Panorama

Vier Tote bei Unfall mit SUV

Bürgermeister von Berlin-Mitte kritisiert "panzerähnliche Autos"

Im Fall des tödlichen Verkehrsunfalls mit einem Geländewagen in Berlin hat sich der zuständige Bezirksbürgermeister zu Wort gemeldet: Er findet, SUVs hätten in der Stadt nichts zu suchen.

Foto: Paul Zinken/dpa
Samstag, 07.09.2019   17:47 Uhr

Noch gibt es keine genauen Hinweise zu der Ursache des tragischen Unfalls in Berlin-Mitte. Ein Fahrer kam mit seinem SUV am Freitagabend von der Straße ab und geriet auf den Gehweg. Vier Personen starben, drei wurden schwer verletzt.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Sportgeländewagen vom Typ Porsche Macan - der zuständige Bezirksbürgermeister kritisiert nach dem Unfall nun diese schweren Pkw-Modelle: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt", sagte Stephan von Dassel (Grüne). "Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige."

Jörg Carstensen/ picture-alliance/ dpa

Grünen-Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel will keine Geländewagen in Berlin sehen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einem schrecklichen Unfall. "Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden." Ähnlich äußerte sich von Dassel.

Nach bisherigen Informationen kam der 42-jährige Fahrer mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und überfuhr vier Menschen sowie mehrere Poller und einen Ampelmast. Das Fahrzeug mit drei Insassen kam erst zum Stehen, nachdem es einen Baustellenzaun durchbrochen hatte. Neben einem Kleinkind erlagen zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren sowie eine 64-jährige Frau am Unfallort ihren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Sie ging von einem "tragischen Verkehrsunfall" aus.

Der Autofahrer wurde am Kopf verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Mit ihm im Auto saßen eine 67-jährige Frau und ein sechs Jahre altes Mädchen, beide waren laut Polizei am Samstag noch zur Beobachtung im Krankenhaus. Eine 38 Jahre alte Frau und ein neunjähriger Junge erlitten demnach einen Schock und wurden vor Ort behandelt.

Polizei bittet, Spekulationen zu unterlassen

Der Unfallort an der Invalidenstraße war bis kurz vor zwei Uhr nachts gesperrt. Notfallseelsorger, die Berliner Feuerwehr und die Polizeipfarrerin betreuten Unfallzeugen, aber auch Einsatzkräfte. Über die familiären Zusammenhänge wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern.

Zu den möglichen Unfallursachen machte die Polizei vorerst keine Angaben. "Erste Hinweise, wonach ein medizinischer Notfall des Fahrers ursächlich gewesen sein könnte, fließen ebenso wie sämtliche anderen Aussagen, Informationen und Beweise in das Ermittlungsverfahren mit ein", hieß es in einer Pressemitteilung. Bei dem Fahrer sei eine Blutprobe genommen worden. Zudem hätten die Beamten seinen Führerschein beschlagnahmt und das Unfallfahrzeug sichergestellt.

Ausdrücklich bat die Polizei auf Twitter: "Bitte unterlassen Sie Spekulationen aus Rücksicht auf die Angehörigen." Zuvor war in dem Onlinedienst unter anderem über ein illegales Autorennen spekuliert worden. Dazu sagte ein Polizeisprecher: "Es gibt derzeit keine Erkenntnisse, dass ein zweites Fahrzeug involviert war."

Paul Zinken/dpa

Mehrere hundert Menschen nahmen an einer Mahnwache an der Unfallstelle teil

Bei einer Mahnwache haben am Samstagabend mehrere Hundert Menschen der Opfer gedacht. Mehrere Teilnehmer setzten sich auf die Invalidenstraße, die für den Verkehr abgesperrt war. Vier Minuten schwiegen sie - je eine Minute für jedes Todesopfer. Für jedes wurde auch eine weiße Kunststofffigur am Unfallort aufgestellt.

Zu der Mahnwache hatten die Vereine FUSS, Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Changing Cities aufgerufen. Sie forderten Tempo 30 in der ganzen Stadt, eine autofreie Innenstadt und eine Ombudsperson für Verkehrsunfallopfer. "In der Regel sind es Autos, die töten im Verkehr", sagte Heiner von Marschall, der Vorsitzende des VCD Nordost. Auf Transparenten forderten Teilnehmer "Motorisierte Gewalt stoppen" und kritisierten "motorisierte Mordwerkzeuge".

mho/AFP

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