Panorama

Frauenquote im Cockpit

"Emma" irritiert mit Kommentar zur Germanwings-Katastrophe

Das feministische Magazin "Emma" nutzt die Germanwings-Katastrophe, um eine Frauenquote in Cockpits zu fordern. Das sorgt für Empörung.

Rolf Bewersdorf/ Lufthansa

Pilotinnen der Lufthansa: "Amoktrips sind Männersache"

Samstag, 28.03.2015   18:18 Uhr

Auch die feministische Zeitschrift "Emma" befasst sich mit der Katastrophe von Flug 4U9525. Unter dem Bild eines abhebenden Germanwings-Fliegers heißt es dort gleich in der Einleitung: "Amoktrips sind Männersache. Und die Lufthansa hat 94 Prozent männliche Piloten." Sowie: "Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Täter sind männlich."

Das Magazin nutzt das Unglück für einen Text, in dem, so lautet auch die Überschrift, eine "Frauenquote fürs Cockpit!" gefordert wird. Die Autorin verweist darin auf die "bei Männern viermal so hohe" Suizidquote. Daraus folgt dieser Satz:

"Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren."

Der Beitrag, laut der Autorin eine Glosse, sorgt für Empörung. (Hier geht es zum Text.) Auf Twitter wird, wie zu erwarten war, heftig gestritten. Dabei wird "Emma" unter anderem vorgeworfen, Tote "für die Quote zu instrumentalisieren". Beim Absturz des Airbus am Dienstag kamen alle 150 Insassen ums Leben.

Einerseits ist die generelle Position, die im Beitrag zum Ausdruck kommt, nicht überraschend. "Emma" kämpft für die Frauenquote. Die Autorin des Beitrags, die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch, ist bekannt dafür, feministische Forderungen auch einmal zuzuspitzen. So forderte sie einst, aus Gründen "kompensatorischer Gerechtigkeit", die kommenden 2000 Jahre nur die weibliche Sprachformen, statt wie üblich die männliche Form, zu verwenden.

Andererseits dürfte auch manche Feministin, die Puschs Ziele im Grunde teilt, die Art des Beitrags als taktlos ansehen. Immerhin nutzt die "Emma"-Autorin eine Tat, die in diesen Tagen viele schockiert und nicht abschließend geklärt ist, als vermeintlichen Beleg für Männergewalt. Sie schreibt etwa von Amokflügen, "die offenbar häufiger vorkommen, als der Öffentlichkeit bewusst ist". Experten sprechen in der jüngeren Luftfahrtgeschichte von drei Fällen von erweitertem Suizid.

Folgt man Pusch, würde sich diese Frage stellen: Wenn Männer als Piloten tatsächlich solch eine immense Gefahr darstellen, müsste man sie dann nicht komplett aus dem Cockpit verbannen?

fab

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