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Immobilie an der Mosel

"Cyberbunker" wurde trotz Warnung verkauft

Jahrelang betrieben mutmaßlich Kriminelle in einem alten Bundeswehrbunker ein Rechenzentrum, über das Drogen- und Waffenmarktplätze gehostet wurden. Dabei warnte das LKA Rheinland-Pfalz früh vor dem Käufer.

LKA Rheinland Pfalz

Tür im Bunker: Illegale Marktplätze gehostet

Von
Dienstag, 08.10.2019   15:11 Uhr

Die Polizei in Rheinland-Pfalz hat frühzeitig vor dem Käufer des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach gewarnt. Bereits acht Tage vor dem avisierten Verkaufsdatum habe man die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) darüber informiert, "dass der potenzielle Käufer der Immobilie den Standort für ein Rechenzentrum unter anderem auch zur Begehung und Unterstützung von Straftaten im Internet nutzen könne", teilte das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz auf SPIEGEL-Anfrage mit. Die Behörde bestätigte einen entsprechenden Bericht des SWR.

Konkrete Anhaltspunkte zur Einleitung eines Strafverfahrens hätten zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden. Dennoch habe sich sich das LKA "aufgrund der aus dem In- und Ausland erlangten Erkenntnisse dazu veranlasst" gesehen, die Bima zu informieren.

Die bundeseigene Bima verwaltet und verkauft zahlreiche Immobilien des Staates. Im Jahr 2012 wurde auch der Bunker in Traben-Trarbach zum Verkauf ausgeschrieben, in dem jahrelang das Amt für Geo-Informationswesen der Bundeswehr untergebracht war, eine Art Wetterdienst der Truppe.

Video: Ermittler finden Hunderte Server im "Cyberbunker"

Foto: LKA Rheinland Pfalz

Aussagen passen bisher nicht zusammen

Vor anderthalb Wochen hatten Hunderte Polizisten, darunter diverse Spezialeinheiten, das Gelände gestürmt. Ermittelt wird gegen 13 Verdächtige, sieben wurden festgenommen. Sie sollen in dem Bunker jahrelang ein Rechenzentrum betrieben haben, über das zahlreiche kriminelle Aktivitäten abgewickelt wurden. Seitdem steht die Frage im Raum, wie die mutmaßlich Kriminellen überhaupt an das auf militärischem Niveau gesicherte Gelände gelangen konnten - ausgerechnet verkauft vom deutschen Staat.

Die Bima hatte Ende vergangener Woche auf SPIEGEL-Anfrage mitgeteilt, man habe sich "mit dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz als zuständige Sicherheitsbehörde abgestimmt. Dort lagen zum damaligen Zeitpunkt aber keine Erkenntnisse vor, die einen Ausschluss der späteren Käuferin von dem Veräußerungsverfahren gerechtfertigt hätten."

Das LKA wiederum erklärte nun hingegen, es sei auf Betreiben der Gemeinde Traben-Trarbach tätig geworden. Die Kommunalverwaltung habe das LKA am 13. Juni 2013 über den geplanten Verkauf informiert. Die Polizeibehörde prüfte daraufhin die übermittelten Daten und wandte sich am 17. Juni 2013 mit ihrer Warnung an die Bima.

Fotostrecke

Illegales Rechenzentrum: So sieht der "Cyberbunker" aus

Zum Verkauf kam es wenige Tage später offenbar trotzdem. Nach Bima-Angaben wurde der Kaufvertrag am 26. Juni 2013 notariell beurkundet, einen Tag nach dem geplanten Verkaufsdatum. Die Bima hat sich auf SPIEGEL-Anfrage bisher nicht zu den neuen Erkenntnissen geäußert.

Käufer der Bunkeranlage war eine niederländische Stiftung unter der Führung des Niederländers Herman-Johan X., heute Hauptverdächtiger der Ermittler. X. war schon 2013 kein Unbekannter, er hatte Anfang der Nullerjahre in seinem Heimatland schon einmal ein Rechenzentrum in einem Bunker betrieben. Zahlreiche Informationen über seine Aktivitäten waren offen im Internet zugänglich.

