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Montag, 12.08.2019   16:15 Uhr

Waffen, Videospiele, 8chan

Liebe Leserin, lieber Leser,

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die Gewalt soll umgehend aus dem Supermarkt verschwinden. Nachdem ein rechtsextremer Terrorist am Samstag vor einer Woche 22 Menschen in einem Walmart in El Paso erschossen hat, hat der Konzern seine Mitarbeiter angewiesen, unter anderem Demostationen und Werbung für gewalthaltige Spiele wie Shooter sofort von den Verkaufsflächen zu entfernen. Waffen will Walmart aber weiter verkaufen.

Der Supermarktgigant vertreibt zwar schon seit 2015 keine Sturmgewehre mehr und verkauft Waffen seit dem Parkland-Schulmassaker nur noch an Schützen, die älter als 21 sind. Dennoch zählt Walmart bis heute zu den größten Waffenhändlern der USA.

Callaghan OHare / REUTERS

Trauer in El Paso: Was sind nun die richtigen Konsequenzen?

Das Vorgehen des Konzerns ist symptomatisch für die Debatten nach der El-Paso-Attacke. Anstatt die Wurzeln des Problems zu bekämpfen, folgen kosmetische Änderungen, die vor allem Handlungswillen demonstrieren sollen.

Ein zum Tatort gewordener Supermarkt, der Spiele statt Waffen verbannt. Ein Präsident, der jetzt zur Einheit aufruft, aber sonst offen gegen Migranten hetzt und Rassisten bestärkt. Eine Debatte, die auf das (zweifelsfrei problematische) Forum 8chan verkürzt wird, obwohl dieses nur ein Teil des besorgniserregenden Klimas ist, in dem Hass und Rassismus gesellschaftsfähig geworden sind - und längst nicht nur in den "dunklen Tiefen des Internets" (Trump) zu finden.

Unter der Regierung Trump wurden die Budgets für Präventionsprojekte gegen Extremismus in den vergangenen Jahren gekürzt, das Weiße Haus hat sich auch dagegen gesperrt, den Kampf gegen Inlandsterrorismus stärker zu priorisieren. Stattdessen setzt sich der US-Präsident derzeit dafür ein, soziale Netzwerke stärker zu kontrollieren - um einer angeblichen Benachteiligung konservativer Stimmen entgegenzuwirken. Dabei könnte dies künftig mehr Freiheit für radikale Positionen bedeuten.

El Paso wird zudem als Steilvorlage für unpopuläre Maßnahmen genutzt, die ohnehin geplant waren - wie die zunehmende Überwachung sozialer Netzwerke. Neue Analysewerkzeuge sollen etwa mutmaßliche Attentäter online entdecken, bevor sie zuschlagen - ob das funktionieren kann, ist aber höchst umstritten. Und das FBI hat etwa eine Ausschreibung für ein Social-Media-Werkzeug veröffentlicht, mit dem Profile, Netzwerke, Kontaktdaten, Standorte und Beziehungen von Zielpersonen durchforstet werden sollen.

Es wäre sinnvoller und wohl auch erfolgreicher, potenziellen Attentätern erst einmal den leichten Zugang zu Waffen zu entziehen. Der "New York Times" zufolge liegen die USA nämlich sowohl bei der Anzahl der Waffen pro Einwohner als auch bei Massenschießereien ganz vorn.

"Wir leben in einem Land, in dem man ein AR-15-Gewehr bei einer Tombola gewinnen kann und in dem religiöse Gemeinschaften Zeremonien zur Ehrung ihrer Schusswaffen abhalten und dabei Kronen aus 5.56-mm-Kugeln tragen", schreibt ein Ex-Marinesoldat in seinem Essay über die überbewertete Rolle von Videospielen als Terroristentrainer. "Wir haben ein viel, viel größeres Problem als Shoot-Bang-Videospiele, und wir müssen es angehen."

Ein politischer Wille, strengere Waffenkontrollen, die nach jedem Anschlag - zu Recht - gefordert werden, endlich anzugehen und die Macht der US-Waffenlobby NRA einzuschränken, existiert jedoch nicht. Die Hoffnung auf tief greifende Reformen wie etwa ein Verbot von Sturmgewehren dürfte auch diesmal eine Illusion bleiben.

