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Australien

Riesenochse entgeht Schlachter - er passt nicht ins Auto

Eigentlich hätte Ochse Knickers bei einer Auktion versteigert werden sollen - doch dafür war er zu hoch und zu schwer. In Australien wird er nun als Riesen-Star gefeiert. Ein Anruf bei seinem gestressten Besitzer.

Foto: Channel 7s Today Tonight via AP
Von , Sydney
Mittwoch, 28.11.2018   14:28 Uhr

Geoff Pearson ist in diesen Tagen ein vielbeschäftigter Mann. Am Mittwochnachmittag sitzt der Landwirt im Auto, zwischen zwei Terminen hat er Zeit für ein kurzes Gespräch. Sein Telefon stehe seit Tagen nicht mehr still, sagt der 48-Jährige. Los ging es mit Berichten in lokalen Medien, dann wurde australienweit über ihn berichtet, inzwischen auch im Ausland, "und jetzt auch noch Deutschland, das toppt es". Das heißt, streng genommen geht es nicht um Pearson. Sondern um eins seiner zahlreichen Rinder.

Das Tier trägt den Namen Knickers, was ein deutlich hübscheres Wort ist als die deutsche Übersetzung: Schlüpfer. Knickers ist ein sieben Jahre altes, kastriertes Holstein-Rind. Pearson kaufte es vor sechs Jahren, er betreibt im Bundesstaat Western Australia rund 130 Kilometer südlich von Perth eine Rinderfarm. Der Grund, warum Knickers derzeit so viel Aufmerksamkeit bekommt, ist seine stattliche Statur. Er wird als der Ochse gefeiert, der zu riesig für den Schlachthof ist.

SPIEGEL ONLINE: Hallo Herr Pearson, Ihr Knickers entwickelt sich ja gerade zu einer kleinen Berühmtheit...

Geoff Pearson: Stimmt. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Es ist total verrückt. Wir wollten Knickers vergangenen Monat auf einem lokalen Markt versteigern, das Geld hätte für einen guten Zweck an Farmer gehen sollen, die von der schweren Dürre im Land betroffen sind. Aber als wir Knickers für die Auktion registrieren wollen, haben sie uns gesagt, dass er nicht zugelassen werden kann.

Channel 7s Today Tonight via AP

Knickers umringt von der Herde in der Nähe des australischen Lake Preston

SPIEGEL ONLINE: Warum denn das?

Pearson: Er war einfach zu groß für die Schlachter. Es wäre zu schwierig gewesen, ihn zu transportieren. Knickers ist 1,94 Meter hoch und wiegt 1400 Kilogramm. Für Knickers war das wohl ein Glücksfall.

Mit diesen Maßen gilt Knickers als einer der schwersten Ochsen der Welt. Laut Guinness-Buch der Rekorde hält derzeit Bellino aus Italien den Titel. Als er 2010 gemessen wurde, brachte er es auf 2,027 Meter. Der australische Knickers ist nah dran.

SPIEGEL ONLINE: Der Schlachter bleibt Knickers also erspart. Wie sieht seine Zukunft stattdessen aus?

Pearson: Knickers hat zuletzt so viel Aufmerksamkeit bekommen, da müssen wir unsere Pläne noch mal überdenken. Wir haben viele Möglichkeiten. Aber ich will noch keine Entscheidung treffen, das muss sich erst mal alles setzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber ein paar Ideen haben Sie?

Pearson: Knickers hat noch etwa zwei bis drei Jahre zu leben schätze ich. Und ich kann mir vieles vorstellen. Vielleicht wird er bei Shows auftreten. Vielleicht bauen wir eine Statue für ihn. Vielleicht lebt er auch glücklich bis an sein Lebensende auf unserer Farm, und ab und zu kommen Menschen vorbei, die ihn sehen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Ein Ochse namens "Schlüpfer" als Touristenattraktion... Wie kam er denn zu dem Namen?

