Netzwelt
Montag, 22.07.2019   15:04 Uhr

Krieg der Zukunft

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas mal schreiben würde, aber: Die französische Armee hat ein paar Traumjobs zu vergeben. Eine Unterabteilung des französischen Verteidigungsministeriums sucht "vier oder fünf" Science-Fiction-Autoren, die sich Szenarien ausdenken sollen, in denen "disruptive" Technik von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren für Angriffe gegen den Staat eingesetzt wird.

So steht es in einem neuen Dokument der erst im vergangenen Jahr gegründeten Agence de l'innovation de défense. Die will ein "Red Team" aufbauen, das zu Ende denken soll, welche Bösartigkeiten heute schon möglich wären und wie man sich gegen sie verteidigen könnte. Oder wie es im Dokument heißt: "Innovationsanstrengungen durch Vorstellungskraft lenken".

Neil Hall/REUTERS

Vive la France!

"Red Teams" simulieren einen angreifenden Feind, in militärischen Planspielen oder auch in Penetrationstests, mit denen die technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen eines Unternehmens auf die Probe gestellt werden.

Die Autorinnen oder Autoren, die sich neuartige Angriffe auf Frankreich ausdenken sollen, müssen nicht einmal besonders talentiert sein, was ihre literarischen Fähigkeiten angeht. Denn ihre Werke sollen geheim bleiben, und ihren wenigen Lesern im Militär sollen sie notfalls einfach ein paar "zusammenfassende Notizen" schicken.

Ich finde die Idee richtig gut. Nicht zuletzt, weil ich selbst schon eine ähnliche hatte: Anfang 2018 schlug ich Facebook vor, einen Chief Devil Officer einzustellen, einen Teufel vom Dienst. Der sollte sich den ganzen Tag kreative Wege ausdenken, Facebooks Produkt oder Funktionen zu missbrauchen - bevor es jemand anderes tut.

Dass eine Armee nicht überrascht werden will, ist auch nachvollziehbar. Entscheidend dafür ist, dass sie die schnelleren Vordenker findet als die wirklichen Feinde Frankreichs.

Die Stellenausschreibungen der Agence de l'innovation de défense finden sich übrigens hier, falls jemand über einen Jobwechsel nachdenkt.

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Seltsame Digitalwelt: Die wahre Gefahr durch E-Scooter

Vor einigen Tagen überholte ich auf dem Fahrrad zwei junge Frauen, die offenbar zum ersten Mal E-Scooter ausprobierten. Dabei hörte ich eine von ihnen jammern: "Mein Handgelenk tut voll weh vom Gasgeben!"

Tags darauf stieg ich selbst zum ersten Mal auf einen der akkubetriebenen Tretroller, um die dazugehörige App und natürlich das Fahrgefühl kennenzulernen - und wusste schon nach wenigen Minuten, was die junge Frau gemeint hatte. Wer die Griffe etwas verkrampft anfasst, zum Beispiel auf leicht ruckeligem Untergrund, spürt das schnell im Handgelenk, insbesondere auf der Seite mit dem kleinen Gashebel.

Ich prognostiziere ein neues Krankheitsbild: Nach dem Tennisarm kam der Mausarm, dann der Handydaumen - und demnächst steht im Pschyrembel die Scooter-Hand.


App der Woche: "Flashback"
getestet von Tobias Kirchner

"Flashback" ist ein Stück Games-Geschichte. Als das Spiel in den Neunzigerjahren herauskam, waren die meisten Spielwelten bunt und die Geschichten, die erzählt wurden, simpel. "Flashback" versuchte hingegen, eine erwachsene und ernste Geschichte zu erzählen, die direkt aus einem Science-Fiction-Film kommen könnte: Der Held muss sich in einer fremden Galaxie behaupten.

Neben der Inszenierung war "Flashback" auch technisch ein Stück weit Pionierarbeit. Denn viele Spielhintergründe sind von Hand gezeichnet, und für die Animation der Figuren wurde eine damals neue Technik benutzt. Wer also Interesse an Videospiel-Geschichte und einem spannend inszenierten Klassiker hat, sollte "Flashback" eine Chance geben.