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Seltsame Digitalwelt: Und dann ist Internet-Sperrstunde

In den vergangenen Tagen habe ich nach einer Reise nach Los Angeles mit einem brutalen Jetlag gekämpft. Um ein Uhr nachts war ich wieder wach und wollte gegen die Schlaflosigkeit ein bisschen auf meinem Handy herumscrollen: Twitter lesen, Facebook checken - die übliche Ablenkung, bis die Augen müde werden (und man dann trotzdem nicht einschlafen kann).

Allerdings ist in der Wohnung, in der ich gerade vorübergehend wohne, eine Internetsperre eingerichtet: Zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens wird das WLAN automatisch abgestellt. Nachdem ich mich anfangs darüber aufgeregt habe, ist die Bilanz gar nicht so schlecht: Ich habe es in nur einer Woche geschafft, drei Bücher zu lesen.


App der Woche: "Journey"
getestet von Tobias Kirchner

Annapurna Interacitve

"Journey" ist ein besonderes Multiplayer-Spiel. Eigentlich steuert man eine einsame Figur quer durch eine riesige Wüste. In dem Spiel, das vor allem auf Sonys Playstation 3 erfolgreich war, trifft man jedoch immer wieder auf andere Spieler, die ebenfalls in dieser Welt unterwegs sind. Es ist aber keine Kommunikation über Chats möglich.

So ergibt sich eine für Videospiele ungewohnte Art der Interaktion und Erfahrung. Weitere Pluspunkte von "Journey" sind die wunderschön gestaltete Welt und der tolle Soundtrack.

Für 5,49 Euro von Annapurna Interactive: iOS


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche

Sonja Peteranderl

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insgesamt 10 Beiträge
carlitom 12.08.2019
1.
Das übliche Kopfschütteln und das einzig passende Zitat des größten Philosophen des 20. Jahrhunderts (Obelix): "Die spinnen, die Amis!"
Das übliche Kopfschütteln und das einzig passende Zitat des größten Philosophen des 20. Jahrhunderts (Obelix): "Die spinnen, die Amis!"
Nonvaio01 12.08.2019
2. alleine die ueberschrift
wir wissen natuerlich wie es richtig geht, darum koenne wir auch sagen was falsch laeuft. Sorry aber Waffen werden in den USA nie verboten werden.
wir wissen natuerlich wie es richtig geht, darum koenne wir auch sagen was falsch laeuft. Sorry aber Waffen werden in den USA nie verboten werden.
spon-facebook-10000523851 12.08.2019
3. 46%
der weltweit von Zivilisten besessenen Waffen sind in den USA. Zu denken, dass sogar ein umgehendes Verkaufsverbot fuer Waffen jeglicher Art die Situation verbessern wuerde, beluegt sich selbst. Das Problem liegt in einer [...]
der weltweit von Zivilisten besessenen Waffen sind in den USA. Zu denken, dass sogar ein umgehendes Verkaufsverbot fuer Waffen jeglicher Art die Situation verbessern wuerde, beluegt sich selbst. Das Problem liegt in einer abgestumpften maroden Gesellschaft. Man sollte moralischen Bankrott erklaeren. Lieber Leser, es wird weitergeschossen, jeden Tag. Egal welcher Unsinn da in Washington und landesweit diskutiert wird um Waehler zu beeinflussen. Egal wer Praesident ist.
frenchie3 12.08.2019
4. Wenn es "der Amerikaner" ernst meint
kauft er in der nächsten Zeit mal ausschließlich bei der Konkurrenz ein. Wenn Walmart die Gewinne vom Waffenverkauf dann gegen die Gewinne von Burgerbrötchen aufrechnet und feststellt daß "Verbrauchsgut" [...]
kauft er in der nächsten Zeit mal ausschließlich bei der Konkurrenz ein. Wenn Walmart die Gewinne vom Waffenverkauf dann gegen die Gewinne von Burgerbrötchen aufrechnet und feststellt daß "Verbrauchsgut" regelmäßiger verkauft wird als M16s wird sich was bewegen. Ein Boykott dessen Kosten für den Kunden übersichtlich sind
Polwender 12.08.2019
5. Einfach dumm.
Ich habe in 90.gen in der USA gearbeitet. Die Unfähigkeit der Amis war grenzenlos. Die sind ungebildet und dumm Und dann noch hinterhältig. Die EU muss stark werden . .
Ich habe in 90.gen in der USA gearbeitet. Die Unfähigkeit der Amis war grenzenlos. Die sind ungebildet und dumm Und dann noch hinterhältig. Die EU muss stark werden . .
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