Netzwelt
Montag, 05.11.2018   15:59 Uhr

Midterms in den USA

Liebe Leserin, lieber Leser,

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Morgen finden die Midterms in den USA statt - die Zwischenwahlen, in denen alle Sitze im Repräsentantenhaus, 35 der 100 Senatssitze sowie 36 Gouverneursposten neu vergeben werden. Seit Wochen stehen deshalb Facebook, Twitter und Google und ihre jeweiligen Tochterfirmen unter verschärfter Beobachtung, als potenzielle Arenen in der "Weltmeisterschaft in Informationskrieg", wie es Facebooks ehemaliger Sicherheitschef mal formulierte.

Einerseits gibt es gewisse Erfolge: Vergangenen Freitag etwa hat Twitter noch bestätigt, 10.000 Nutzerkonten gelöscht zu haben, die vorgeblich von den US-Demokraten stammten und Bürger zum Boykott der Wahlen ermutigten. Zuvor hat das US-Justizministerium Anklage erhoben gegen die Russin Jelena Chusjajnowa, wegen Einmischung in den Midterms-Wahlkampf über soziale Medien. Es ist die erste Anklage dieser Art.

MONICA DAVEY/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Facebooks "War Room"

Anderseits haben mittlerweile schon drei Teams von Journalisten nachgewiesen, dass Facebooks neues Transparenzsystem für politische Anzeigen kinderleicht zu manipulieren ist, ebenso wie YouTubes angebliche Schutzvorkehrungen. Reporter der "New York Times" fragen außerdem sinngemäß, was die Spezialisten in Facebooks "War Room" eigentlich beruflich machen, weil ihre Leser sie auf Tausende offensichtliche Falschmeldungen im sozialen Netzwerk hinweisen, für deren Bekämpfung Facebook seinen Raum doch angeblich eingerichtet hatte.

Und die US-Behörden reden zwar viel über den Umgang mit Desinformationskampagnen, aber "Politico" zufolge konnten sie sich bis zuletzt nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Wäre es sinnvoll, der Bevölkerung möglichst viel von Manipulationsversuchen zu erzählen oder lässt das sie erst recht an der Rechtmäßigkeit der Midterms zweifeln? Soll alles, was entdeckt wird, an die Öffentlichkeit, damit die eine informierte Entscheidung treffen kann, wie es das Heimatschutzministerium DHS möchte? Soll alles unter Verschluss bleiben, bis das FBI genug Beweismaterial für eine Anklage hat? Oder soll alles für immer geheim bleiben, damit die NSA nicht Gefahr läuft, Methoden und Quellen zu verraten? Solche Fragen sind laut "Politico" bis heute offen.

Für die EU ist das alles Anschauungsmaterial im Umgang mit Desinformation. Die Nervosität vor den Europawahlen im Mai 2019 steigt jedenfalls, sofern die vielen Einladungen zu entsprechenden Diskussionsveranstaltungen in meinem Postfach ein Gradmesser sind.

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Web Summit in Lissabon

In Lissabon beginnt heute der Web Summit, eine hochkarätig besetzte Konferenz zur Zukunft des Internets. World-Wide-Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee wird in seiner Eröffnungsrede einige Prinzipien zur gemeinsamen Verantwortung von Regierungen, Unternehmen und Bürgern für ein Internet vorstellen, das allen Menschen nützt. Meine Kollegin Angela Gruber ist vor Ort und wird berichten.

Seltsame Digitalwelt: Ein Königreich für einen Telekom-Kunden

Meine absolute Lieblingsband hat kürzlich ihre nächste Europatour angekündigt, die erste seit 2007. Sofort schrieben mir Freunde aus Köln, mit denen ich damals schon auf einem Konzert der Band war, dass wir uns unbedingt Karten besorgen müssten. Der Vorverkauf würde in drei Tagen starten und wenige Minuten darauf enden, weil dann alle Karten weg sein würden. Dann sah ich, dass Telekom-Kunden, die das sogenannte MagentaEINS-Paket für Festnetz, Internetfernsehen und Mobilfunk gebucht haben, exklusiv vorab zugreifen dürfen. Die Frage war nur: Kenne ich irgendjemanden, der sich so komplett einem Provider ausliefern mag?

REUTERS

Telekom-Logo

Ich fing an, herumzufragen. Die ersten Antworten im Originalwortlaut: Nee, No und Nope. Ich war kurz davor, offen auf Twitter zu fragen und eine Belohnung auszuloben für den ersten, der mir einen MagentaEINS-Nutzer bringt, da schrieben die Kölner: Ein "Kumpel" habe tatsächlich so einen Vertrag und habe uns sofort die Karten gesichert.

