Panorama

Im Heißluftballon in den Westen

DDR-Flüchtling Peter Strelzyk ist tot

Es war eine der spektakulärsten Fluchten aus der DDR: Mit einem selbst gebauten Heißluftballon überwand Peter Strelzyk 1979 die innerdeutsche Grenze. Nun ist er im Alter von 74 Jahren gestorben.

DPA
Dienstag, 14.03.2017   17:08 Uhr

Peter Strelzyk floh fliegend in die Freiheit. In der Nacht zum 16. September 1979 überwand er mit einem selbst gebauten Heißluftballon den Todesstreifen - mit an Bord: seine Frau und die beiden Söhne sowie eine befreundete Familie. Der Ballon landete auf einer Wiese in der Nähe des oberfränkischen Naila. Nur selten hatte eine so große Gruppe auf einmal Mauer und Minenfelder überwunden.

Nun ist Peter Strelzyk gestorben. Laut Alexandra Hildebrandt, der Direktorin des Berliner Mauermuseums, starb er nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren - einem Bericht der "Ostthüringer Zeitung" zufolge bereits am Samstag im Jenaer Universitätsklinikum.

Der geheime Nachtflug im Heißluftballon ist einer der spektakulärsten Fluchtversuche aus dem SED-Staat.

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Peter Strelzyk: Der letzte fliegende Flüchtling

Die außergewöhnliche Flucht machte die beiden Familien zu Stars der westdeutschen Medien; auch Hollywood nahm sich der Geschichte an: Zwei Jahre nach der geglückten Flucht kam der Film "Mit dem Wind nach Westen" weltweit in die Kinos.

DDR-Flüchtling Peter Strelzyk

Nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes und der Wiedervereinigung kehrten Doris und Peter Strelzyk Mitte der Neunzigerjahre in ihr altes Haus nach Pößneck zurück. 1999 schrieben sie ihre Lebensgeschichte in dem Buch "Schicksal Ballonflucht" auf.

asa/dpa

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Parteienystem der DDR

Parteienbildung nach 1945
Die Sowjetische Militäradministration ließ mit ihrem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 zwar schon frühzeitig die Bildung von Parteien zu (die KPD, die SPD, die CDU und die LDPD). Sie tat dies jedoch vor allem, um die Richtung der Parteien von vornherein steuern zu können. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen hatte, als könnten die Kommunisten einen eigenständigen deutschen Weg zum Sozialismus einschlagen, wurde jedoch bald deutlich, daß die sowjetische Führung nicht willens war, in ihrer Besatzungszone Parteien mit unterschiedlichen Konzeptionen zu dulden.

Zwangsvereinigung von KPD und SPD
Im April 1946 kam es zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die neue Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) errang dank der sowjetischen Besatzungsmacht allmählich ein Machtmonopol. Die beiden anderen Parteien - die CDU und die LDPD - verloren ihre Eigenständigkeit. Der abgesetzte Vorsitzende der CDU Jakob Kaiser ging in den Westen; der konzessionsbereite Vorsitzende der LDPD Wilhelm Külz verstarb 1948.

In jenem Jahr wurden von der SED zwei weitere Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD).

Blockparteien
Bis 1989 waren die Christliche Demokratische Union der DDR (CDU), die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), die Liberale Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) mit der Sozialistischen Einheitspartei (SED) im Demokratischen Block zusammengeschlossen. Als Blockparteien waren sie sowohl in der Volkskammer als auch in der Regierung vertreten - hatten jedoch nahezu keinen politischen Einfluss.

Die Bedeutung der Blockparteien, die die Führungsrolle der Kommunisten anerkannten, erwies sich für die SED als ambivalent. Einerseits schirmten sie deren Herrschaft ab, andererseits hatten sie auch für diejenigen eine Nischenfunktion, die sich der SED entziehen wollten.

Nationale Front
In der Nationalen Front der Deutschen Demokratischen Republik, die jeweils eine Einheitsliste für die Wahlen aufstellte, waren sämtliche Parteien zusammen mit den Massenorganisationen vereinigt. Zu ihnen gehörten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), der Kulturbund der DDR (KB) sowie die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Diese Massenorganisationen sollten die Bürgerinnen und Bürger der DDR ideologisch erfassen, für die Ziele der SED gewinnen und letztlich auch kontrollieren.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

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