Panorama

Germanwings-Absturz

Der Tag der Trauer

Am Tag nach dem Absturz des Germanwings-Airbus A320 trauern die Angehörigen um die Toten. Kanzlerin Merkel verspricht am Unglücksort Aufklärung. Helfen könnte die Audiodatei, die Ermittler aus einem Stimmenrekorder gesichert haben.

Foto: DPA
Mittwoch, 25.03.2015   20:16 Uhr

Paris/Seyne-les-Alpes - Seit dem frühen Morgen flogen die Helikopter durch die französischen Alpen Richtung Absturzstelle von Flug 4U9525, kreisten über dem Hochgebirgsmassiv. Die Suche nach Hinweisen, was den Germanwings-Airbus A320 zum Absturz brachte, ist schwierig. Das Gebiet ist etwa so groß wie drei Fußballfelder, es ist zerklüftet, der Boden wenig trittsicher, die Abhänge sind steil.

Langsam kommen die Ermittler voran, sammeln mühselig Trümmerfragmente, die helfen könnten, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Auch deutsche Spezialisten helfen.

Was geschah an Bord von Germanwings-Flug 9525 in den acht Minuten vor dem Absturz, in denen die Maschine fast 10.000 Meter Höhe verlor? Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft von Marseille wegen fahrlässiger Tötung. Die Flugüberwachung habe kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen, sagte Staatsanwalt Brice Robin. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen die deutschen Ermittlungen.

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Germanwings-Unglück: Komplizierte Bergung in den französischen Alpen
Nachdem erste Theorien die Runde machten, meldet am frühen Abend dann der Chef der französischen Untersuchungsbehörde BEA, Rémy Jourty, einen ersten, kleinen Erfolg. Man habe eine Audiodatei des Stimmrekorders aus dem Cockpit extrahieren können. Sie sei wohl vollständig erhalten.

"Sind deutsche Stimmen zu hören? Waren die Piloten noch bei Bewusstsein? Sind bis zuletzt Stimmen zu hören?" Auf die vielen Fragen können die Ermittler bei einer Pressekonferenz noch keine Antworten geben. Es sei viel zu früh, Schlussfolgerungen aus den Stimmen und Geräuschen zu ziehen. Eine vollständige Untersuchung dauere normalerweise Monate. "Aber", sagte Jourty, "wir sind optimistisch, dass wir mit der Audiodatei weiterkommen."

Klar scheint nur, dass die Germanwings-Maschine nicht in der Luft explodierte. "Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen", so der BEA-Chef. Es habe also keine Explosion gegeben. Der Flugdatenschreiber bleibt jedoch weiter verschwunden. Man habe lediglich die Hülle gefunden.

REUTERS

Mariano Rajoy, François Hollande und Angela Merkel am Unglücksort

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich einen eigenen Eindruck von der Absturzstelle. Nach einem Flug im Helikopter über den Unglücksort, dankte sie den Helfern und gedachte den Opfern. "Es ist eine wahrhafte Tragödie, das hat uns der Besuch heute noch einmal vor Augen geführt", sagte Merkel.

Merkel lobt "gelebte dt.-frz. Freundschaft", dankt Hollande im Namen v. " Millionen Deutschen" #Germanwings #4U9525 pic.twitter.com/7ruQgbp3RG

Christoph Seidler (@chs42) 25. März 2015
Die Bundeskanzlerin, Frankreichs Präsident François Hollande und Spaniens Präsident Mariano Rajoy versprachen, alles zu tun, um die Ursachen für das unfassbare Unglück aufzuklären. "Ich möchte dir danken, François, im Namen von Millionen Deutschen", sagte Merkel.

Auch Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, besuchte die Unglücksregion. Von den 72 deutschen Toten kamen 50 aus NRW. Kraft zeigte sich tief bestürzt. "Es ist eine wahnsinnige Katastrophe, wenn man sieht, wie die Überreste verteilt sind. Man kann es sich nicht vorstellten, wenn man es nicht gesehen hat", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Unter den Todesopfern sind auch 16 Schüler und zwei Lehrer des Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See. Sie hatten knapp eine Woche in der Nähe von Barcelona verbracht und dort einen Sprachkurs gemacht. Die Schule, die ganze Stadt trauert um die Verstorbenen. Am Morgen hatte die Schule allen Mitschülern offen gestanden, viele hatten sich zu Andachten zusammengefunden, verabschiedeten sich von den Mitschülern, sprachen mit Notseelsorgern.

