Panorama

"Patriot"-Park nahe Moskau

Russlands Jugend soll Kopie des Reichstags stürmen

Im Erlebnispark "Patriot" bei Moskau geht es demnächst zur Sache: Der russische Verteidigungsminister will hier eine Kopie des Berliner Reichstags bauen lassen. Damit junge Patrioten authentischer das Stürmen üben können.

AFP

Besucher des Park 'Patriot' bei Moskau

Mittwoch, 22.02.2017   15:55 Uhr

Auch junge Patrioten wollen motiviert werden. Um Kampfgeist und eine authentische Kriegsatmosphäre zu wecken, will die russische Jugendorganisation Junarmija (Junge Armee) jetzt nahe Moskau ein Modell des Berliner Reichstags aufstellen, an dem minderjährige Freizeitsoldaten das Stürmen lernen können. Dies bestätigte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

"Wir bauen im Park 'Patriot' den Reichstag", sagte der General am Mittwoch. "Nicht komplett, aber so, dass unsere Jungarmisten nicht einfach irgendetwas angreifen, sondern einen konkreten Ort."

Neben dem geplanten Reichstag gibt es in dem Park etwa eine Autostunde südöstlich von Moskau bereits ein maßstabgetreues, komplett eingerichtetes Partisanendorf. Auch eine Frontlinie wurde gezogen, "damit die Leute die Atmosphäre nachempfinden können, wie man damals unter diesen Umständen gelebt hat", so Schoigu. Im laufenden Jahr sollen Besucher außerdem die Möglichkeit erhalten, einen Tag lang Dienst auf einem U-Boot zu tun, inklusive Kampfhandlung und "Nudeln auf Flottenart".

Der "Patriot"-Park südöstlich von Moskau ist eine Mischung aus martialischem Vergnügungspark und Waffenausstellungszentrum. Auf einem 4000 Hektar großen Gelände präsentieren sich Russlands Armee und Rüstungsbranche dem Volk. Es gibt Panzershows, Hüpfburgen in Flecktarn und 3D-Simulatoren, außerdem historische Exponate wie etwa T-34-Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Russische Militär-PR: Familienausflug in den Park der "Patrioten"

Im Juli 2016 war auf Initiative des Verteidigungsministers die patriotische Jugendorganisation Junarmija gegründet worden. In dem Verband sind laut Nachrichtenagentur Interfax rund 5000 Jugendverbände organisiert. Den Vorwurf, er fördere mit solchen Strukturen eine Militarisierung der Gesellschaft, wies Schoigu von sich. "Man sagt, wir würden das Land militarisieren, damit bei uns alle im Gleichschritt marschieren. Das ist natürlich nicht so."

Laut Selbstbeschreibung strebt die Organisation danach, "die gute alte Traditionen der Kinder- und Jugendarbeit wieder aufleben zu lassen". Die altbekannten Parolen lauten Patriotismus, Freundschaft und - Internationalismus. Da kann man schon mal auf den deutschen Reichstag schießen, probehalber, im Kleinformat.

Geht es nach dem russischen Verteidigungsminister, soll im "Patriot"-Park "die ganze Familie in die Geschichte des großen Vaterländischen Krieges eintauchen". General Schoigu müht sich seit seinem Amtsantritt 2012 darum, die Popularität der Armee zu steigern. Unter anderem hat er eine neue Sportdisziplin ins Leben gerufen: den Panzerbiathlon.

ala

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