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Apple-Chef

Tim Cook fordert Gesetz gegen Datenhändler

Der Apple-Chef kritisiert, dass Datenhändler weitgehend unkontrolliert Nutzerprofile zusammenstellen und weiterverkaufen, ohne dass die Nutzer etwas davon mitbekämen. Der US-Regierung macht er einen konkreten Vorschlag.

DPA

Tim Cook in Brüssel

Donnerstag, 17.01.2019   11:20 Uhr

Apple-Chef Tim Cook fordert die US-Regierung auf, Datenhändler gesetzlich schärfer zu regulieren. In einem Gastbeitrag für das "Time Magazine" schreibt Cook: "Konsumenten sollten kein weiteres Jahr tolerieren müssen, in dem Unternehmen auf unverantwortliche Weise riesige Nutzerprofile ansammeln, in dem Datenpannen außer Kontrolle zu geraten scheinen und in dem die Möglichkeit verschwindet, unser digitales Leben zu kontrollieren".

Bereits vergangenen Oktober hatte Cook vor Datenschützern in Brüssel von "Überwachung" durch Unternehmen und einem "datenindustriellen Komplex" gesprochen, in dem Daten "mit militärischer Effizienz gegen uns gewendet" würden. Dass er mit seiner Kritik vor allem Facebook und Google meinte, war offensichtlich, auch ohne dass er sie namentlich erwähnte. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung lobte Cook als vorbildlich.

Die DSGVO - einfach erklärt

Nun greift er andere Firmen an: "Vielleicht haben Sie etwas bei einem Onlinehändler gekauft - die meisten von uns haben das schon getan. Aber was der Händler Ihnen nicht sagt, ist, dass er Informationen über Ihren Einkauf an Datenhändler verkauft oder weiterleitet. Solche Datenhändler existieren einzig zu dem Zweck, Ihre Daten zu sammeln, zusammenzuführen und einer weiteren Firma zu verkaufen."

Derzeit existiere dieser Zweitverwertungsmarkt "in einer Schattenwirtschaft, die weitgehend unkontrolliert bleibt - außerhalb der Sichtweite von Konsumenten, Regulierungsbehörden und Politikern".

Bürger sollen den Weiterverkauf ihrer Daten stoppen können

Konkret schlägt Cook nun eine per Bundesgesetz geregelte Einrichtung einer Abrechnungsstelle (engl. clearing house) durch die US-Handelsaufsicht FTC vor. Dort müssten sich alle Datenhändler registrieren und Konsumenten die Möglichkeit bieten, den Weiterverkauf ihrer Daten zu verfolgen und diese auch kostenlos und dauerhaft löschen zu lassen.

Apple setzt in seinen Produkten und Diensten an vielen Stellen auf Datenvermeidung und Anonymisierung. Das Unternehmen betrachtet das als Wettbewerbsvorteil und nutzt den Ansatz, um sich von anderen großen Unternehmen im Silicon Valley zu distanzieren.

Apples Geschäftsmodell ist allerdings auch ein anderes als etwa das von Facebook und Google: Apple verkauft in erster Linie Hardware. Außerdem verdient das Unternehmen an Apps, iTunes-Inhalten und Diensten wie Apple Music, nicht jedoch mit zielgerichteten, auf Nutzerdaten basierenden Anzeigen. Andererseits wären Geräte wie das iPhone oder das iPad ohne die Dienste und Inhalte von Google, Facebook und anderen nicht so von zentraler Bedeutung für das Leben ihrer Nutzer.

