Netzwelt

Mobilfunk-Netztest

Fachmagazine küren Telekom zum Netzsieger

Im Mobilfunknetz der Telekom surft man besonders zuverlässig und schnell, urteilen die Tester von "Connect" und "Chip". Doch wer die Möglichkeiten voll ausnutzt, hat nicht lange etwas davon.

DPA

Präsentationswand mit Smartphones: Die Anforderungen an die Netze steigen

Mittwoch, 02.12.2015   16:34 Uhr

Mit erstaunlicher Einigkeit haben die Fachmagazine "Chip" und "Connect" die besten Mobilfunknetze des Landes gekürt. Gewinner ist die Telekom, wieder einmal. Zweitplatzierter ist Vodafone, wieder einmal. Auf die Plätze 3 und 4 werden von beiden Redaktionen die Netze von O2 und E-Plus gesetzt, wieder einmal.

Neu ist allerdings, dass die konkurrierenden Zeitschriften ihre Tests in diesem Jahr fast gleichzeitig veröffentlicht haben. Vergangenes Jahr beispielsweise veröffentlichte die "Chip" ihre Messergebnisse zwei Monate früher als die "Connect", nun erfolgte die Veröffentlichung im Abstand von nur einem Tag.

Bemerkenswert ist die Reaktion der beiden Gewinnerkonzerne. Dass die Telekom flink eine Pressemeldung verschickt, in der es heißt, "die Telekom bietet ihren Kunden das beste Mobilfunknetz in Deutschland", wundert nicht. Ausdrücklich wird darin betont, dass die Telekom im "Chip"-Test "sowohl bei der Telefonie als auch beim Websurfen" führt.

Aber davon lässt sich Vodafone nicht beeindrucken, verschickt fast parallel eine Meldung mit dem Titel: "Vodafone hat bestes mobiles Sprachnetz Deutschlands". Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf bezieht sich nur auf den "Connect"-Test, lässt die Ergebnisse der "Chip" außen vor.

Einigkeit beim Equipment

Dabei haben beide Zeitschriften erheblichen Aufwand betrieben, um Daten für ihre Testberichte zu sammeln. Die "Connect" schickte ihre Tester auf eine 10.000-Kilometer-Reise durch Deutschland. Dabei fuhren Messwagen über Autobahnen und durch Städte, Tester mit mobiler Messausrüstung reisten per Bahn durchs Land, durchwanderten ein paar größere und kleinere Städte. Für die "Chip" legten die Tester rund 7500 Kilometer auf ähnliche Weise zurück.

Einig waren sich die Tester bei der Wahl der Messausrüstung: Die Sprachqualität wurde mit Samsung Galaxy S5 getestet, Datenmessungen mit Samsung Galaxy Note 4 durchgeführt.

Moderne Sprachtelefonie gibt den Ausschlag

Beim Lesen der Messergebnisse erklärt sich dann auch, weshalb Vodafone bei der "Connect" hinsichtlich der Sprachqualität besser abschneidet als bei der "Chip". Die Düsseldorfer würden das knapp bessere Ergebnis in diese Kategorie erreichen, weil sie - anders als die Telekom - bereits die modernere Voice-over-LTE-Technik (VoLTE) eingeführt haben. Das Verfahren ermöglicht wegen seiner größeren Bandbreite eine bessere Sprachqualität.

Die "Chip" hingegen hat die VoLTE-Technik nicht berücksichtigt, weil diese "noch nicht bei der Masse angekommen" sei. So konnte für Vodafone auch kein Vorteil herausspringen. Dieser Vorteil betrifft aber eben ohnehin Nutzer mit LTE-fähigem Handy.

Telekom auf der Pole Position

Ansonsten aber sind sich die Tester einig, dass etwa Datenübertragungen bei der Telekom weit schneller sind als bei der Konkurrenz. Die Geschwindigkeit von Downloads sei im Telekom-Netz "im Mittel fast doppelt so hoch ausgefallen wie bei Vodafone", schreibt die "Connect".

Die "Chip" liefert dafür konkrete Zahlen. Die Telekom erreiche "ein durchschnittliches Download-Tempo von 43 MBit/s, gefolgt von Vodafone mit 25 MBit/s". Beides signifikant höhere Werte als beim Vorjahrestest und im Ringen um Kunden wohl auch die wichtigere Aussage. Smartphone-Nutzer wollen schnell im Netz surfen, Bilder hoch- und Musik herunterladen.

