Netzwelt

Studie zum Online-Alltag

So nutzen Kinder das Internet

Was tun junge Menschen, wenn sie online gehen? Und wie oft sind sie im Netz? Eine Befragung zeigt, wie der Online-Alltag bei Kindern und Jugendlichen ab neun Jahren aussieht - und welche Sorgen ihre Eltern haben.

Getty Images/iStockphoto

Junge Smartphone-Nutzer: Viele sind weit mehr als eine Stunde täglich online

Donnerstag, 19.09.2019   16:06 Uhr

Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren sind pro Tag im Durchschnitt 2,4 Stunden online - und am Wochenende sind es gut drei Stunden. Das geht aus Erhebung des Hamburger Leibniz-Instituts für Medienforschung hervor, die unter anderem vom Uno-Kinderhilfswerk Unicef unterstützt wurde. Für die repräsentative Studie befragte das Institut 1044 Kinder und Jugendliche sowie jeweils einen Elternteil.

Diese Durchschnittswerte sind mit ein wenig Vorsicht zu betrachten - schließlich hängen die Angaben zum Beispiel stark davon ab, ob junge Menschen eigene internetfähige Smartphones, Tablets oder Computer haben.

Ältere Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren etwa gaben an, täglich 3,4 Stunden und am Wochenende vier Stunden im Internet zu sein. Bei 9- bis 11-jährigen Kindern lag der Tageswert bei 1,4 Stunden. 90 Prozent der 15- bis 17-jährigen Befragten gaben an, mindestens mehrmals täglich ein Smartphone zu nutzen, bei den 9- bis 11-Jährigen waren es 38 Prozent.

In einer Pressemitteilung zur Studie heißt es, die Ergebnisse würden zeigen, "dass nicht von DER Onlinenutzung und DEN Online-Erfahrungen gesprochen werden kann": "Je nach altersbezogener Entwicklungsphase und geschlechtsspezifischen Vorlieben, teilweise auch nach familiärem Hintergrund, entwickeln Kinder und Jugendliche ganz spezifische Muster des Umgangs mit Onlinemedien."

Austausch, Information und Ablenkung

Handy und Computer werden der Studie zufolge zur Kommunikation und Information genutzt, aber auch als Ablenkung. Ein Viertel der Jugendlichen gab an, sich im Netz mit anderen über Hobbys und gemeinsame Interessen auszutauschen. Ein Drittel informiert sich dort nach eigener Aussage über aktuelle Nachrichten.

Mädchen und Jungen sind im Schnitt ungefähr gleich lang online. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es aber auch Unterschiede, was die Netznutzung angeht: Mädchen informieren sich den Ergebnissen zufolge häufiger berufsbezogen und sind stärker in sozialen Netzwerken aktiv. Jungen verbringen dagegen mehr Zeit mit Onlinespielen.

Etwa die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen gab an, sich zu langweilen, wenn sie nicht online sein können. 28 Prozent berichteten, dass sie bereits mehrfach erfolglos versucht hätten, ihre Nutzungszeit zu reduzieren. 42 Prozent der Befragten gaben außerdem an, das Internet zumindest manchmal zu nutzen, obwohl sie im jeweiligen Moment gar kein Interesse daran hätten.

1044 Kinder und Jugendliche befragt

Letztere Zahlen klingen auf den ersten Blick alarmierend, vermutlich - die Studie liefert hier keinen Vergleichswert - würden aber auch Erwachsene Ähnliches berichten. Das Onlineverhalten, vor allem aber die Internet-Nutzungszeiten von Heranwachsenden und Erwachsenen zu vergleichen, ist allgemein ein schwieriges Unterfangen: Etwa, weil viele Erwachsene das Internet für ihren Beruf benötigen und allein deshalb mitunter viele Stunden am Tag online sind.

In der Befragung des Leibniz-Instituts gaben 62 Prozent der befragten Eltern an, mehrmals täglich das Internet zu nutzen. Der Anteil der Vielnutzer sei bei den Eltern ähnlich hoch wie bei den Kindern, heißt es. Menschen, die das Internet nie oder fast nie benutzen, machten nur ungefähr ein Prozent der Befragten aus.

