Netzwelt

Cambridge-Analytica-Skandal

Facebook zahlt fünf Milliarden Dollar Bußgeld

Die US-Handelsaufsicht schließt einen Vergleich mit Facebook: Das Unternehmen zahlt eine Rekordsumme und installiert ein neues Aufsichtsgremium. Künftig will Facebook seine "Arbeitsweise grundlegend überdenken".

Stephen Lam/REUTERS

Facebook hat bereits drei Milliarden Dollar für den Vergleich mit der FTC zurückgelegt.

Von
Mittwoch, 24.07.2019   16:10 Uhr

Wenige Stunden vor Veröffentlichung von Facebooks Quartalszahlen verkündet die US-Handelsaufsicht das Ergebnis ihrer Untersuchung der Cambridge-Analytica-Affäre. Die Behörde schließt einen Vergleich mit dem Unternehmen, zieht also nicht vor Gericht. Facebook wiederum ist bereit, ein Bußgeld in Höhe von fünf Milliarden Dollar zu zahlen. Das Ergebnis muss noch von einem Richter bestätigt werden.

Mit einer solchen Summe hatte Facebook selbst schon gerechnet. Im April gab das Unternehmen bekannt, bereits drei Milliarden Dollar zurückgelegt zu haben. Im ersten Quartal betrug Facebooks Umsatz rund 15 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen wird demnach außerdem im Verwaltungsrat ein zusätzliches Gremium zur Datenschutzaufsicht einrichten. Dies soll Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg seine bisherige Machtfülle bei Datenschutz-Entscheidungen nehmen. Die Mitglieder des Gremiums sollen unabhängig sein und von einem unabhängigen Komitee nominiert werden.

Neue Funktionen in Facebook, Instagram und WhatsApp erfordern künftig eine interne Vorab-Untersuchung in Bezug auf ihre Auswirkungen auf die Privatsphäre der Nutzer. Aber auch die externe Aufsicht soll verstärkt werden. Die FTC bekommt dazu nach eigenen Angaben erweiterte Kompetenzen und Werkzeuge.

FTC: Facebook hat "zig Millionen Nutzer getäuscht"

Mark Zuckerberg sowie die von Facebook noch zu benennenden Compliance-Verantwortlichen müssen künftig alle drei Monate versichern, dass Facebook die Anforderungen der FTC erfüllt. Falsche Angaben sollen zivil- und strafrechtlich verfolgt werden.

Darüber hinaus erhebt die FTC weitere Vorwürfe gegen Facebook. Die im April 2018 aktualisierten Datenschutzbestimmungen hätten "zig Millionen Nutzer" über die Einwilligung in die Gesichtserkennung auf Fotos "getäuscht", heißt es - weil eine entsprechende Funktion standardmäßig aktiv, aber als solche nicht leicht zu erkennen war. Und Facebook habe seinen Nutzern nicht erklärt, dass ihre für die Zwei-Faktor-Authentifizierung angegebenen Telefonnummern auch für Werbezwecke genutzt wurden, so die FTC.

Facebook teilte in einem Blogpost mit: "Mit dieser Vereinbarung möchten wir nicht nur den Anforderungen der Regulierungsbehörden genügen, sondern auch das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen". Das Unternehmen werde seine "Arbeitsweise grundlegend überdenken müssen" und seinen Produktentwicklern "mehr Verantwortung auferlegen".

Mark Zuckerberg schreibt: "Wir werden einige grundlegende strukturelle Veränderungen in der Produktentwicklung und im Management vornehmen." Facebook werde beim Schutz der Privatsphäre "einen komplett neuen Industriestandard setzen". Von Änderungen am Geschäftsmodell schrieb er hingegen nichts.

Die Untersuchung der FTC ist die Folge des Datenskandals um Cambridge Analytica. Die Datenanalysefirma, die im US-Wahlkampf auch für den späteren Präsidenten Donald Trump arbeitete, hatte von einem Forscher die Daten von vielen Millionen Facebook-Nutzern gekauft, ohne dass diese davon wussten. Der Forscher hatte die Daten über eine Quiz-App erhoben und dabei auch auf Daten von Freunden der Quiz-Teilnehmer zugreifen können. Die Rede ist von bis zu 87 Millionen betroffenen Nutzern.

Die FTC leitete daraufhin Ermittlungen ein, weil sie einen Verstoß gegen jene Datenschutz-Auflagen vermutete, die Facebook laut einem bereits 2011 geschlossenen Vergleich mit der Behörde erfüllen muss.

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP