]
Die Kleinstaaterei bei der Telekommunikation muss endlich aufhören. Binnenmarkt means Binnenmarkt. Es muss zu einer EU-weiten Regulierung kommen. Frequenzen sollten nicht mehr national versteigert werden. EU-Flat sollte überall gelten, nicht nur im EU-Ausland.
kuac 14.11.2018
2.
Das ist längst überfällig. Die EU sollte nicht reden, sondern handeln. Es ist erstaunlich, wie Regeln zugunsten der Unternehmen immer sehr schnell und Regeln zugunsten der Verbraucher immer sehr langsam verabschiedet werden, [...]
Das ist längst überfällig. Die EU sollte nicht reden, sondern handeln. Es ist erstaunlich, wie Regeln zugunsten der Unternehmen immer sehr schnell und Regeln zugunsten der Verbraucher immer sehr langsam verabschiedet werden, wenn überhaupt.
Europeon 14.11.2018
3. Die Telecomunternehmen
... versuchen halt mit allen Mitteln die zig-Milliarden die sie damals dem Staat für die Lizenzen bezahlen mussten wieder reinzubringen. Steuererhöhung auf Umwegen... [...]
... versuchen halt mit allen Mitteln die zig-Milliarden die sie damals dem Staat für die Lizenzen bezahlen mussten wieder reinzubringen. Steuererhöhung auf Umwegen... https://de.wikipedia.org/wiki/Versteigerung_der_UMTS-Lizenzen_in_Deutschland
no_spam 14.11.2018
4.
Mit dem richtigen Anbieter ist das schon seit längerem Vergangenheit. Meiner bietet prepaid (monatlich kündbar), schnelles und kaum begrenztes Surfen im eu-Ausland und der Schweiz(!), Telekom-Netz (in DE fast überall Empfang), [...]
Mit dem richtigen Anbieter ist das schon seit längerem Vergangenheit. Meiner bietet prepaid (monatlich kündbar), schnelles und kaum begrenztes Surfen im eu-Ausland und der Schweiz(!), Telekom-Netz (in DE fast überall Empfang), alles in den gebuchten inklusiv-Volumen enthalten oder sowieso kostenlos. Per Webportal sind die Komponenten (Surfern, Frei-Minuten, SMS etc.) jederzeit dazu- oder wegbuchbar, perfekt um im Alltag zu sparen und im EU-Urlaub keine Einschränkungen zu haben.
DLH711 14.11.2018
5.
Richtig! Darum auch Postgebühren runter. In einem gemeinsamen Markt darf es nur noch einen Tarif geben! Aber da die EUROKRATEN wohl keine Briefe mehr schreiben und Päckchen versenden (Weihnachtskekse an die Kinder oder [...]
Zitat von CromDie Kleinstaaterei bei der Telekommunikation muss endlich aufhören. Binnenmarkt means Binnenmarkt. Es muss zu einer EU-weiten Regulierung kommen. Frequenzen sollten nicht mehr national versteigert werden. EU-Flat sollte überall gelten, nicht nur im EU-Ausland.
Richtig! Darum auch Postgebühren runter. In einem gemeinsamen Markt darf es nur noch einen Tarif geben! Aber da die EUROKRATEN wohl keine Briefe mehr schreiben und Päckchen versenden (Weihnachtskekse an die Kinder oder Enkel) wird sich dran nichts ändern.

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