Mehr als die Hälfte der Elternteile äußerte bei der Befragung die Angst, dass ihr Kind im Netz vom Fremden kontaktiert werden könnte. Jeder zweite befragte Elternteil befürchtete, dass der Nachwuchs ungeeignete Inhalte im Netz sieht.

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Neun Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gaben tatsächlich an, online etwas Schlimmes oder Verstörendes erlebt zu haben - davon waren Mädchen stärker betroffen als Jungen. Fast ein Drittel der befragten 12- bis 17-Jährigen erklärte auch, in den zurückliegenden zwölf Monaten ungewollt mit intimen oder anzüglichen Fragen konfrontiert worden zu sein.

Die Autorinnen und Autoren der Studie riefen angesichts der Ergebnisse zur Stärkung von Kinderrechten auf - auch mit Blick aufs Verhalten der eigenen Eltern. "Nicht alle Heranwachsenden heißen es beispielsweise gut, wenn ihre Eltern ungefragt Bilder von ihnen online veröffentlichen und verbreiten", heißt es von Uwe Hasebrink, Direktor des Leibniz-Instituts für Medienforschung. "Eine Sensibilisierung auch mit Blick auf die Rechte von Kindern wäre hier notwendig."

Kinder und Jugendliche, die im Netz verstörende oder schlimme Erfahrungen gemacht hätten, bräuchten nach Einschätzung der Forscher mehr Hilfsangebote und Begleitung. Auch müssten ihnen unter anderem Familie und Schule soziale Fähigkeiten für den Umgang mit dem Internet vermitteln, heißt es.