Pearson: Knickers war anfangs eng mit einem anderen Tier auf der Farm befreundet, es war ein Brahman-Rind, das wir "Bra" nannten (das englische Wort für BH - Anm. d. Red.). Dazu passend kam dann der Schlüpfer hinzu.

insgesamt 7 Beiträge
jujo 28.11.2018
1. ...
Nette Geschichte und gute PR. Aber wo ist das Problem? Wo ein Wille ist auch ein Weg, sprich größeres Fahrzeug oder eine Schlachtung und Zerlegung vor Ort.
Nette Geschichte und gute PR. Aber wo ist das Problem? Wo ein Wille ist auch ein Weg, sprich größeres Fahrzeug oder eine Schlachtung und Zerlegung vor Ort.
eule_neu 28.11.2018
2. Eine wertvolle Naturlaune ...
Ein Tier für die Wissenschaft und nicht für den Schlachter. Was besagen die Gene dieses Tieres? Leider ist er kastriert, aber trotzdem müsste es Samen geben. Mancher Bauer wäre froh, solche "Riesen" zu besitzen, [...]
Ein Tier für die Wissenschaft und nicht für den Schlachter. Was besagen die Gene dieses Tieres? Leider ist er kastriert, aber trotzdem müsste es Samen geben. Mancher Bauer wäre froh, solche "Riesen" zu besitzen, könnte er seine Herde doch kleiner halten und hätte trotzdem einen guten Ertrag zu erwarten ...
themistokles 28.11.2018
3.
Nun ja, dass ab und zu mal ein Lebewesen größer bzw. weitaus größer, wie seine Artgenossen wird, ist jetzt nicht so ungewöhnlich. Wir Menschen sind das beste Beispiel. Ob die Bauern froh wären, sei ebenfalls mal [...]
Zitat von eule_neuEin Tier für die Wissenschaft und nicht für den Schlachter. Was besagen die Gene dieses Tieres? Leider ist er kastriert, aber trotzdem müsste es Samen geben. Mancher Bauer wäre froh, solche "Riesen" zu besitzen, könnte er seine Herde doch kleiner halten und hätte trotzdem einen guten Ertrag zu erwarten ...
Nun ja, dass ab und zu mal ein Lebewesen größer bzw. weitaus größer, wie seine Artgenossen wird, ist jetzt nicht so ungewöhnlich. Wir Menschen sind das beste Beispiel. Ob die Bauern froh wären, sei ebenfalls mal dahingestellt. Solche Riesen erfordern vollkommen andere Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Haltung. Bei Tieren wohlgemerkt, die sowieso nicht lange leben (dürfen).
ro-bayer 28.11.2018
4. Laßt doch den Riesen-Kerle in Ruh´
halte es hier deutlich mit der Aussage von Nr. 2 - ein Naturphänomen, das nicht auf irgendeinem Teller landen darf. Vorschlag an die Australier heute - Knickers-watching statt steak blutig.
Zitat von jujoNette Geschichte und gute PR. Aber wo ist das Problem? Wo ein Wille ist auch ein Weg, sprich größeres Fahrzeug oder eine Schlachtung und Zerlegung vor Ort.
halte es hier deutlich mit der Aussage von Nr. 2 - ein Naturphänomen, das nicht auf irgendeinem Teller landen darf. Vorschlag an die Australier heute - Knickers-watching statt steak blutig.
browserhead 28.11.2018
5. Systemrelevant?
Der Kerl hat es geschafft: zu groß für das übliche Verfahren. So ähnlich machen die Banken das auch, der Staat kann die Riesendinger nicht sterben lassen und muss sie mit Steuermitteln aufpäppeln- systemrelevant eben.
Der Kerl hat es geschafft: zu groß für das übliche Verfahren. So ähnlich machen die Banken das auch, der Staat kann die Riesendinger nicht sterben lassen und muss sie mit Steuermitteln aufpäppeln- systemrelevant eben.
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