Panorama

Elvis-Imitatoren

Einmal King sein!

Schwarze Schmalzlocke, glitzernde Kleidung, lockerer Hüftschwung: Graeme Oxby hat Dutzende Elvis-Imitatoren fotografiert, die bei Veranstaltungen in Großbritannien auftreten.

Graeme Oxby/ INSTITUTE
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Mittwoch, 24.07.2019   21:22 Uhr

Vor ein paar Jahren begegnete Fotograf Graeme Oxby einem alten Bekannten an einer Tankstelle. Der mittlerweile 60-Jährige hatte sich im Gegensatz zum letzten Treffen komplett verändert: Er trug nun dunkle Haare mit Koteletten, eine goldene Jacke sowie eine Sonnenbrille und betankte seinen Cadillac. Was war passiert? Er erzählte Oxby, er habe seinen Namen zu Elvis geändert und lebe nun als eine Art Doppelgänger des Musikers.

In diesem Moment war die Idee für Oxbys Projekt geboren: Er wollte herausfinden, warum Menschen in Großbritannien so besessen von einem amerikanischen Sänger sind, der bereits 1977 gestorben ist. Denn sein Bekannter ist in dem Land kein Einzelfall: Viele, vor allem Männer, aber auch Frauen und Kinder, schlüpfen in die Rolle von Elvis Presley - zumindest vorübergehend. Einige von ihnen treten als Imitatoren oder "Elvis-Tribute-Künstler", wie sie genannt werden, in Pubs, Clubs und Theatern und bei Wettbewerben auf den britischen Inseln auf.

Oxby hatte selbst schon immer ein großes Interesse an dem Musiker Presley. Als er ein Kind war, schaute sich die Familie häufig Filme mit ihm an. "Er wirkte immer unglaublich gutaussehend und glamourös und die Songs trösteten darüber hinweg, wenn die Schauspieler oder das Drehbuch nicht so gut waren." Über vierzig Jahre nach seinem Tod werden Elvis und seine Musik in Großbritannien immer noch gefeiert, er gehört immer noch zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Popkultur.

Ab 2013 fotografierte Oxby Menschen im ganzen Land, die dem Musiker huldigen. Mittlerweile hat er Hunderte von Elvis-Imitatoren ebenso wie Hunderte Fans fotografiert. 76 wählte er für seinen Bildband "Kings of England" aus. Sie zu finden, war einfach: Überall in Großbritannien werden Wettbewerbe und andere Veranstaltungen rund um den verstorbenen Star organsiert, aber auch in Pubs, Clubs und sogar Altenheimen treten die Anhänger auf.

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Das erste Event, das Oxby besuchte, war in Bridlington, einer Küstenstadt im Norden Englands: "Der Raum war voll von Elvis-Imitatoren und ich war absolut fassungslos von der Farbe und Lebendigkeit der Menschen und ihrer Outfis." Aber auch in Blackpool, Yorskshire oder Birmingham konkurrieren Elvis-Tribute-Künstler regelmäßig, um die beste Live-Interpretation von Elvis Presley.

Nur wenige Menschen sind professionelle Elvis-Darsteller wie Ben Thompson, der 2017 die Weltmeisterschaft in Memphis gewann und den Musiker im Film "Blade Runner 2049" neben Harrison Ford und Ryan Gosling spielte. Die meisten anderen haben einen regulären Job und schlüpfen nur am Wochenende in die Rolle. Oxbys liebster Künstler ist Bobby Diamond aus Hull: "Er gibt so viel Energie und Hingabe in seine Leistung, dass er wie eine Naturgewalt ist."

Warum sind so viele Menschen von Elvis fasziniert? Oxby sieht den Grund nicht nur in der Musik und der Ausstrahlung. Der Musiker verkörpere auch für viele den amerikanischem Traum, dass jeder es schaffen kann, nach oben zu gelangen, wenn er nur hart arbeitet. "Elvis war ein armer Lastwagenfahrer aus Tupelo, der später zum meistfotografierten Mann auf dem Planeten wurde, einer der berühmtesten Menschen, die je gelebt haben", sagt er.

Viele der Menschen, die Oxby getroffen hat, befanden sich laut ihm außerdem in einer Krise, und die Verkörperung von Elvis und die Zugehörigkeit zu einer unterstützenden Gemeinschaft halfen ihnen, diese zu überwinden. Doch vor allem vereint alle eine große Liebe zu seiner Person: Indem sie wie er singen, sich anziehen und wie er bewegen - so halten sie ihn lebendig.

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