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Firefox Send

Mit diesem Tool können Sie große Dateien versenden

Screenshot der Upload-Seite

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Sonntag, 06.08.2017   09:27 Uhr

Mozilla mischt jetzt auch beim Filesharing mit. Der Entwickler des Firefox-Browsers hat eine neue Seite vorgestellt, auf der sich große Dateien sicher versenden lassen sollen. Vorbild ist eine Snapchat-Funktion.

Firefox Send ist eine schlanke Website. Mit dem neuen Tool will der Hersteller des Firefox-Browsers, Mozilla, Nutzern die Möglichkeit geben, große Dateien verschlüsselt zu verschicken.

Das geht denkbar einfach: Wer zum Beispiel ein Bild, ein Video, ein PDF oder ein Word-Dokument versenden will, zieht die Datei einfach auf das Upload-Feld und bekommt einen Download-Link angezeigt. Den kann man einem Kollegen oder Freund schicken, damit dieser die Datei herunterladen kann. Hochladen lässt sich dabei immer nur eine Datei - die darf aber immerhin bis zu einem Gigabyte groß sein. Wer etwa mehrere Bilder gleichzeitig verschicken will, muss die Fotos in einer Zip-Datei zusammenpacken.

Das können andere kostenlose Dateitausch-Plattformen wie Ge.tt und WeTransfer besser. Dort können die Nutzer mehrere Dateien parallel von der Festplatte hochladen. Auch ist Firefox Send im Gegensatz zur Konkurrenz nicht dafür gedacht, eine Datei an mehrere Nutzer gleichzeitig zu schicken. Bei Send geht es eher darum, einem Freund oder Kollegen eine Datei zukommen zu lassen, die für eine E-Mail zu groß ist.

Verschlüsselte Übertragung

Ein anderes Feature des neuen Dienstes dürfte für viele Nutzer interessant sein: Mozilla legt bei Firefox Send Wert darauf, dass der Upload sicher ankommt und nicht von anderen Nutzern abgegriffen werden kann.

Dafür liefern die Entwickler zwei Schutzmaßnahmen mit: Einerseits orientiert sich Mozilla an der Messenger-App Snapchat, bei der Nachrichten nach dem Öffnen gelöscht werden beziehungsweise Inhalte nach spätestens 24 Stunden verschwunden sind. Bei Send wird die Datei auf dem Server vernichtet, sobald jemand den Download-Link anklickt und die Datei auf seinen Rechner gezogen hat. Wenn niemand den Inhalt heruntergeladen hat, wird die Datei nach 24 Stunden vom Server entfernt.

Die zweite Sicherheitsvorkehrung: Alle Uploads werden verschlüsselt übertragen und erst beim Download wieder entschlüsselt. In diesem Fall ist Mozilla der Filesharing-Konkurrenz einen Schritt voraus. Auf anderen Websites werden die Dateien in der Regel offen im Netz abgelegt. Nach Angaben von Mozilla können auch die Mitarbeiter der Firma nicht sehen, was sich die Nutzer gegenseitig schicken.

Tool funktioniert nicht nur im Firefox-Browser

Die Anonymität hat aber ihre Grenzen. Denn Mozilla interessiert sich dafür, wie das Angebot genutzt wird. So werden der Dateiname und die Größe des Uploads an das Unternehmen übertragen. Außerdem schaut sich Mozilla an, wie oft ein Nutzer den Dienst für Uploads nutzt und wie lange die Dateien auf dem Server liegen bleiben.

Firefox Send ist kein Plug-in und funktioniert auch, wenn man nicht den Firefox-Browser benutzt. Die Webseite läuft auch mit Google Chrome und Microsoft Edge. Sobald man die Seite allerdings auf dem Safari-Browser lädt, erscheint eine Fehlermeldung - und der Vorschlag, man solle doch stattdessen Firefox installieren. Leider lassen sich auch keine Dateien vom Smartphone aus über die Website verschicken.

Firefox Send ist Teil des Betatest-Programms von Mozilla, Test Pilot genannt. Das bedeutet, dass das Tool noch nicht ganz ausgereift ist und eventuell auch mal nicht ganz perfekt funktioniert.

Der Download könnte schneller sein

Um die Geschwindigkeit zu messen, laden wir ein Video mit einer Größe von rund 350 Megabyte hoch. Verschlüsseln und Entschlüsseln geht sehr flott, die Berechnung dauert nur wenige Sekunden. Auch die Upload-Dauer von sieben Minuten ist auszuhalten. Die Datei wird bei unserem Test an einer VDSL-50-Leitung, die im Upload maximal zehn Mbit/s schafft, mit etwa sieben Mbit/s übertragen. Die Leitungskapazität wird also recht gut ausgenutzt.

Der Download dürfte allerdings gern schneller sein. Hier wird die Transfergeschwindigkeit auf gerade einmal 16 Mbit/s beschränkt. Ein Großteil der Bandbreite von 50 Mbit/s bleibt ungenutzt.

