Netzwelt

Hollywood gegen illegale Kopien

Google fürchtet sich vor Suchmaschinen-Zensur

Die Filmindustrie plant weiter Netzsperren gegen illegale Kopien im Internet. Auch Suchmaschinen wie Google sollen in die Pflicht genommen werden. Das zeigen Dokumente aus dem Sony-Hack.

AFP

Protest gegen Online-Zensur in New York (2012): Hollywood ärgert sich über Suchmaschinen

Freitag, 19.12.2014   13:25 Uhr

Soll es etwa einen neuen Versuch geben, den Stop Online Piracy Act (Sopa) durchzubringen? Der umstrittene Gesetzesvorschlag galt nach heftigen Protesten eigentlich als erledigt. Doch nun zeigt sich Google alarmiert. Man sei "sehr besorgt über die jüngsten Berichte", heißt es in einem Blogbeitrag des Suchmaschinenbetreibers.

Demnach führe der Lobbyverband Motion Picture Association of America (MPAA) eine geheime Kampagne gegen Google, um die fehlgeschlagene Gesetzgebung für die Netzsperren-Initiative Sopa wiederzubeleben. Die MPAA helfe Jim Hood, dem Bundesstaatsanwalt aus Mississippi, rechtliche Argumente für einen erneuten Netzsperren-Vorstoß zu sammeln.

Nach Angaben von Google sei bereits ein Brief von Jim Hood mit mehreren Anschuldigungen beim Suchmaschinenkonzern eingetroffen. Das Dokument selbst habe Jenner & Block erstellt, die Anwaltskanzlei des Filmverbands MPAA. Der Staatsanwalt habe daran kaum noch etwas verändert.

Filmriesen gegen "Goliath"

Die Befürchtungen von Google, es könne einen erneuten Sopa-Vorstoß geben, gehen auf Dokumente aus dem Hackerangriff auf Sony zurück. Demnach schmieden die großen Filmkonzerne wie Universal, Sony, Fox, Paramount, Warner Bros. und Disney offenbar Pläne für eine erneute Offensive gegen Online-Piraterie. Ihren größten Gegner nennen sie "Goliath".

Dabei handelt es sich vermutlich um ein Codewort für Google. Das geht aus E-Mails aus dem Januar dieses Jahres hervor, die dem Techportal The Verge vorliegen. Laut diesen Dokumenten haben die Filmkonzerne jahrelang an Antworten auf die Goliath-Argumente gefeilt und daran, wie man "negative Schlagzeilen über Goliath verstärken" könne. Für die Kampagne sind die Filmstudios offenbar dazu bereit, pro Jahr eine halbe Million Dollar für rechtliche Unterstützung zu investieren.

Die Verhandlungen über das schwer umstrittene Sopa-Gesetz waren vor knapp drei Jahren im Januar 2012 gestoppt worden. Vor allem Film- und Musikindustrie unterstützten das Gesetz, um rechtliche Schritte gegen Online-Seiten einleiten zu können, die urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten und darauf verweisen.

Die Gesetzesinitiative scheiterte, nachdem sich im Silicon Valley und auch im Internet Widerstand formiert hatte. An dem Protest gegen Sopa beteiligten sich mehr als 115.000 Online-Unternehmen, neben Google auch Wikipedia, Facebook und Ebay. Die Sopa-Gegner kritisierten an dem Gesetz, dass es die Meinungsfreiheit einschränke und zur Zensur im Netz führe. Unter dem Hashtag #ZombieSOPA ruft Google die Netznutzer bei Twitter nun dazu auf, die Pläne für einen erneuten Sopa-Vorstoß zu kritisieren.

jbr

insgesamt 3 Beiträge
valhallariot 19.12.2014
1. Freudscher Verschreiber
Also wie die Abkürzung von SOPA ausgeschrieben wird müßte man doch noch mal überarbeiten: Auch wenn die USA dafür bekannt ist, die Online-Privatsphäre abschaffen zu wollen, so geht es bei SOPA doch eher um Online Piraterie. [...]
Also wie die Abkürzung von SOPA ausgeschrieben wird müßte man doch noch mal überarbeiten: Auch wenn die USA dafür bekannt ist, die Online-Privatsphäre abschaffen zu wollen, so geht es bei SOPA doch eher um Online Piraterie. (Privacy -> Piracy)
danielc. 19.12.2014
2. Zensur ist undemokratisch
Einerseits kann ich verstehen, dass die Urheber von Musik und Film ihr Geld wollen. Andrerseits sind die Hochrechnungen, die angestellt werden so maßlos Übertrieben, dass mir jegliches Einfühlungsvermögen abhanden kommt. Auch [...]
Einerseits kann ich verstehen, dass die Urheber von Musik und Film ihr Geld wollen. Andrerseits sind die Hochrechnungen, die angestellt werden so maßlos Übertrieben, dass mir jegliches Einfühlungsvermögen abhanden kommt. Auch wenn mancher Terabite-weise Filme oder Musik gesammelt hat, ist die Vorstellung, dass das mit verlorenen Gewinnen gleichgesetzt werden kann völlig Utopisch. Welcher Teenager hat soviel Geld, die entsprechende Menge an CDs, DVDs oder Bluerays zu kaufen? Früher wurde auf Kassette kopiert, heute auf Computer. Mit jedem Datenspeicher muss GEMA bezahlt werden, wie früher bei Leerkassetten. Streaming wirkt auf noch als eine gute Mittellösung.
derweltbuerger 19.12.2014
3. Freudscher Verschreiber
Lustig, dass sich gleich zu Beginn des Artikels ein Freudscher Verschreiber eingeschlichen hat: "Soll es etwa einen neuen Versuch geben, den Stop Online Privacy Act (Sopa) durchzubringen? [...]" Sollte wohl Piracy, [...]
Lustig, dass sich gleich zu Beginn des Artikels ein Freudscher Verschreiber eingeschlichen hat: "Soll es etwa einen neuen Versuch geben, den Stop Online Privacy Act (Sopa) durchzubringen? [...]" Sollte wohl Piracy, nicht Privacy, heißen. Aber würde natürlich auch gut passen und wäre wenigstens mal eine ehrliche Namensgebung für ein US-Gesetz ;)

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