mbö/AFP

insgesamt 23 Beiträge
gusche 19.09.2019
1. Langeweile?
Schule aus -Hausaufgaben - Freunde zusammen trommeln - alle möglichen Spiele spielen - Zum Sportverein - ins Freibad - Fahrradfahren - in Arbeitsgemeinschaften tätig sein - im Winter Ski-, Schlittschuh- oder Schlittenfahren - [...]
Schule aus -Hausaufgaben - Freunde zusammen trommeln - alle möglichen Spiele spielen - Zum Sportverein - ins Freibad - Fahrradfahren - in Arbeitsgemeinschaften tätig sein - im Winter Ski-, Schlittschuh- oder Schlittenfahren - Schneehöhle bauen - u.s.w., u.s.f. Lange Weile kam bei uns nie auf. Wir hatten immer zu tun, dass wir zum Abendbrot rechtzeitig zu Hause waren. War natürlich alles vor der Zeit des Smartphones. Man muss aber schon den Hintern hoch bekommen sonst wird das nichts. Möglichkeiten gibt es genug. Die Jugend kann sich ja ausnahmsweise mal im Smartphone über Angebote informieren.
wrkffm 19.09.2019
2. Übersättigung
Zu meiner noch analogen Jugendzeit, fing z.B. das Fernsehprogramm erst ab 14 Uhr an, um ca.1 Uhr Nachts dann nur noch Testbild und Spielekonsolen gab´s damals noch nicht. Also ab in die Kneipe um die Ecke und Billard oder Flipper [...]
Zu meiner noch analogen Jugendzeit, fing z.B. das Fernsehprogramm erst ab 14 Uhr an, um ca.1 Uhr Nachts dann nur noch Testbild und Spielekonsolen gab´s damals noch nicht. Also ab in die Kneipe um die Ecke und Billard oder Flipper spielen, denn Spielsalons gab es erst nur ganz vereinzelt. Heutzutage gibt´s tausende Comuterspiele für Handy/PC , Social Media und Events ohne Ende. Früher gab´s am Samstags halt noch den Discoabend und ein paar Dorffeste im Jahr; das war´s dann eigentlich auch schon. Das heutige Überangebot überfordert viele, oder es wir mit der Zeit halt auch langweilig.
minion-bopoy- 19.09.2019
3. @gusche
Ja ja. Ihre Jugend war die perfekte. Und sie sind auch nie im Kino gewesen oder haben Fern gesehen oder wie auch immer in Ihrer Jugend die aktuellen Hi-Tech Medien aussahen. Vielleicht haben sie auch Mensch-Ärgere-Dich-Nicht [...]
Ja ja. Ihre Jugend war die perfekte. Und sie sind auch nie im Kino gewesen oder haben Fern gesehen oder wie auch immer in Ihrer Jugend die aktuellen Hi-Tech Medien aussahen. Vielleicht haben sie auch Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gespielt. Am Ende alles eine Ablenkung und seitlich betrachtet auch oft ein Spiel. Aber früher, in Ihrer Jugend, war alles wunderbar. ??
holzghetto 19.09.2019
4. nunja
online zu sein gehört egal welcher Nutzung heute zum normalen Leben dazu. Wenn ich noch daran denke das wenn ich mit meinen Großeltern vor 30-35 Jahren auf dem Campingplatz im Urlaub war, konnte man erst nach 18 Uhr billig für [...]
online zu sein gehört egal welcher Nutzung heute zum normalen Leben dazu. Wenn ich noch daran denke das wenn ich mit meinen Großeltern vor 30-35 Jahren auf dem Campingplatz im Urlaub war, konnte man erst nach 18 Uhr billig für 1DM ca. 5-6 Minuten aus der Telefonzelle mit den Eltern telefonieren. Die Schlange um die Zeit kann sich jeder dazu denken. Dank der neuartigen Smartfones heutzutage braucht man wenn man im Urlaub ist halt nur einen Laptop um per Wlan-Hotspot online zu kommen. Mache ich gerne wenn ich in der Ferienwohnung meiner Eltern bin. Einen älteren Lappy hab ich dort gelassen damit egal wer dort gerade ist, jederzeit bequem online gegangen werden kann. Zudem habe ich eine Allnetflat auf dem Handy und kann egal wann mit egal wem telefonieren. SMS ist out es gibt ja genügend Messengeralternativen. Wie anfangs geschrieben: online gehört mittlerweile zum normalen Leben dazu! Weitere Aspekte: Meine Alarmanlage hier zuhause ist online geschaltet. Sollte hier wer einbrechen werde ich ratzfatz informiert und habe ganz schnell 110 angerufen. Wer bitte möchte auf soetwas verzichten? Klar wurden auch wir als Kids damals kritisch beäugt wenn wir am C64 oder Amiga gespielt oder programmiert haben, es war unbekannt. Und heute? Besitzt jeder Haushalt einen PC. Ist das etwa auch schädlich?
muskat51 19.09.2019
5. Und wieder mal
sind die Fragen der Umfrage so dämlich, dass die Antworten niemandem nützen. Nur EIN Beispiel: Um ein Hörbuch zu hören, kann ich eine CD in einem CD-Spieler benutzen, eine Audio-Datei in einem Audio-Player oder in einem PC [...]
sind die Fragen der Umfrage so dämlich, dass die Antworten niemandem nützen. Nur EIN Beispiel: Um ein Hörbuch zu hören, kann ich eine CD in einem CD-Spieler benutzen, eine Audio-Datei in einem Audio-Player oder in einem PC oder in einem Smartphone, oder ich kann es mittels PC oder Smartphone über Internet streamen, um die meistbenutzten (längst nicht alle) Möglichkeiten aufzuzählen. Für mich ist es jedesmal "Hörbuch hören". Für die hysterischen Erfinder der sinnlos-Statistiken ist es mal offline, mal (Download) kurze Internetnutzung, mal (Streaming) lange Internetnutzung, mal hat es nichts mit Computern zu tun, mal ist es Computernutzung und mal Smartphonegedaddel. Deshalb macht so ein Alarmismus nur die Jugend madig, ohne dass man abschätzen kann, ob zu recht oder nicht. Ach ja, ich bin 68 und sehe genug Jugendliche, um die man sich wohl nicht sorgen muss.

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