Auch bei Lokalpolitikern, mit denen der SPIEGEL sprechen konnte, gab es schon 2013 Zweifel. Bei einer Präsentation sei X. bei Details seltsam vage geblieben, etwa was auf den Servern gespeichert werden solle. Mangels einer Alternative habe man für den Verkauf trotzdem den Weg frei gemacht und den Flächennutzungsplan angepasst.

Report

Allerdings war der Verkauf an X. nicht alternativlos. Wie die Bima mitteilte, gab es zwei Bieter für das Gelände, inzwischen ist dem SPIEGEL der andere Interessent auch bekannt. Von der Anstalt hieß es allerdings, man habe sich für das "wirtschaftlichere" Angebot entschieden. Das soll wohl bedeuten: für den höheren Kaufpreis.

So zumindest steht es im Verkaufsprospekt der Bima für die Anlage, der dem SPIEGEL vorliegt. Dort heißt es, die Veräußerung erfolge "grundsätzlich gegen das beste Kaufangebot". Und weiter: "Bei reger Nachfrage entscheidet das Höchstgebot, sofern die Bonität nachgewiesen ist."

insgesamt 49 Beiträge
spon-1178958794633 08.10.2019
1. Offenbar ohne Sinn und Verstand
Unglaublich. Aber das hat Methode. Die BIMA verkauft offenbar immer an den Meistbietenden, ohne Rücksicht darauf, was mit den Objekten passiert. Viele Städte können ein Lied davon singen, wo dringend benötigte Grundstücke an [...]
Unglaublich. Aber das hat Methode. Die BIMA verkauft offenbar immer an den Meistbietenden, ohne Rücksicht darauf, was mit den Objekten passiert. Viele Städte können ein Lied davon singen, wo dringend benötigte Grundstücke an irgendwelche windigen Investoren verscherbelt werden, statt den Gemeinden ein vernünftiges Angebot zu machen. Ich bleibe so optimistisch, dass man den damaligen Fallmanager nachträglich wegen Vernachlässigung elementarster Sorgfaltspflichten zur Rechenschaft zieht, z.B. mit einem Disziplinarverfahren. Und es wäre einmal eine gute Gelegenheit, die Praix der BIMA -die irgendwie auch an die Treuhand erinnert - auf den Prüfstand zu stellen.
winfield06 08.10.2019
2. Unglaublich
wie in diesem Artikel, Behauptungen, Anschuldigungen und Vermutungen vermischt werden. Ich war immer der Meinung, dass in diesem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gilt. Aber eher wohl nicht. 1. ---Zitat--- "dass der [...]
wie in diesem Artikel, Behauptungen, Anschuldigungen und Vermutungen vermischt werden. Ich war immer der Meinung, dass in diesem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gilt. Aber eher wohl nicht. 1. ---Zitat--- "dass der potenzielle Käufer der Immobilie den Standort für ein Rechenzentrum unter anderem auch zur Begehung und Unterstützung von Straftaten im Internet nutzen könne" ---Zitatende--- Diese Möglichkeit besteht theoretisch bei jedem Rechenzentrum und bei vielen Kaufimmobilien 2. ---Zitat--- Seitdem steht die Frage im Raum, wie die mutmaßlich Kriminellen überhaupt an das auf militärischem Niveau gesicherte Gelände gelangen konnten - ausgerechnet verkauft vom deutschen Staat. ---Zitatende--- Wie später im Text beschrieben "das wirtschaftlichere Angebot wahrgenommen, zudem finde ich persönlich die Textpassage "mutmaßlich Kriminellen" schon eine Vorverurteilung. Hier hätte die Aussage auch Verdächtige lauten können 3. ---Zitat--- Bei einer Präsentation sei X. bei Details seltsam vage geblieben, etwa was auf den Servern gespeichert werden solle. ---Zitatende--- Im Allgemeinen werden auf Servern Daten gespeichert, wer es als Webhoster anlegt weiß nicht zwangsläufig was die Kunden dort speichern. 