Fahrt in die Vergangenheit

Einig sind die Experten der beiden Zeitschriften sich auch bei der Bewertung der Mobilfunkqualität in fahrenden Zügen. Auch in der Bahn sei das Telekom-Netz die bessere Wahl. Nachbesserungsbedarf gebe es hier aber auch für den Testsieger. Zu hoch ist die Zahl der Verbindungsabbrüche, zu oft treten Verbindungsfehler auf.

Dasselbe Problem tauchte auch bei einer Messfahrt der "Chip" in den Harz auf. Die Fahrt ins Mittelgebirge gleiche einer Fahrt in die Vergangenheit. Oft müsse man sich mit lahmen GSM-Verbindungen statt UMTS oder LTE begnügen, viele Verbindungsfehler trüben das Vergnügen.

110 Euro für fünf Minuten

Ohnehin wurden im Telekom-Netz auch ungewöhnliche Werte festgestellt: In kleineren Städten surfe man mit der Telekom schneller als in großen. Bei den Konkurrenten sei das umgekehrt.

Aber die Jagd nach immer höheren Mobilfunk-Datenraten sei ohnehin nicht immer sinnvoll, erläutert die "Chip" sehr anschaulich. Denn ein Anwender, der sich beispielsweise bei der Telekom einen 110 Euro pro Monat teuren Mobilfunkvertrag "L Plus Premium" gönnt, hat davon nicht lange etwas, wenn er dessen maximale Datenrate ausschöpft.

Die zehn Gigabyte Inklusivvolumen, haben die Tester berechnet, wären bei den praktisch erreichbaren 240 MBit/s bereits nach fünf Minuten verbraucht. Danach kommt man, den Vertragsbedingungen zufolge, für den Rest des Monats nur noch mit behäbigen 64 KBit/s ins Netz. Knapp mehr als mit der im Jahr 2000 eingeführten GPRS-Technik. Ganz sicher viel zu wenig für modernes Internet.

mak

insgesamt 22 Beiträge
King Curry 02.12.2015
1. Unsinniger Schluss
Das Gedankenspiel mit dem nach 5 Minuten aufgebrauchten Volumen ist unterhaltsam, aber praktisch völlig irrelevant - so wie der bei Vollgas bereits nach 13 Minuten leere Tank eines Bugatti Veyron. Faktisch erreicht man diese [...]
Das Gedankenspiel mit dem nach 5 Minuten aufgebrauchten Volumen ist unterhaltsam, aber praktisch völlig irrelevant - so wie der bei Vollgas bereits nach 13 Minuten leere Tank eines Bugatti Veyron. Faktisch erreicht man diese Geschwindigkeit ohnehin bestenfalls kurzfristig; jeder normale Anwender kann mit diesem Tarif so intensiv surfen, mailen, chatten usw. wie er will, und genießt dabei den Komfort höchster Geschwindigkeit den ganzen Monat lang. Da jetzt den Eindruck zu erwecken, man würde regelmäßig 110 ? in 5 Minuten durch den Schornstein jagen, ist reißerisch und unsachlich.
jokoenen 02.12.2015
2. Ich dachte 1&1 sei der Sieger
Aber man sollte Werbung nicht immer glauben schenken ;-))
Aber man sollte Werbung nicht immer glauben schenken ;-))
Fritz.A.Brause 02.12.2015
3. Mitten in Berlin...
...keine hundert Meter vom Ku'damm in der Schlüterstrasse meldet mein Telefon im Telekom Netz leider regelmässig "Kein Netz". Hm, vielleicht liegt es ja am Apfel auf dem Gehäuse. Aber der Test besagte ja: Kleinere [...]
...keine hundert Meter vom Ku'damm in der Schlüterstrasse meldet mein Telefon im Telekom Netz leider regelmässig "Kein Netz". Hm, vielleicht liegt es ja am Apfel auf dem Gehäuse. Aber der Test besagte ja: Kleinere Städte sind besser dran als Grosse...
Frank Zi. 02.12.2015
4.
1&1 hat kein eigenes Netz.
Zitat von jokoenenAber man sollte Werbung nicht immer glauben schenken ;-))
1&1 hat kein eigenes Netz.
koka_banana 02.12.2015
5. In Berlin habe ich mit
meinem Magenta LTE Tarif mehr E als LTE auf meinem iPhone stehen. Da hatte ich vor 3y mit Eplus mehr 3G Empfang. Das beste Netz hahaa!!! Das TEUERSTE Netz auf jeden Fall.
meinem Magenta LTE Tarif mehr E als LTE auf meinem iPhone stehen. Da hatte ich vor 3y mit Eplus mehr 3G Empfang. Das beste Netz hahaa!!! Das TEUERSTE Netz auf jeden Fall.

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