Netzwelt

Gesichtserkennung

Agentur scannt angeblich heimlich Fans bei Taylor-Swift-Konzert

Bei einem Auftritt der Popsängerin Taylor Swift sind offenbar heimlich die Gesichter von Konzertbesuchern gefilmt und mit einer Datenbank abgeglichen worden. Gesucht wurde wohl nach Stalkern.

AP

Konzert von Taylor Swift (Archiv)

Von
Donnerstag, 13.12.2018   15:05 Uhr

Versteckte Kamera im Stadion: Eine Konzertagentur hat offenbar heimlich Fans von Taylor Swift gefilmt und eine Software die Gesichter analysieren lassen. Auf einem Bildschirm an einem Kiosk seien demnach Videos von Konzertproben gezeigt worden. Eine versteckte Kamera hinter dem Display habe dabei die Gesichter aller Besucher gefilmt, die sich diese Videos anschauten.

Das geht aus einem Bericht des Musikmagazins "Rolling Stone" hervor. Der Autor bezieht sich dabei auf den Sicherheitschef der Veranstaltungsagentur Oak View Group. Der Mitarbeiter der Agentur sei selbst vor Ort gewesen, um die Software zu testen. SPIEGEL ONLINE hat bei der Agentur und beim Management der Künstlerin nachgefragt, eine Antwort steht jeweils noch aus.

Dem Bericht zufolge sollen die Bilder der Fans an einen Server in Nashville geschickt worden sein, wo sie mit den Einträgen in einer Datenbank abgeglichen wurden. Dort seien die Gesichtsmerkmale der Besucher mit Fotos von Hunderten Personen verglichen worden, die als Stalker der Sängerin bekannt sind. Die Künstlerin hatte in der Vergangenheit mehrmals mit massiven Stalking-Attacken zu kämpfen.

Tech-Konzerne sorgen sich um Privatsphäre der Nutzer

Grundsätzlich ist Gesichtserkennung eine heikle Maßnahme, um Besucher zu identifizieren. Schließlich müssen die Daten für einen Abgleich gespeichert werden - was schon allein brisant ist, weil viele Nutzer ihr Gesicht als Passwort verwenden und beispielsweise ihre Smartphones damit entsperren. Sollten die Daten in die falschen Hände gelangen, können Nutzer kaum etwas dagegen unternehmen und müssen auf ihr Gesicht als Passwort verzichten.

Das Problem: In den USA gibt es bisher wenige Datenschutzregeln für Gesichtserkennung. Das gilt vor allem für Konzerte, die als private Veranstaltung dem Veranstalter das Hausrecht überlassen. Daher sorgen sich mittlerweile sogar große Tech-Unternehmen, die Geld mit Gesichtserkennung verdienen, um die Privatsphäre der Nutzer. Microsoft hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, endlich politische Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesichtserkennung zu regulieren.

Ansonsten ist der großflächige Einsatz der Technologie kaum noch zu stoppen. So hat etwa der US-Kartenanbieter Ticketmaster im Mai angekündigt, die Software Blink Identity einzusetzen, um Fans schneller durch Drehkreuze am Eingang zu schleusen (PDF). In Bruchteilen einer Sekunde erfasst das System die Gesichter und stellt fest, ob der Fan ein gültiges Ticket besitzt.

In Deutschland könnte so eine Aktion teuer werden für den Veranstalter: Seit Mai dieses Jahres gilt in Europa die Datenschutz-Grundverordnung. Wer heimlich Besucher eines Konzertes filmt, verstößt gegen die Regeln. Wer Personen filmen und sensible Daten wie Gesichter scannen möchte, muss beispielsweise deutlich auf dem Ticket darauf hinweisen und angeben, wie lange die Informationen gespeichert werden.

insgesamt 1 Beitrag
alt-nassauer 13.12.2018
1. Das ist ja "weniger" Lustig...
Da beschwert sich ein "Persönchen" in der Öffentlichkeit und auch nur von diese Öffentlichkeit hat sie zu Ruhm und Reichtum geführt. Das man ihre Musik in keiner Datei bzw. auf einem Server wieder finden soll. Da ist [...]
Da beschwert sich ein "Persönchen" in der Öffentlichkeit und auch nur von diese Öffentlichkeit hat sie zu Ruhm und Reichtum geführt. Das man ihre Musik in keiner Datei bzw. auf einem Server wieder finden soll. Da ist ja ja schon wieder auf dem Boden der Tatsachen, weil mit CD Verkauf gibt es nichts mehr. Weil sie ihre Künstlerische Freiheit in Gefahr gesehen hatte bzw. ihr Kontrollverlust über Einnahmen. Sie bzw. wäre auf solche Vermarktung nicht angewiesen... Da geht gleiches "Persönchen" hin, wohl mit ihrem Management in Absprache und scannt "ihre" Besucher und macht einen Datenabgleich mit einer Datenbank. Merken hier einige nicht mehr was sich so kleine "Persönlichkeiten" sich so einbilden. Sie sollte sich nicht mehr Öffentlich bewegen, dann wird sie auch nicht gestalkt. Als Bibliothekarin oder Lehrerin wäre sie so unbedeutend Unbekannt. Würde so eine Person gestalkt, wäre es wohl Sache der Polizei und nicht bei einer Veranstaltung eigenmächtig! Ja man hat es ja Dank der Öffentlichkeit... Vorsicht bei der Berufswahl und wenn der Ruhm zu Kopfe steigt. Man es nicht merkt, das das Leben eben nicht immer "Zuckersüß" ist! Aber so ist eben die USA! Hoffentlich landen die Gesichter in einer "falschen" Datenbank und in falschen Hände!

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