Fazit

Firefox Send eignet sich für alle, die schnell mal ein Filmchen an einen Freund verschicken wollen, deren Clip aber zu groß für den E-Mail-Anhang ist. Der verschlüsselte Upload sorgt für Sicherheit, und die Löschfunktion beim Download verhindert, dass die Datei in falsche Hände gerät und ewig im Netz rumgammelt. Wer allerdings mehrere Dateien auf einmal hochladen will, um sie seiner ganzen Familie zu schicken, sollte lieber eine andere Lösung suchen.

insgesamt 14 Beiträge
quark2@mailinator.com 06.08.2017
1.
Tja, irgendwie wärs mir lieber, die Leute würden sich eigene Domains bei 1&1 oder Strato oder so einrichten und einfach FTP bzw. SFTP verwenden. Dann hätte man die Daten komplett unter eigener Kontrolle und bräuchte keine [...]
Tja, irgendwie wärs mir lieber, die Leute würden sich eigene Domains bei 1&1 oder Strato oder so einrichten und einfach FTP bzw. SFTP verwenden. Dann hätte man die Daten komplett unter eigener Kontrolle und bräuchte keine US-Konzerne zu behelligen. Ja, ja, Mozilla ist kein Konzern ... ist aber derart von Google abhängig, daß man sich die Differenzierung sparen kann. Schon mal überlegt, warum man zwar wie 1995 Cookies blocken kann, die gleiche Funktionalität aber nie für Flash-, Silverlight-, HTML5-Cookies nachgerüstet wurde, um auch Supercookies wirksam zu blocken ? Wäre jetzt technisch nicht das Ding, aber echte Verhinderung der Verfolgbarkeit im Netz steht halt nicht oben an. Warum nur ? Da die Prioritäten also nicht auf Datenschutz liegen, würde ich so ein Tool sicher nicht nutzen, um noch dem Browserhersteller Infos darüber zu geben, mit wem ich Dateien tausche.
herman-pohl 06.08.2017
2.
klingt erstmal spannend, bietet aber nur Transportverschlüsselung und keine Autentifizierung des Benutzers in irgendeiner Form (jeder der den Link kennt kann die Datei VOR dem eigentlichen Adressaten runterladen) Die hier [...]
klingt erstmal spannend, bietet aber nur Transportverschlüsselung und keine Autentifizierung des Benutzers in irgendeiner Form (jeder der den Link kennt kann die Datei VOR dem eigentlichen Adressaten runterladen) Die hier genutzte Art der Verschlüsselung ist für mich nicht sinnvoll nutzbar
Echt jetzt 06.08.2017
3.
Kann die Bedenken und Einwände meiner Vorposter nicht so recht nachvollziehen. Diese Funktion ist wohl weder für Power-User gedacht, die sich mal eben eine eigene FTP-Domäne einrichten, noch für Geheimnisträger, die absolute [...]
Kann die Bedenken und Einwände meiner Vorposter nicht so recht nachvollziehen. Diese Funktion ist wohl weder für Power-User gedacht, die sich mal eben eine eigene FTP-Domäne einrichten, noch für Geheimnisträger, die absolute Sicherheit brauchen. Es geht wohl eher darum, mal eben mit einem Kollegen oder Freund möglichst unkompliziert eine Datei zu tauschen, die für e-Mail zu groß ist. Die Verschlüsselung und anschließende Löschung ist wohl eher als Zusicherung zu sehen, dass Mozilla nicht selbst mitließt und weniger, dass das ganze vor der NSA geschützt sein sollte. Das würde ja schon deshalb nicht ghen, da der entsprechende Link vermutlich in 99% der Fälle per unverschlüsselter e-Mail übertragen wird.
F9Race 06.08.2017
4.
@herman-pohl. 1. Annahme: Die Dateien sind auf dem Mozilla-Server verschlüsselt gespeichert Wenn ich es richtig deute, ist es nicht nur eine reine Transportverschlüsselung. Offenbar sind die auf dem Mozilla-Server abgelegten [...]
@herman-pohl. 1. Annahme: Die Dateien sind auf dem Mozilla-Server verschlüsselt gespeichert Wenn ich es richtig deute, ist es nicht nur eine reine Transportverschlüsselung. Offenbar sind die auf dem Mozilla-Server abgelegten Dateien ebenfalls verschlüsselt, sonst könnten die Mozilla-Mitarbeiter sie ja dort einsehen. Im Artikel steht aber, dass sie das nicht können. Freilich: Ob man das nun glaubt oder nicht, ist jedermanns eigene Sache, überprüfen lässt es sich nicht so leicht. Ich persönlich würde da aber der Mozilla-Stiftung recht weit über den Weg trauen. Aber wie gesagt: Das ist eine persönliche Entscheidung. 2. Annahme: Wenn was geklaut wird, merkt man es Es stimmt: Wenn jemand den Download-Link vor dem eigentlichen Adressaten in die Finger kriegt, kann er die abgelegte Datei abgreifen. Da sie dann aber auch gleich gelöscht wird, dürfte das bemerkt werden. Früher oder später wird ja entweder der Sender oder der Adressat erfahren, dass die Datei nicht angekommen ist. Also: Zumindest fliegt der Datendiebstahl auf. Das mag im Einzelfall freilich nur ein schwacher Trost sein...
Newspeak 06.08.2017
5.
Wenn ich die NSA waere, wuerde ich mir eine Firma suchen, die so eine Seite aufsetzt (oder besser noch selber eine Scheinfirma gruenden), um so Daten frei Haus geliefert zu bekommen. Sorry, aber wenn man heute eine Nachricht [...]
Wenn ich die NSA waere, wuerde ich mir eine Firma suchen, die so eine Seite aufsetzt (oder besser noch selber eine Scheinfirma gruenden), um so Daten frei Haus geliefert zu bekommen. Sorry, aber wenn man heute eine Nachricht sicher uebermitteln will, trifft man sich am Besten im Park. Oder schreibt von Hand einen Brief, den man persoenlich einwirft. Sobald Technik im Spiel ist, kann doch niemand, ausser ausgewiesenen Fachleuten, ueber gar nichts sicher sein.

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