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Fotostory

Cowboy. In Sachsen

Er treibt Rinder zur Weide, wirft Lasso und veranstaltet Rodeos: Dietmar Lämmerhirt führt das Leben eines Cowboys - in Sachsen. Fotografin Ulrike Schmid hat ihn begleitet.

Ulrike Schmid
Von
Montag, 14.10.2019   14:13 Uhr

Einen halben Kilometer entfernt von dem 100-Seelen-Ort Fasendorf im sächsischen Vogtland hat sich Dietmar Lämmerhirt eine Ranch gebaut. Täglich reitet er dort mit seinen Pferden aus, pflegt Rinder, bringt anderen bei, wie man sich um die Tiere kümmert und hält die Anlage instand. Er führt das Leben eines Cowboys.

Die Fotografin Ulrike Schmid sah im Fernsehen zufällig eine Dokumentation über eine Cowboyfamilie aus der Schweiz - und war fasziniert. In Rodeo- und Cowboygruppen auf Facebook suchte sie jemanden mit einem ähnlichen Lebensstil. Jemanden, der sich fotografieren lassen würde. Sie fand Dietmar Lämmerhirt.

Über ein Jahr hinweg besuchte sie ihn alle paar Wochen für ein paar Tage, wohnte mit ihm und seiner Frau zusammen, half bei der Arbeit - und fotografierte. Ihre Serie zeigt, wie der 62-Jährige Lasso wirft, wie er Rinder eintreibt oder seine Ranch dekoriert.

Dem SPIEGEL erzählte Lämmerhirt, dass er seit seiner Kindheit Pferde liebt, als Erwachsener mit dem Westernreiten angefangen habe - doch das irgendwann nicht mehr genügt habe. Er wollte eigene Tiere und einen eigenen Hof und erfüllte sich diesen lang gehegten Traum vor knapp 20 Jahren in der sächsischen Einöde.

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Leben als Viehhirte: "Ich bin ein Cowboy by choice"

Er lernte zwei amerikanische Cowboys kennen, die ihm die wichtigsten Grundlagen in der Arbeit mit Rindern und Pferden beibrachten. Sonst stammt sein Wissen der Fotografin zufolge größtenteils aus Büchern und Filmen, in Amerika war er noch nie. Inwieweit seine Vorstellung der Realität und nicht nur einem Klischee entspricht, weiß er nicht.

Er nennt sich trotzdem Cowboy, die amerikanische Bezeichnung für Viehhirt. Von früh morgens bis abends füttert er die Tiere, mistet den Stall aus; er trainiert Rinder seiner Nachbarn, bringt sie von Koppel zu Koppel oder repariert Zäune. Er sei eigentlich immer draußen, sagt Lämmerhirt. Manchmal veranstaltet er auch Rodeos, bei denen Reiter aus verschiedenen Ländern teilnehmen. Geld verdient er damit nicht, er finanziert sich über seine Rente.

Ab und zu trifft er sich mit Gleichgesinnten, mit denen er sich über das Reiten und die Tiere austauscht. Auch sein Äußeres erzählt von seiner Leidenschaft: Er trägt Jeans, Hut, Cowboystiefel. Sein Wohnhaus hat er mit Trommeln und Bildern von Pferden dekoriert.

Trotz seines Alters und gesundheitlicher Probleme kann Lämmerhirt sich offenbar nicht vorstellen, mit seiner Arbeit aufzuhören. "Ich mache das, bis ich vom Sattel falle", sagt er.

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