Panorama

Traditions-Diner in New York

Tratsch an der Theke, rund um die Uhr

Die meisten haben 24 Stunden geöffnet, bei einigen gehört die Jukebox zum Inventar: Fotografin Riley Arthur hat alle Diner in New York abgelichtet - wirklich alle. Und verrät, wo sie Stammgast ist.

Riley Arthur
Von
Mittwoch, 31.07.2019   15:04 Uhr

Rentner treffen sich dort, um Scrabble zu spielen, Verliebte haben ein Date, Angestellte trinken ihren allmorgendlichen Kaffee: Diner gehören zum typischen Bild einer jeden amerikanischen Stadt.

Als Fotografin Riley Arthur nach New York City zog , war sie sofort von den dortigen Restaurants fasziniert, die aus einer anderen Zeit zu stammen schienen. Als sie hörte, dass immer mehr dieser Lokalitäten in der Stadt zu verschwinden drohen, beschloss sie dieses Stück Geschichte fotografisch festzuhalten.

Ihr Ziel: Alle verbleibenden Diner in New York City zu finden. Ihre Ergebnisse teilt sie seitdem auf ihrem Instagram-Account. Nach drei Jahren hatte sie es geschafft und 458 Restaurants festgehalten. Dutzende von ihnen existieren bereits nicht mehr.

Diner haben traditionell rund um die Uhr geöffnet oder zumindest bis spät in die Nacht hinein - und servieren jederzeit Frühstück, Mittag- oder Abendessen, sagt die Fotografin. Meist stünden Hamburger, Pommes Frites, Milchshakes, Kuchen und Sandwiches auf dem Speiseplan. Die typische Architektur: Sitzecken, eine lange Bedienungstheke, Barhocker, Fliesenböden, neonfarbene Beschilderung. Laut Arthur sind die Grenzen zu einem Coffeeshop jedoch oft fließend.

Einige der Läden heben sich optisch vom klassischen Diner ab, manche gleichen einem Raumschiff oder stehen unter dem Motto Auto. Manche sind als Filmkulisse bekannt geworden - wie zum Beispiel das Good Fellas Diner aus dem gleichnamigen Film von Martin Scorsese.

Oft sind die Diner laut der Fotografin speziell auf die Viertel und die Menschen, die dort leben, ausgerichtet - es gibt beispielsweise Restaurants mit karibischem oder koscherem Essen. Manhattan hat die kleinsten Diner und die touristischsten. Die Gäste in der Bronx haben die größten Parkplätze, in Brooklyn gibt es Arthur zufolge die meisten Diner mit Fusion-Küche.

Fotostrecke

Von Manhattan bis Queens: Diner in New York City

Die meisten Besitzer waren sehr stolz und aufgeregt, wenn Arthur sie besuchte. Sie erzählten voller Begeisterung von der Geschichte des Gebäudes und luden die Fotografin sogar ein, in der Küche zu fotografieren.

New York City war einst Heimat von Tausenden dieser Schnellrestaurants, doch seit Jahrzehnten ist ihre Zahl rückläufig. Warum? Zum einen steigen die Kosten für Essen und Getränke, für Lohn ebenso wie für Mieten: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Mietvertrag endet und die Miete um 10.000 Dollar pro Monat erhöht wird", sagt Arthur.

Außerdem seien die Diner nicht mehr so beliebt wie früher und würden zunehmend durch hippe Restaurants ersetzt werden. Bei anderen bedeutete der Generationswechsel das Aus: Viele Besitzer gingen in Rente, ihre Kinder zeigten oft wegen der unattraktiven Arbeitszeiten kein Interesse daran, in deren Fußstapfen zu treten.

Arthur will mit ihren Fotos Menschen dazu bringen, die Speiselokale wieder zu besuchen. "Das Essen ist zwar nicht das beste, aber es ist die entspannte Atmosphäre, die den Besuch zu einem Erlebnis macht." Touristen gibt sie den Tipp, nicht nur in der Innenstadt nach einem geeigneten Diner zu suchen, sondern auch in Bezirke wie Staten Island, Queens oder die Bronx zu gehen. Dort sei es billiger und man treffe mehr Einheimische.

Trotz der großen Auswahl hat Arthur selbst ein Lieblingsrestaurant: das Colonnade Diner auf Staten Island. Am liebsten isst sie dort Matzenknödelsuppe. Für die Fotografin gehören zu einem perfekten Diner auch Mitarbeiter, die dort über Jahre hinweg arbeiten ebenso wie Stammgäste. Besonders gern sitzt sie nämlich an der Theke, um Gespräche zwischen Personal und Gästen aufzuschnappen.

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