Viele andere hatten Pech, wenige Minuten nach dem allgemeinen Vorverkaufsbeginn waren wie erwartet alle Karten verkauft. Die Moral der Geschichte? Zu einem gut sortierten Freundeskreis gehören neben Steuerberatern, Anwälten, Handwerkern und einem, der Drucker einrichten und Daten wiederherstellen kann, unbedingt auch Kunden bestimmter Provider.


App der Woche: "Pfandgeben"
getestet von Tobias Kirchner

Christoph Reinders

Wer Pfand abgeben und es Leuten zukommen lassen will, die darauf angewiesen sind oder aus anderen Gründen Pfand sammeln, kann die App Pfandgeben nutzen. In der kostenlosen, werbefreien Anwendung werden je nach Standort Leute angezeigt, die Pfand entgegennehmen. Die Registrierung ist dabei auch ohne Smartphone via SMS möglich.

Wurde eine Person in der Nähe gefunden, kann noch die Pfandmenge angegeben werden. Alles Weitere wird dann mit einem Telefonat geklärt. Noch hat die App allerdings einen großen Nachteil. Denn bisher sind nur wenige Pfandempfänger in Großstädten wie Berlin registriert.

Gratis von Christoph Reinders, ohne In-App-Käufe: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche,

Patrick Beuth

insgesamt 3 Beiträge
Knossos 05.11.2018
1. Der EU soll es also an Anschauungsmaterial zu Desinformation bedürfen
Da können wir ja froh sein, daß verfälschende und exklusive Darstellung allein in Übersee vorkommt. Heißen Dank für die Aufklärung und dafür, daß wir beruhigt schlafen können! Haben Sie auch schon einmal Schlafmasken [...]
Da können wir ja froh sein, daß verfälschende und exklusive Darstellung allein in Übersee vorkommt. Heißen Dank für die Aufklärung und dafür, daß wir beruhigt schlafen können! Haben Sie auch schon einmal Schlafmasken (jene Stoffteile mit dem Gummiband) probiert, Herr Beuth? Ganz vorzüglich, um auch hellichten Tags und offenen Auges zu schlummern.
Knossos 05.11.2018
2.
Hier als Beispiel zu Integrität von Deutschland- und EU-Politik am Beispiel heutiger SPON-Schlagzeilen über Post-Kashoggi-Police und betäubungsloser Kastration von Tieren: Gar putzig, wie sich ansonsten umfänglich von [...]
Hier als Beispiel zu Integrität von Deutschland- und EU-Politik am Beispiel heutiger SPON-Schlagzeilen über Post-Kashoggi-Police und betäubungsloser Kastration von Tieren: Gar putzig, wie sich ansonsten umfänglich von Konsortien und Großbetrieben diktierte Agrarpolitik und Bürokratie zu Ausflüchten, jäh "gerade" der "kleinen Höfe" besinnt. Nicht erst für ein paar Prozent oder Promille ungeschmälerten Profits unaussprechliche Tierquälerei oder eben fortgesetzte Wirtschaftsdelegation für Saudi-Arabien, plakatieren unverdrossen, was regiert. 1971 sang Liza Minnelli zur Verzückung des Publikums, daß Geld die Welt drehe. Und anschließend, wie nach jedwedem Fingerzeig ergab sie sich alldieweil eben jenes Trotts. Die Welt. Denn jemand sagte einmal trefflich: "Herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden." Also liebe Ferkel und Spruch-Vieh (Der Eber ist stets verstimmt, weil alle seine Kinder Ferkel sind. Und nicht allein die Frau, die Sau alleine, auch die Verwandtschaft - alles Schweine) Zähne zusammengebissen und durch. Denn wat mut dat mut; nichwa.
Nonvaio01 05.11.2018
3. Russen Verklagt
koennen wir dann auch jetzt alle verklagen die sich einmischen und nicht in D leben oder deutsche sind? NGO's fallen mir da gleich mal ein. Verklagt die USA nun auch deutsche politiker weil die ja auch immer schoen ihre meinung [...]
koennen wir dann auch jetzt alle verklagen die sich einmischen und nicht in D leben oder deutsche sind? NGO's fallen mir da gleich mal ein. Verklagt die USA nun auch deutsche politiker weil die ja auch immer schoen ihre meinung zu den Presidentenschafts wahlen kund getan haben. kann jedes Land nun auch die USA verklagen die sich ja immer ueberall einmischen? Ich denke immer noch das man mehr Geld in Education stecken muss, dann hoert das mit dem einmischen auch auf. Wenn aber immer mehr an Education gespart wird, werden die Menscen eben immer dummer.
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