pbe

insgesamt 19 Beiträge
reifenexperte 17.01.2019
1. Auch in Europa sollten die Kontrollen beim Datenhandel
verschärft werden. Ich glaube nicht, dass Facebook, Google und Co sich an die Regeln halten, sobald die Daten Europa verlassen haben. Da sind auch scharfe Sanktionen erforderlich. Bis es soweit ist, sollten sich Regierung und [...]
verschärft werden. Ich glaube nicht, dass Facebook, Google und Co sich an die Regeln halten, sobald die Daten Europa verlassen haben. Da sind auch scharfe Sanktionen erforderlich. Bis es soweit ist, sollten sich Regierung und Behörden nicht auf diesen Seiten präsentieren und damit derem rechtswidrigen Verhalten Vorschub leisten. Besonders Merkel gehört für ihre ungeheuerliche Fahrlässigkeit in dieser Beziehung eigentlich vor den Strafrichter.
fortyplus 17.01.2019
2. Bis unsere Regierung...
... verstanden hat, was hier abgeht, wird sie erst mal versuchen, Ausfuhrzölle auf Daten zu erheben. ;-)
... verstanden hat, was hier abgeht, wird sie erst mal versuchen, Ausfuhrzölle auf Daten zu erheben. ;-)
boerkespiegel 17.01.2019
3.
Am Beispiel Apple zeigt sich leider aktuell, dass einiges schief läuft. Tim Cook versucht seit Jahren Apple als Unternehmen, dem Datenschutz extrem wichtig ist zu positionieren. Hierzu sind viele Dokumente verfügbar und es gab [...]
Am Beispiel Apple zeigt sich leider aktuell, dass einiges schief läuft. Tim Cook versucht seit Jahren Apple als Unternehmen, dem Datenschutz extrem wichtig ist zu positionieren. Hierzu sind viele Dokumente verfügbar und es gab bisher auch keinerlei Leaks oder Beweise dass dem nicht so ist. Im Gegenteil wurde jetzt bekannt, dass DuckDuckGo, eine Suchmaschine mit gutem Renomee und Fokus auf Anonymität und Privatsphäre Apple Maps verwenden wird. Gedankt wird es ihm allerdings wenig. Für mich ist dieser Fokus auf Privatsphäre ein riesengroßer Pluspunkt, so dass ich Apple weiterhin die Treue halten werden. Den meisten Verbrauchern scheint dies allerdings Wurst zu sein, viel zu selten lese ich in den omnipräsenten Apple-Bash Diskussionen etwas dazu.
krtoledo77 17.01.2019
4. Apple handelt also nich mir Nutzerdaten?
jetzt will mir also einer der derzeit größten Abzockerfirmen der Welt mir sagen das diese nichts mit den ihrerseits gesammelten Kundendaten nichts anfangen? Wer soll das denn glauben!?
jetzt will mir also einer der derzeit größten Abzockerfirmen der Welt mir sagen das diese nichts mit den ihrerseits gesammelten Kundendaten nichts anfangen? Wer soll das denn glauben!?
jj2005 17.01.2019
5. Datenverkauf ist das Geschäftsmodell
Praktisch alle ach so kostenlosen "apps" werden doch über Datenverkauf finanziert - das ist deren Geschäftsmodell. Google leistet mir fantastische Dienste, und erlaubt dafür Amazon & Co, mir massgeschneiderte [...]
Praktisch alle ach so kostenlosen "apps" werden doch über Datenverkauf finanziert - das ist deren Geschäftsmodell. Google leistet mir fantastische Dienste, und erlaubt dafür Amazon & Co, mir massgeschneiderte Anzeigen zu präsentieren. Klingt toll und einleuchtend, aber man vergisst halt gerne, dass die Firmen dafür zahlen und folglich höhere Preise verlangen. Also zahlt der Kunde für die "kostenlosen" Dienste zweifach: 1. mit höheren Preisen, 2. mit nervender Dauerberieselung. Das liesse sich abstellen, wenn wir (ja, wir alle) bereit wären, statt 10€ Flat-Tarif einen volumenabhängigen Internetzugang zu akzeptieren. Die Kosten wären identisch (was die Bereitstellung von Internet-, Google, Fakebook etc -Infrastruktur halt so KOSTET), nur die Bezahlweise wäre anders. SPON hätte da sicher was zu erzählen, es gibt ja SpiegelPlus, nicht wahr? Und auf das Geheule der Dauerstreamer muss man sicher nicht lange warten.

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