4. ---Zitat--- Käufer der Bunkeranlage war eine niederländische Stiftung unter der Führung des Niederländers Herman-Johan X., heute Hauptverdächtiger der Ermittler. X. war schon 2013 kein Unbekannter, er hatte Anfang der Nullerjahre in seinem Heimatland schon einmal ein Rechenzentrum in einem Bunker betrieben. Zahlreiche Informationen über seine Aktivitäten waren offen im Internet zugänglich. ---Zitatende--- Was ist - bis dato - an diesen Dingen so schlimm, dass die Bima das Gelände und die Anlage hätte nicht verkaufen sollen bzw. können? Sorry, hier wird ein Artikel auf sehr reißerischem Nivau aufgebauscht.
spontanistin 08.10.2019
3. Ja was erwartet der Autor denn von einer Behörde?
Man sieht doch schon an der maroden und verrotteten Infrastruktur, ganz zu Schweigen vom Desaster bei der Wehr-Technik der Bundeswehr, zu welchen Höchstleistungen unsere Beamten fähig sind! Die Begabtesten gehen eh in die sog. [...]
Man sieht doch schon an der maroden und verrotteten Infrastruktur, ganz zu Schweigen vom Desaster bei der Wehr-Technik der Bundeswehr, zu welchen Höchstleistungen unsere Beamten fähig sind! Die Begabtesten gehen eh in die sog. Freie Wirtschaft und zocken so Otto Normalverbraucher ab. Was dem einen die Boni sind dem anderen die Pensionen!
Denkerchen 08.10.2019
4. etwas mehr Ehrlichkeit bitte
Es kann nicht sein, dass eine nicht wirklich bewiesene Vermutung des LKA dazu führt dass ein Käufer aus einem bereits geschlossenen Verkauf nur wenige Tage vor der Beurkundung ausgeschlossen wird. Es kann nicht sein, dass [...]
Es kann nicht sein, dass eine nicht wirklich bewiesene Vermutung des LKA dazu führt dass ein Käufer aus einem bereits geschlossenen Verkauf nur wenige Tage vor der Beurkundung ausgeschlossen wird. Es kann nicht sein, dass Straftaten, die 6 (SECHS) Jahre lang ungeahndet laufen konnten - OBWOHL das LKA bereits davor gewarnt hatte, jetzt zu einer Schuldzuweisung führen. In Deutschland wird ständig vor allem und jedem gewarnt: 99% der Warnungen sind gegenstandslos - das restliche 1% ist dann der "Zeigefinger". Besonders schön zu sehen an der Formulierung "seltsam vage geblieben" - ein Server-Dienstleister hat weder Informationen noch Einfluss darauf welche Daten bei ihm gespeichert werden - das kann gar nicht konkret beantwortet werden - auch nicht von seriösen Anbietern.
static_noise 08.10.2019
5.
Werter SPON, noch sind die Inhaber des Bunkers keine "Kriminelle". Formell sind sie ganz normale Betreiber eines Rechenzentrums wie es in Deutschland Hunderte gibt. Die T Systems wird auch nicht als kriminell bezeichnet [...]
Werter SPON, noch sind die Inhaber des Bunkers keine "Kriminelle". Formell sind sie ganz normale Betreiber eines Rechenzentrums wie es in Deutschland Hunderte gibt. Die T Systems wird auch nicht als kriminell bezeichnet wenn jemand dort eine illegale Webseite, respektivw Webseite mit illegalem Inhalt betreibt. Sicherlich wird es hinreichende Beweise geben, dass die Betreiber nun aber genau wussten was auf ihren Servern lief, bzw sogar mit im Boot steckten, das muss aber erstmal gerichtlich geklärt werden. Dass der SPON diese aber jetzt schon öffentlich als "die Kriminellen" bezeichnet finde ich befremdlich, aus dem linksunten.indymedia Debakel/ Skandal nix gelernt?

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