Getty Images

Eingang zum Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See: Trauer um Mitschüler

Auf der Schultreppe brannten viele Kerzen. "An unserer Schule wird nichts mehr so sein, wie es vorher war", sagte Direktor Ulrich Wessel. Ein Plakat auf dem Schulgelände fasste das Gefühl der Trauer zusammen: "Gestern waren wir viele. Heute sind wir allein."

gam/dpa/AFP

insgesamt 24 Beiträge
auf_dem_Holzweg? 25.03.2015
1. nur eine Frage zur
was, bitte WAS dauert so lange um diese abzuspielen? Es ist auch angeblich immer dasselbe mit den Flugschreibern - Auswertungen dauern da schon mal gerne ein paar Monate bis Jahre, meist so lange bis keiner mehr zum Thema [...]
was, bitte WAS dauert so lange um diese abzuspielen? Es ist auch angeblich immer dasselbe mit den Flugschreibern - Auswertungen dauern da schon mal gerne ein paar Monate bis Jahre, meist so lange bis keiner mehr zum Thema nachfragt. Kann mich da bitte mal jemand aufklären?
w_smith 25.03.2015
2. Audiodateien
Warum wird überall so um den heißen Brei herum geredet, warum wird nicht einfach gesagt was die Piloten denn sagen bzw. was man da hören kann niemand verlangt nach Schlussfolgerungen.
Warum wird überall so um den heißen Brei herum geredet, warum wird nicht einfach gesagt was die Piloten denn sagen bzw. was man da hören kann niemand verlangt nach Schlussfolgerungen.
Neapolitaner 25.03.2015
3. Sollen sie die Aufnahme ins Netz stellen
Jedenfalls die Zeit ab 10:25 bis 10:47. Dann kann sich jeder selbst ein Bild machen. Wäre am besten, um Verschwörungstheorien vorzubeugen. Die Schlusslaute auf dem Band müssten in jedem Fall "Terrain!" "Pull [...]
Jedenfalls die Zeit ab 10:25 bis 10:47. Dann kann sich jeder selbst ein Bild machen. Wäre am besten, um Verschwörungstheorien vorzubeugen. Die Schlusslaute auf dem Band müssten in jedem Fall "Terrain!" "Pull Up!" lauten, da in unmittelbarer Bodennähe diese Warnsignale zu hören sind.
joG 25.03.2015
4. mir wäre lieber der Absturz würde. ...
....von der Polizei eines Landes unternommen, das nicht an Airbus beteiligt wäre. Wie will man der Elektronik dieser Flugzeuge vertrauen bei einem so gravierenden Interessenkonflikt?
....von der Polizei eines Landes unternommen, das nicht an Airbus beteiligt wäre. Wie will man der Elektronik dieser Flugzeuge vertrauen bei einem so gravierenden Interessenkonflikt?
silverstar113 25.03.2015
5. Die BEA
ist eine Untersuchungsbehörde. Glauben sie wirklich die hören sich den Stimmen-Recorder an und geben dann den genauen Wortlaut an die Presse weiter? Die müssen dort die Absturzursache ermitteln und nicht die Presse oder [...]
ist eine Untersuchungsbehörde. Glauben sie wirklich die hören sich den Stimmen-Recorder an und geben dann den genauen Wortlaut an die Presse weiter? Die müssen dort die Absturzursache ermitteln und nicht die Presse oder neugierige Menschen mit Informationen füttern. Wenn die mit ihren Ermittlungen fertig sind, wird es einen Abschlussbericht geben und dann wird dieser veröffentlicht. Das Unglück ist gerade ein Tag alt und die Opfer sind zum größten Teil noch nicht geborgen worden. Jedoch schreibt jeder nur warum gibt es diese Technik oder jene Technik noch nicht im Flieger? Warum dauert es so lange die Daten auszuwerten? Wir sollten vielleicht den Opfern gedenken und Anteil am Schmerz der Angehörigen nehmen, denn das ist das Einzige und Beste was wir in diesem Moment machen können.

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Notfallnummern Germanwings-Absturz

Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890

Flugzeugunglücke bei Lufthansa und Tochterunternehmen

 
Der letzte Absturz einer Passagiermaschine der Lufthansa liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Das Unglück in Frankreich ist der erste Totalverlust eines Flugzeugs bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Hier eine Liste von Flugzeugunglücken des Lufthansa-Konzerns.
(Quelle: dpa)
Januar 1959
36 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Super Constellation in der Bucht von Rio der Janeiro (Brasilien)
Dezember 1961
3 Tote beim Absturz während des Testfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B südlich von Mainz
Juli 1964
3 Tote beim Absturz während des Übungsfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B nahe Petersdorf (Rheinland-Pfalz)
Januar 1966
46 Tote beim Absturz einer Convair 440 Metropolitan der Lufthansa am Flughafen Bremen
Dezember 1973
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 beim Landeanflug auf Neu Delhi (Indien)
November 1974
59 Tote beim Absturz eines Lufthansa-Jumbo Jets kurz nach dem Start vom Flughafen Nairobi (Kenia)
Juli 1979
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 an einem Berg nahe Rio de Janeiro (Brasilien)
Januar 1988
16 Tote beim Absturz einer Boeing 737 der Lufthansatochter Condor bei Izmir (Türkei)
Januar 1993
4 Tote beim Absturz einer im Auftrag der Lufthansa fliegenden Dash 8-300 der Contact Air vor der Landebahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulle
September 1993
2 Tote, als eine A320 im polnischen Warschau über die Landebahn hinausschoss.
Juli 1999
5 Tote beim Absturz eines Flugzeugs der Lufthansa-Tochter Cargo India nach dem Start von Kathmandu (Nepal)

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