Für 4,49 Euro (Android) oder für 5,49 (iOS), von SFL Games: Android, iOS


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche.

Ihr Patrick Beuth

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rawpixel on Unsplash

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insgesamt 14 Beiträge
Aiakos 22.07.2019
1. Das geht auch einfacher
Einfach mal den 70er-Film "Die drei Tage des Condor" lesen. In dem Plot unterhält die CIA eine Lesestube, die aus allen irgendwo erschienenen Romanen gleich aus welchem Land neue nutzbare Ideen rausdestilliert. Genau so [...]
Einfach mal den 70er-Film "Die drei Tage des Condor" lesen. In dem Plot unterhält die CIA eine Lesestube, die aus allen irgendwo erschienenen Romanen gleich aus welchem Land neue nutzbare Ideen rausdestilliert. Genau so würde ich es UK auch empfehlen: Die letzten 50 Jahre wurde in der SF so viele herausragende Angriffs- und Abwehrszenarien entworfen, darauf können die festangestellten Autoren gar nicht kommen. Es würde einfach genügen, die existierende SF-Literatur zu lesen und die beschriebenen Szenarien zu bewerten. Ist billiger, geht schneller und führt zu besseren Ergebnissen.
ghp2 22.07.2019
2.
Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass es immer mehr e-Scooter geben wird und dann stellt da jemand in exakt der selben Sekunde alle auf Vollgas.
Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass es immer mehr e-Scooter geben wird und dann stellt da jemand in exakt der selben Sekunde alle auf Vollgas.
ChrisQa 22.07.2019
3. Gute Bewerbung
Jetzt noch auf französisch posten, dann klappt das. :-)
Zitat von ghp2Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass es immer mehr e-Scooter geben wird und dann stellt da jemand in exakt der selben Sekunde alle auf Vollgas.
Jetzt noch auf französisch posten, dann klappt das. :-)
three-horses 22.07.2019
4. Eigenartig die Menschen.
Echt bescheuert, die Sci Fiction Zukunft wird es nicht geben. Und wenn man so weiter macht, dann überhaupt keine. Man soll sich Gedanken machen wie man auch die Natur, das Grüne über die Klinke bringt und wie man die paar [...]
Echt bescheuert, die Sci Fiction Zukunft wird es nicht geben. Und wenn man so weiter macht, dann überhaupt keine. Man soll sich Gedanken machen wie man auch die Natur, das Grüne über die Klinke bringt und wie man die paar Pflanzen auch am Leben halten kann. Aber wenn diese Irren mit Panzern Roboten gegen das Klima ziehen wollen, ist auch gut, dann geht es schneller. Das man nicht Affe geblieben ist. Ab Morgen bis Abend frische Bananen, Urwald so herum und keine Sorgen.
mimas101 23.07.2019
5. tststs
Fies. Aber man kann sich ja vorstellen, so als Bewerbung gedacht und eine Almhütte in den Lavendelfeldern hätte ich auch ganz gerne, ein Hacker spült in windows einen zentralen Bug ein (malware tätete es auch), oder alle [...]
Fies. Aber man kann sich ja vorstellen, so als Bewerbung gedacht und eine Almhütte in den Lavendelfeldern hätte ich auch ganz gerne, ein Hacker spült in windows einen zentralen Bug ein (malware tätete es auch), oder alle Geldautomaten spucken plötzlich Massen an Geld bei gesperrten Kontoauszugsdruckern aus, oder Linux läuft nicht ungestört durch, oder das Handynetz legt sich flach (und alle Handyuser geraten dann, wie üblich mit stierem Blick aufs Display, ins ekstatische Zuckungen), oder Deutschland schickt als Eingreiftruppe AKK mit Panzern der Bundeswehr an die frz. Armee, oder das Draghi-Geld implodiert und alle stehen ohne Sou und Mark herum, oder Benzin wird verboten und plötzlich gibt es nur noch freie Rettungsgassen, oder es gibt die verbotene Deflation und alle Preise sinken, oder wir haben keine Kanzler*Innen mehr die noch eine Raute könnten, oder D.T. ereilt in fataler Herzschlag, oder der Iran (alternativ: USA) wird EWG-Mitglied, oder...
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