Panorama

Mitglied jüdischer Geheimorganisation

"Rächer" Joseph Harmatz ist tot

Joseph Harmatz überlebte den Holocaust und wollte anschließend vor allem eins: Vergeltung. Er plante unter anderem, 12.000 Deutsche mit Brot zu vergiften. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

AP

Joseph Harmatz

Dienstag, 27.09.2016   02:15 Uhr

Der Holocaust-Überlebende Joseph Harmatz ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, wie sein Sohn bestätigte. Harmatz war Mitglied der jüdischen Geheimorganisation "Nakam", die es sich zum Ziel gesetzt hatte, sich für den Holocaust an Deutschland zu rächen.

Im April 1946 versuchte die Gruppe, Tausende Deutsche zu vergiften. Dazu hatten sich "Nakam"-Mitglieder in einer Bäckerei anstellen lassen, die für das Kriegsgefangenenlager in Langwasser bei Nürnberg zuständig war - dort hielten die Amerikaner etwa 12.000 SS-Soldaten gefangen. Drei "Nakam"-Mitglieder vergifteten zwei Stunden lang etwa 3000 Brotlaibe mit einem Arsen-Gemisch, einem der giftigsten Elemente. Harmatz überwachte die Operation außerhalb der Bäckerei.

Tatsächlich erkrankten durch die Aktion mehr als 2200 Deutsche in dem Lager. Todesfälle sind allerdings nicht bekannt.

AP/U.S. Army Signal Corps

Bäckerei in Nürnberg, die das Gefangenenlager belieferte

Im vergangenen Monat hat die Nachrichtenagentur AP noch ein Interview mit Harmatz geführt und dabei auch über den Giftanschlag gesprochen. Das Ziel der Aktion sei simpel gewesen, sagte er demnach. "Deutsche töten." Auf die Frage, wie viele, habe Harmatz geantwortet: "So viele wie möglich."

Harmatz wurde in Litauen geboren, er verlor fast seine gesamte Familie im Zweiten Weltkrieg. Die Gruppe "Nakam" ("Rache") beziehungsweise "Dahm Israel Nakam" ("Das Blut Israels wird über euch kommen") wurde nach Kriegsende von Abba Kovner gegründet. Die rund 50 Mitglieder wollten Rache üben im Namen der vielen Juden, die während des Holocausts in Synagogen und jüdischen Wohnvierteln ihre Verzweiflungsschreie an die Wände geschrieben hatten: "Wir werden ermordet, nehmt Rache!" (Mehr Hintergründe dazu lesen Sie hier.)

aar/AP

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